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Fokus Osteuropa

„Russland hält dem Westen den Kosovo-Spiegel vor"

Die militärische Intervention Russlands in Georgien lädt zu Vergleichen mit dem westlichen Vorgehen im Kosovo-Konflikt ein. Experten sehen Parallelen, unterstreichen aber auch Unterschiede.

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Nach einem russischen Luftangriff im georgischen Tkviavi (11.8.2008)

Der Fünf-Tage-Krieg um Süd-Ossetien wird im Kaukasus und auf dem Balkan mit dem Kosovo-Krieg verglichen. Von März bis Juni 1999 bombardierte die NATO 11 Wochen lang die damalige Bundesrepublik Jugoslawien. Jegliche Kritik der EU oder der USA wegen des Vorgehens in Georgien weise Russland auch heute noch mit dem Hinweis auf die Intervention im damaligen Jugoslawien ab, sagte in einem Interview mit DW-TV Alexander Rahr, der Russlandexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin: „Moskau ist heute die westliche Position oder die westliche Kritik völlig egal. Russland will dem Westen den Spiegel vorhalten und sagen: So wie wir im Kosovo-Konflikt vor zehn Jahren nur Zaungast waren, so wie ihr im Westen nachher die Unabhängigkeit des Kosovo durchgesetzt habt gegen unsere Interessen, so wie ihr die NATO erweitern wollt oder die Raketen aufbaut, ohne uns zu fragen, so werden wir zeigen, dass wir auch bereit sind, gegen eure Interessen zu agieren.“

„Auch die NATO hat zivile Ziele angegriffen“

Auch hinsichtlich der Kriegsführung werden Parallelen gezogen. Das Vorgehen des Westens im Kosovo-Krieg und das Vorgehen Russlands in Georgien könnten durchaus verglichen werden, erklärte Franz-Lothar Altmann, Balkanexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin gegenüber DW-RADIO: „Zum einen ist da das, was Russland als Antwort auf die Vorwürfe des Westens reklamiert: Nämlich, dass der Westen – sprich die NATO – in Serbien selbst Angriffe geflogen hat. Wobei Russland hier sagt, die NATO wäre auch gegen zivile Einrichtungen vorgegangen. Dem gegenüber steht der Standpunkt der NATO, dass die Angriffe vor allem gegen Infrastruktur und strategische Ziele und nicht gegen zivile Wohngebäude gerichtet gewesen seien. Im Falle Georgiens sagt man nun umgekehrt, dass die Russen zum Beispiel in Gori wirklich Wohnviertel angegriffen und zerstört haben.“

Votum der Bevölkerung

Anfang dieses Jahres hat das Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt. Bisher wurde der neue Staat von 45 überwiegend westlichen Ländern anerkannt. Auch Regionen wie Abchasien und Süd-Ossetien streben eine Loslösung von Georgien an und hoffen auf internationale Anerkennung. Auch hier gebe es Parallelen, stellt Altmann fest: „Der Westen hat im Falle von Kosovo gesagt: Hier hat die Bevölkerung entschieden, sie möchte nicht unter serbischer Herrschaft weiter leben, und hat damit grünes Licht gegeben für die Unabhängigkeitserklärung. Umgekehrt argumentiert Russland zunehmend so, dass weder die Süd-Osseten noch die Abchasen jemals wieder in die Arme von Georgien zurückkehren könnten. Es müsse dann die Bevölkerung entscheiden.“ In der Konsequenz hieße das aber, dass Russland die Unabhängigkeit des Kosovo nicht weiter blockieren könne, betont der Berliner Politikwissenschaftler.

„Süd-Ossetien ist doch nicht Kosovo“

Doch es gibt auch Experten, die davor warnen, Vergleiche zwischen Kosovo und Süd-Ossetien zu ziehen. So zum Beispiel Milera Isic vom Zentrum für Angewandte Politikforschung in München. Sie sagt: „Russland hat seit Beginn der 1990er Jahre aktiv an der Abspaltung Süd-Ossetiens von Georgien gearbeitet. So etwas war im Kosovo nicht der Fall. Eine Unabhängigkeitserklärung Süd-Ossetiens, wie es Kosovo verkündet hat, ist nicht zu erwarten. Und zwar, weil Russland schon seit mehr als zehn Jahren versucht, Süd-Ossetien an Russland anzuschließen. Serbien hat die Bürger Kosovos niemals als Bürger Serbiens behandelt.“ (fs)