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Aktuell Welt

Russisches Manöver im Ärmelkanal

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise gefällt sich Russland in Demonstrationen militarischer Stärke. Jetzt sind Kriegsschiffe zu einem Manöver in den Ärmelkanal eingefahren.

Wie die Moskauer Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf Vertreter der Marine meldete, hat ein Flottengeschwader unter Führung des U-Bootzerstörers "Seweromorsk" den Ärmelkanal zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover passiert und befindet sich nun in neutralem Gewässer. Die Schiffe warteten in einer Bucht vor der Küste der Normandie ab, dass ein Sturm vorüberziehe (im Bild eine Archivaufnahme eines russischen Schlachtschiffs).

Die NATO hob hervor, dass es sich nicht um ein "Manöver" handle. Die Schiffe seien wegen schlechten Wetters zurückgehalten worden, aber "sie halten kein Manöver im Ärmelkanal" ab, versicherte das Militärbündnis. Auch die französische Marine erklärte: "Es gibt nichts Ungewöhnliches."

Britische Eskorte

Offenbar seien die Schiffe auf der Durchfahrt. Die Wetterbedingungen seien nicht gut, also sei es "nicht erstaunlich", dass die russischen Schiffe vor Anker gegangen seien. Das britische Verteidigungsministerium verwies darauf, dass alle Schiffe das Recht hätten, den Ärmelkanal zu durchfahren. Die vier russischen Kriegsschiffe seien von einem britischen Kriegsschiff "eskortiert" worden.

Kritik aus Berlin

Die Bundesregierung übte Kritik an den Aktivitäten der russischen Kriegsmarine. "Dieses Manöver, auch wenn es sozusagen in internationalen Gewässern stattfindet, ist nicht unbedingt ein Zeichen, um die Bereitschaft zur Deeskalation zu unterstreichen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz in Berlin

Das Manöver reiht sich in ähnliche militärische Unternehmungen Russlands in den vergangenen Wochen. Fast wie zu Zeiten des Kalten Krieges flogen russische Kampfbomber weit entfernt von ihren Heimatflughäfen über dem Pazifik, dem Atlantik und dem Nordpolarmeer.

Schiffe vor Brisbane

Aus Anlass des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) in Brisbane Mitte des Monats ließ der russische Präsident Wladimir Putin Kriegsschiffe in den internationalen Gewässern vor Australien kreuzen.

Vergangene Woche hatte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mitgeteilt, dass die Verteidigungsallianz in diesem Jahr bereits mehr als 400 Mal mit dem Start von Kampfflugzeugen auf russische Flugmanöver im internationalen europäischen Luftraum reagiert habe. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies eine Erhöhung der Zahl der sogenannten Alarmstarts um 50 Prozent. Dies sei ein Muster, das die NATO seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, so Stoltenberg. Die Häufung erinnere ihn an die Zeiten des Kalten Krieges. Besonders in der Umgebung des Baltikums hätten sich derartige Manöver vervielfacht.

Beobachter sehen bei den russischen Aktivitäten einen klaren Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Putin versuche angesichts der Spannungen mit dem Westen das Sicherheitsgefühl der Russen durch die Zurschaustellung militärischer Macht zu stärken.

wl/sti (rtr, dpa, afp)