Russischer Umweltaktivist brutal zusammengeschlagen | Aktuell Europa | DW | 29.12.2017
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Russische Urlaubsidylle?

Russischer Umweltaktivist brutal zusammengeschlagen

Andrej Rudomacha musste mit Nasenbeinbruch, Schädelbruch und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht worden. Es soll um ein illegales Bauprojekt am Schwarzen Meer gegangen sein, das Aktivisten inspiziert hatten.

Russland Andrei Rudomakha (picture alliance/AP Photo/A. Zemlianichenko)

Andrej Rudomacha (Archivbild)

Rudomacha ist Leiter der Umweltgruppe Environmental Watch on North Caucasus, einer Nichtregierungsorganisation. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte der Verletzte, er sei in der südrussischen Provinzhauptstadt Krasnodar von maskierten Angreifern überfallen worden, auf der Rückreise einer Gruppe von Umweltaktivisten von einer Begutachtung an der Schwarzmeerküste. Er gehe davon aus, dass der Überfall mit der Inspektion in Zusammenhang stehe.

In der Küstenortschaft Gelendschik, einem beliebten Urlaubsort rund 90 Kilometer südwestlich von Krasnodar, hatten die Umweltschützer ein illegales Bauprojekt inspiziert: eine hochherrschaftliche Villa, die laut Environmental Watch ohne Genehmigung in einem waldigen Küstengebiet gebaut wird, unweit eines Luxusanwesens, das mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Verbindung gebracht wird.

Russland Gelendschik (picture alliance/dpa/Sputnik/V. Timkiv)

Gelendschik am Schwarzen Meer - beliebt bei Russlands Eliten

Krankenhausreif

Der Umweltaktivist Alexander Saweljew, der Augenzeuge des Überfalls am Donnerstagabend war, sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Sie kamen von hinten angerannt, besprühten ihn mit Pfefferspray, schlugen ihn zu Boden und traten ihm ins Gesicht." Laut Saweljew wurde Rudomacha mit einem Nasenbeinbruch, einem Schädelbruch und einer leichten Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Einem weiteren Mitarbeiter der NGO hätten die Angreifer in den Bauch geschlagen und ihn ebenfalls mit Pfefferspray besprüht. Der Überfall ereignete sich demnach der Nähe des Hauses eines der Aktivisten.

Bauen für die Bonzen

Auch Saweljew zeigte sich überzeugt, dass der Überfall mit der Reise der Gruppe nach Gelendschik zusammenhängt. "Ihr Ziel war es, uns unser Filmmaterial abzunehmen", sagte er. "Sie nahmen unsere Rucksäcke und drei Kameras." Saweljew betonte, die Angreifer hätten ohne Informationen von Polizei oder Sicherheitsbehörden nicht wissen können, wo sie auf die Umweltaktivisten hätten warten müssen. Er gehe davon aus, dass der neue Bau für einen ranghohen Regierungsbeamten sei. Sawaljew verwies auf strenge Sicherheitsvorkehrungen rund um die Baustelle.

Environmental Watch hat sich in der Vergangenheit mehrfach gegen illegal errichtete Villen am Schwarzen Meer sowie gegen Bauten in Sotschi vor den Olympischen Spielen eingesetzt. Aktivisten der Gruppe wurden bereits Opfer von Überfällen, ein ehemaliges Mitglied verbrachte knapp zwei Jahre in Haft wegen der Beschädigung eines Zauns.

qu/jj (afp, rtre)