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Sport

Russland dominiert Europas Leichtathletik

Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona erwies sich Russland erwartungsgemäß als stärkste Nation: Großbritannien und Frankreich dominieren in Westeuropa, die deutsche Vorstellung macht Hoffnung.

Weitspringer Christian REIF

Geradezu sensationell sprang Christain Reif zu Gold

Diskuswerfer Robert Harting Foto: Rainer Jensen dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nach WM-Gold nun EM-Silber - Diskuswerfer Robert Harting

Die letzten beiden der sechs Wettkampftage von Barcelona brachten noch einmal einen wahren Medaillenregen für die deutsche Leichathletik-Mannschaft. Nicht weniger als fünf Medaillen brachte der abschließende Sonntag dem deutschen Team noch ein. Eine überhaupt nicht einkalkulierte Goldmedaille sicherte sich Weitspringer Christian Reif, Silber gab es für Diskuswerfer Robert Harting und überraschend für die 4 x 400 m-Staffel der Frauen, Bronze für Hochspringerin Ariane Friedrich und die 4 x 100 m-Männerstaffel.

Am Samstag hatte der bis dahin praktisch unbekannte Speerwerfer Mathias de Zordo Silber gewonnen, Bronze holten Siebenkämpferin Jennifer Oeser, Hürdensprinterin Carolin Nytra und Kugelstoßer Ralf Bartels.

Unerwartet gutes deutsches Team

Hochspringerin Ariane Friedrich Foto: Rainer Jensen dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ariane Friedrich sprang zu Bronze

Insgesamt gewann das deutsche Team in Spanien also 16 Medaillen (4 Gold, 6 Silber, 6 Bronze) und damit mehr als bei der WM 2009 in Berlin (9) und vor allem als die 10 Medaillen der EM 2006 in Göteborg. Dabei hatte es zu Beginn der Wettkämpfe eher nach einer deutschen Pleite ausgesehen, versagten doch ausgerechnet vermeintlich sichere Medaillenbänke wie Diskuswerferin Nadine Müller oder die Hammerwerfer. Der Umschwung kam mit dem Doppelgold innerhalb von fünf Minuten am Donnerstag durch Speerwerferin Linda Stahl und Sprinterin Verena Sailer über 100 m.

Beim Blick auf die deutsche Bilanz fällt positiv auf, dass nicht wie zuletzt nur die Werfer für die Medaillen sorgten, sondern auch Sprinter, Läufer und Springer am Medaillensegen beteiligt waren. Außerdem schoben sich neben den bekannten und etablierten auch einige bis dahin eher in der zweiten oder dritten Reihe stehende Athleten in den Vordergrund. Und nicht zuletzt darf optimistisch stimmen, dass die Mehrheit der deutschen Medaillengewinner zwischen 23 und 28 Jahre alt und somit auch bei den Olympischen Spielen 2012 noch für Top-Platzierungen gut sind. Auf dem richtigen Weg nach London scheint die deutsche Leichtathletik auf jeden Fall zu sein.

Keine Rekordflut

Die Mänerstaffel AP Photo/Anja Niedringhaus)

Der Italiener war zwar schneller - Bronze gab es für die Sprintstaffel der Männer aber trotzdem

Bis zur europäischen oder gar Weltspitze ist es für die deutsche Leichathletik aber bei allen Erfolgen von Barcelona noch ein gutes Stück. In Barcelona hatte man teilweise den Eindruck russischer Meisterschaften mit internationaler Beteiligung. Von den Westeuropäern liegen Briten und Franzosen noch deutlich vor den Deutschen. Bei den Briten wundert das niemand, konnten sie doch mit Blick auf die Olympischen Spiele in London ihr Budget sage und schreibe versechsfachen. Der Aufschwung der Franzosen überraschte allerdings auch die Experten.

Hinter dem Weltniveau der Amerikaner oder auf den Laufstrecken auch der Afrikaner hinken allerdings mit wenigen Ausnahmen fast alle Europäer hinterher. Es fiel in Barcelona extrem auf, dass Zeiten, Weiten und Höhen zum Teil deutlich hinter den Fabelrekorden der jüngeren Vergangenheit zurück blieben. Europa- oder gar Weltrekorde blieben in Spanien vollkommen aus. Der Athletentyp, der sich präsentierte, unterschied sich teilweise deutlich von den manchmal doch skurrilen Typen der letzten Jahre. Das alles ist zwar kein Beweis für die Sauberkeit der Spiele, darf den Beobachter aber optimistisch stimmen.

Pessimistisch stimmt den Leichtathletikfan und auch die Athleten selbst allerdings die schlechte Resonanz in Barcelona. Leere Ränge waren vormittags die Regel, auch zu den Entscheidungen blieben viele Plätze unbesetzt. Man hatte den Wettkampfplan schon von neun auf sechs Tage gekürzt, aber geholfen hat das nur bedingt. Wenn die Leichtathletik in Zukunft in der Publikumsgunst mit anderen Sportarten mithalten will, ist viel mehr Veränderung nötig. Wintersportarten wie Biathlon haben gezeigt, wie weit das gehen kann und muss.

Autor: Wolfgang van Kann (mit sid,dpa)
Redaktion: Tobias Oelmaier