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Fokus Osteuropa

Russland: Blogs als Hort der Meinungsfreiheit?

Blogs sind in Russland enorm beliebt: Sie bieten russischen Journalisten und Lesern eine Alternative zu den meist staatlich kontrollierten Massenmedien.

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Viele Intellektuelle in Russland sind aktive Blogger, denn sie schreiben am Abend das, was sie am Tag auf der Arbeit nicht sagen können. Die meist vom Staat kontrollierten Massenmedien bieten ihnen diese Möglichkeit nicht und deshalb sind Blogs für sie zu einer Alternative geworden.

"Umgehung der Zensur durch Bloggen? Blogosphäre in Russland" - lautete das Thema einer Diskussionsrunde auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle. Der russische Internet-Forscher Jewgenij Gornyj berichtete dort von seinen Untersuchungen. Sein Fazit: Blogs sind für Russland heutzutage sehr wichtig, da die Menschen nicht allzu viele Möglichkeiten haben, offen über die Themen zu diskutieren, die aus dem Fernsehen und den meisten Zeitungen verbannt sind.

Allein die Tatsache, dass viele Bürger über Politik reden und schreiben wollen, zeige, wie schwierig die Lage im Lande sei. Der Experte betonte, Blogs könnten heute genauso wie andere Massenmedien Menschen mobilisieren. Viele Blogs seien sogar so populär, dass man sie mit Zeitungen vergleichen könnte.

Internet von Zensur verschont

Niemand wird bestreiten, dass es heute keine wirkliche freie Äußerung politischer Ansichten in den russischen Medien gibt. Aber wie steht es um die Zensur im russischen Internet? Gornyj zufolge gab es im russisch-sprachigen Web-Angebot noch nie eine Zensur. Allerdings seien einzelne Blogger belästigt und manche aufgrund ihrer Äußerungen in Blogs sogar verhaftet worden.

Dennoch: In Russland könne man online fast alles schreiben. Um die Meinungsfreiheit im Internet sei es bislang bestens bestellt, sagte Gornyj. Da in Russland der Zugang zum Internet immer weiter ausgebaut werde, würde auch die Zahl der Internetnutzer ständig steigen. Schon heute würden mehr als eine Million russischer Bürger einen eigenen Blog unterhalten.

Quelle für unabhängige Informationen

Der Redakteur des Journalisten-Netzwerkes für Osteuropa-Berichterstattung n-ost, Christian Mihr sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle: Die russischen Blogs seien für n-ost extrem wichtig, denn das Journalisten-Netzwerk suche in ihnen nach unabhängigen Informationen über Russland.

Mihr stellte mit Erstaunen fest, dass in Russland auch professionelle Journalisten ihre eigenen Blogs hätten. In Deutschland sei dies selten der Fall, unterstrich er. Die Bereitschaft bei russischen Journalisten, eigene Blogs zu betreiben, beweise, dass sie nicht genügend Freiheit an ihrem Hauptarbeitsplatz hätten und diese in den Blogs suchen würden, stellten die Teilnehmer der Bonner Diskussionsrunde fest.

Autor: Wiktor Agajew / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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