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Fokus Osteuropa

Russland: Bessere Integration von Einwanderern gefordert

Experten warnen vor der Entstehung so genannter "Chinatowns" in Russland. Einwanderer dürften nicht isoliert, sondern müssten in die Gesellschaft integriert werden. Eines der Mittel dazu könnten Russisch-Tests sein.

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Immer mehr ausländische Arbeitskräfte

Umfragen haben ergeben, dass zwei Drittel der Russen den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte grundsätzlich ablehnen. Am schlechtesten ist der Umgang mit Einwanderern in Moskau und St. Petersburg. Die Bürger Moskaus zählen den Zufluss von Einwanderern zu den Hauptproblemen der Stadt, genauso wie die Erhöhung der Lebensmittelpreise und der Tarife für kommunale Dienstleistungen. Gleichzeitig fehlt eine staatliche Politik, die unter anderem auf ausländische Fachkräfte abzielt.

Unsichere Zahlen

Wie viele Einwanderer heute in Moskau leben, wissen nicht einmal diejenigen, die dies wissen müssten. Der Vorsitzende des Städtischen Ausschusses für interregionale Beziehungen und Nationalitätenpolitik, Aleksej Aleksandrow, sagte: "Wir wissen, dass nach dem Stand von 2007 mehr als 1,7 Millionen Menschen im Gebiet Moskau angekommen sind. Sie wurden gemeldet. Wie viele sich abgemeldet haben, können wir auch sagen." Aber wie viele Menschen Moskau tatsächlich wieder verlassen hätten, wissen die Behörden nicht, so Aleksandrow. Im Jahr 2007 trafen mehr als 300.000 Arbeitskräfte legal in Moskau ein, aber deren weiteres Schicksal ist unbekannt.

Falsche Wege

In letzter Zeit wurden verschiedene Vorschläge laut, wie man den Zufluss von Einwanderern regulieren könnte. Die Führung der russischen Hauptstadt legte eine Initiative vor, die den Bau eigener Wohnsiedlungen für ausländische Arbeitskräfte vorsieht. Wladimir Mukomel vom Institut für Soziologie der Russischen Akademie der Wissenschaften hält dies allerdings für einen falschen Weg: "Man darf keine Chinatowns entstehen lassen. Eine Isolierung wird zu den Problemen führen, mit denen westliche Staaten schon konfrontiert sind." Die Schwierigkeiten in sogenannten "schlechten Vierteln" seien weniger ethnischer, sondern eher sozialer Natur, so der Wissenschaftler.

Verschärfte Gesetze

Um bereits entstehende "Chinatowns" zu bekämpfen und eine Integration von Einwanderern in die russische Gesellschaft voranzutreiben, möchten die russischen Behörden nun die Gesetze verschärfen. Wladimir Sluzker, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Nationalitätenpolitik und Beziehungen zwischen dem Staat und religiösen Vereinigungen beim Föderationsrat Russlands, teilte mit, ein Gesetz sei in Arbeit, das Prüfungen der russischen Sprache für Ausländer vorsehe. Die "Migrantophobie" entstehe, weil die Menschen die russische Sprache und die Kultur nicht kennen würden, so der Abgeordnete. Befristete Arbeitskräfte seien aber von den Prüfungen ausgeschlossen.

Jegor Winogradow

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