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Asien

Russland braucht auch Solidarität

Nach dem russischen Geiseldrama klaffen offizielle Darstellung und Wahrheit weit auseinander. Doch trotz restriktiver Politik aus dem Kreml braucht Russland die internationale Solidarität. Cornelia Rabitz kommentiert.

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Cornelia Rabitz

Hunderte von Menschen nahmen am Montag (6.9.) in Beslan Abschied von den Opfern des Geiseldramas, während in Krankenhäusern viele weitere noch mit dem Tod ringen. Angehörige und Überlebende des Blutbades in Nord-Ossetien sind verzweifelt, in ganz Russland herrscht Staatstrauer - und die Welt schaut entsetzt auf eine Katastrophe, deren wahres Ausmaß sich nur allmählich enthüllt. Immer wieder musste die Zahl der Geiseln nach oben korrigiert werden, die Herkunft der Geiselnehmer ist nach wie vor ungeklärt, wiedersprüchlich sind die Darstellungen über den Hergang der Befreiungsaktion.

Das Informationschaos ist groß. Es gab Fehler der Einsatzkräfte, wie Präsident Putin in einer Rede selbst einräumte, Augenzeugen berichten von schweren Versäumnissen bei der Erstürmung der Schule. Wieder einmal wurden russische Berichterstatter daran gehindert, das eigene Publikum umfassend und ungehindert zu informieren. Eine politische Debatte über Hintergründe und Konsequenzen findet in den Medien des Landes nicht statt.

Spät erst eilte Wladimir Putin an den Ort des dramatischen Geschehens, besuchte Verletzte im Krankenhaus, mied freilich - und wohl aus guten Gründen - die Begegnung mit der Bevölkerung von Beslan, wandte sich in einer Rede an die russische Bevölkerung. Der Präsident, der so gerne die Aura des kontrollierten aber zupackenden "Mannes der Tat" verbreitet, wirkte bei alldem ratlos und regelrecht versteinert.

Er vermeidet indes weiterhin, die wahren Ursachen der Tragödie zu benennen. Der jahrelange Krieg in Tschetschenien ist zumindest auch Schuld am Anwachsen des Terrors und am Tod vieler unschuldiger Menschen. Es sind gerade nicht, wie Putin glauben machen will, von außen in die Region importierte Gründe. Es sind die in Russland liegenden Probleme mit dem Unabhängigkeitsstreben der kleinen Kaukasusrepublik, die den Konflikt genährt haben.

Die radikalen, zu allem entschlossenen Terroristen konnten nur an Boden gewinnen, weil in jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen ein Heer von Verzweifelten entstanden ist: Menschen, die alles verloren haben, deren Angehörige gefoltert und ermordet wurden, junge Leute, die gar nichts mehr kennen außer der Gewalt. Es sind Menschen, die unglaubliche Grausamkeiten von Russen wie Tschetschenen erfahren mussten und nun nur eines wollen: Rache. Doch gleichzeitig ist in der Zivilbevölkerung wohl nichts größer als der Wunsch, endlich in Frieden leben zu können.

Beslan ist schreckliches Symbol geworden für einen Konflikt, der die Grenzen Tschetscheniens längst überschritten hat und den gesamten Kaukasus in Brand zu setzen droht. Putin muss versuchen, den Teufelskreis politisch zu durchbrechen -wenn es sein muss mit internationaler Hilfe. Diese wiederum darf der Westen nicht verweigern. Im Kampf gegen den Terror braucht Russland auch Solidarität.

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