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Fokus Osteuropa

Russland: Ökologen im Kampf gegen Olympia in Sotschi

Das IOC und die UNESCO haben die Vorbereitung Sotschis auf die Olympischen Winterspiele 2014 geprüft. Die Sportfunktionäre hatten keine Bedenken, aber zwischen der russischen Regierung und der UNESCO droht Streit.

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Greenpeace-Proteste in Sotschi

15 Meter lange Schilder mit den Aufschriften "Welterbe in Gefahr" und "Stoppt die Zerstörung durch Olympia" standen am 23. April auf dem Weg zur Skiregion Krasnaja Poljana. Die Schilder hatten Aktivisten von Greenpeace Russland aufgestellt, die sich auf diese Weise auf das Treffen mit der Delegation des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vorbereitet hatten.

Die Umweltschützer fordern, die wertvollen Gebiete des Sotschi-Nationalparks zu erhalten. Dort sollen eine Rennbobbahn, das olympische Bergdorf, ein Wasserkraftwerk am Fluss Msymta und die Endstation einer Hochgeschwindigkeitsbahn entstehen, aber auch neun luxuriöse Erholungsanlagen, die in keinem Zusammenhang zu den Olympischen Spielen stehen.

IOC geht Problemen aus dem Weg

Nach dem Treffen der Umweltschützer mit den Vertretern des IOC sagte der Leiter des Projektes "Welterbe" von Greenpeace-Russland, Andrej Petrow, im Gespräch mit der Deutschen Welle, er habe den Eindruck, das IOC wolle keine Probleme und sei auch nicht bereit, irgend etwas zu unternehmen. "Wir sind schon froh, dass man uns überhaupt zugehört hat", sagte Petrow und fügte hinzu: "Anders sieht es mit den russischen Beamten vom Umweltministerium aus. Einerseits stimmen sie uns zu, das Gebiet sei wertvoll, aber andererseits meinen sie, dies sei der einzige Ort, wo man bauen könne." Das entspräche nicht der Wahrheit, so Greenpeace-Russland. Man habe den Behörden 16 Alternativen für den Bau der Rennbobbahn aufgezeigt. "Leider hat man diesen Vorschlägen keine Beachtung geschenkt", so Petrow.

Bei dem Treffen schlug der russische Umweltminister Jurij Trutnjew vor, als "Entschädigung" für das zu bebauende Gebiet ein anderes in den Bestand des Nationalparks aufzunehmen. Doch die Ökologen bestehen darauf, dass man keinen Tausch vornehmen könne, denn nichts könne den Wert des Gebietes ersetzen, das heute verplant werde.

Ökologen hoffen auf Hilfe der UNESCO

Während sich die IOC-Vertreter mit den Umweltschützern in Sotschi trafen, fand zur gleichen Zeit in Majkop eine weitere Begegnung statt. Eine Delegation der UNESCO, die ebenfalls zu einer Inspektion der olympischen Objekte angereist war, sprach mit Experten von Greenpeace, des World Wide Fund For Nature (WWF) und der russischen Umweltorganisation Transparent World. Iwan Blokow von Greenpeace, der an dem Treffen teilgenommen hatte, berichtete, die UNESCO habe sich bereit erklärt, den Umweltschützern im Kampf um den Kaukasus zu helfen.

"Ich denke nicht, dass die UNESCO sich zu den Winterspielen an sich äußern wird. Es wird nur um konkrete Objekte gehen, denn Olympia ist eine politische Frage", sagte Blokow und erläuterte, die UNESCO werde sich an die Regierung Russlands wenden und nicht an das IOC. Das UNESCO-Kommitee für das Welterbe könne offizielle Stellungnahmen einfordern, schlimmstenfalls den Welterbe-Status ändern, indem man das Objekt auf die Liste "gefährdetes Welterbe" setzt. "Das wäre für Russland peinlich und würde dem Ansehen des Landes einen heftigen Schlag versetzen. Bis heute gab es noch keinen Fall, wo ein von der UNESCO geschütztes Objekt wegen des Vorgehens einer Regierung seinen Status verloren hätte", unterstrich Blokow.

Jegor Winogradow

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