Russland geht gegen Telegram vor | Welt | DW | 06.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Messenger-Sperre

Russland geht gegen Telegram vor

Weil das Unternehmen zweier russischer Brüder dem Staat keine Daten zur Verfügung stellt, soll der Messengerdienst in Russland gesperrt werden. Telegram will sich weiter für die Privatsphäre seiner Nutzer einsetzen.

Telegram Messenger

"Die Drohungen werden keine Ergebnisse bringen": Telegram wehrt sich gegen russischen Staat

Die russische Kommunikationsaufsicht Roskomnadsor hat den Messenger Telegram verklagt. Das Unternehmen habe eine Frist verstreichen lassen, um seine Nutzerdaten an den russischen Geheimdienst FSB weiterzugeben. Die Klage der Aufsichtsbehörde habe das Ziel, den Zugang zu Telegram auf russischem Gebiet "einzuschränken", teilte Roskomnadsor in Moskau mit.

Als sogenannter "Organisator der Informationsverteilung" ist Telegram verpflichtet, Daten und Interaktionen an den Staat weiterzugeben. Der FSB verwies darauf, dass Nachrichten mancher Nutzer bei der Terrorabwehr helfen könnten. Telegram weigert sich jedoch, die Daten preiszugeben.

Privatsphäre und Datenschutz zählen zu den Markenkernen des Messengers. Telegram verschlüsselt alle Nachrichten, sodass sie für Dritte nicht lesbar sind. Der russische Geheimdienst ist daher auch darauf angewiesen, dass das Unternehmen die Nachrichten zunächst entschlüsselt.

Forderungen "nicht umsetzbar"

Telegram hat sich bisher nicht zu der Klage geäußert. Bereits im März schrieb Geschäftsführer Pawel Durow auf Twitter: "Die Drohungen, Telegram zu blockieren, wenn es nicht die persönlichen Daten seiner Nutzer liefert, werden keine Ergebnisse bringen. Telegram wird die Freiheit und Vertraulichkeit verteidigen."

Telegram hatte stets erklärt, die Forderungen der Regulierungsbehörde seien in technischer Hinsicht schlicht "nicht umsetzbar". Das verwendete Verschlüsselungssystem sei so kompliziert und sicher, dass selbst das Unternehmen zu manchen Daten keinen Zugang habe.

Beliebt unter politischen Aktivisten

Im vergangenen Jahr verurteilte die russische Justiz Telegram bereits zu einer Geldstrafe in Höhe von 800.000 Rubel (18.000 Euro). Das Unternehmen habe nicht ausreichend mit dem FSB-Geheimdienst zusammengearbeitet. Der Messengerdienst kritisierte die Gerichtsentscheidung als Verstoß gegen die russische Verfassung.

Telegram wurde 2013 von den russischen Brüdern Nikolai und Pawel Durow gegründet und hat mittlerweile mehr als 200 Millionen Nutzer. Der Messenger ist zwar nur die neuntbeliebteste Kommunikationsapp weltweit, wird aber vor allem in Russland und dem Nahen Osten genutzt. Durch die effektive Verschlüsselung ist der Dienst besonders beliebt unter politischen Aktivisten, aber auch Dschihadisten. In der Vergangenheit hatte Telegram bereits einige Nutzerkonten mit Verbindung zum "Islamischen Staat" (IS) sperren müssen.

pgr/rb (afp,rtr)

Die Redaktion empfiehlt