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Fokus Osteuropa

Russland: Junge Putin-Anhänger protestieren gegen Estland

Vor der Vertretung der EU-Kommission in Moskau wollen Anhänger der kremltreuen Jugendorganisation "Naschi" einen Dauerprotest gegen die Politik Estlands etablieren. Ziel ist die Freilassung eines ihrer Aktivisten.

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Unterstützung für Aktivisten Mark Siryk

Etwa 30 bis 50 Demonstranten von "Naschi" ("Die Unseren") haben vor dem EU-Gebäude eine Glocke aufgebaut. Sie soll im Viertelstundentakt läuten und damit an das Schicksal eines 17-jährigen Schülers und Aktivisten der Jugendbewegung erinnern, der in Estland in Untersuchungshaft sitzt. Der Chef von "Die Unseren", Wasilij Jakemenko, sagte, die Glocke werde so lange läuten, bis Mark Siryk aus der Haft entlassen ist.

Siryk war von einem estnischen Gericht für ein halbes Jahr in Haft genommen worden. Er wird verdächtigt, die Massenunruhen um die Umsetzung des Kriegerdenkmals in Tallinn (26.-28. April) geschürt zu haben. Dies wird von "Naschi" bestritten, eine Beteiligung an den Ereignissen jedoch nicht. Die Ermittlungen dauern an.

"Sturmläuten" mit Verspätung

Der erste Glockenschlag am 21. Mai erklang allerdings deutlich verspätet – um 13.15 Uhr Ortszeit statt, wie geplant, um 12 Uhr. Die Organisatoren der Aktion erklärten, die Staus in Moskau hätten den rechtzeitigen Start des "Sturmläutens für Demokratie in Europa" verhindert. Der tatsächliche Grund für die Verspätung wurde später klar: Die hastig zusammengebaute Konstruktion wurde auf einem Abschleppwagen angefahren. Noch nicht einmal die administrativen Ressourcen des Kreml hatten geholfen, alles rechtzeitig fertig zu stellen. Zum Beginn der Aktion erschienen übrigens mehr Journalisten als Mitglieder der Bewegung.

Moskau fordert Kritik an Estland

Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland sind seit dem estnischen Denkmal-Streit angespannt. "Wir müssen die EU daran erinnern, dass sie politische Gefangene auf ihrem Gebiet hat", sagte Wasilij Jakemenko von "Naschi". Russland hatte Ende April energisch gegen die Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals in Tallinn sowie die Festnahme randalierender Demonstranten durch die estnische Polizei protestiert. Die estnischen Behörden sollen "unverhältnismäßig hart" gegen Demonstranten russischer Abstammung vorgegangen sein.

Moskau hat von der Europäischen Union in Brüssel wiederholt eine öffentliche Kritik am EU-Mitgliedsland Estland gefordert. Beim EU-Russland-Gipfel am 18. Mai hatte es die EU als "gutes Recht Estlands" bezeichnet, das Denkmal aus dem Stadtzentrum von Tallinn zu entfernen. Die russische Minderheit in Estland und die Regierung in Moskau hingegen fühlten sich provoziert.

Jegor Winogradow
DW-RADIO/Russisch, 21.05.2007, Fokus Ost-Südost