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Aktuell Welt

Russischer Jet doch über Syrien abgeschossen?

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe hat sich die NATO hinter das Partnerland gestellt. Nach US-Einschätzung wurde der Bomber aber nicht im türkischen Luftraum getroffen.

Die russische Maschine habe zwar kurzzeitig den türkischen Luftraum durchquert, sei dort aber nicht getroffen worden, erklärte ein Vertreter der US-Regierung, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. Diese Beurteilung basiere auf aufgezeichneten Wärmedaten des Jets.

17 Sekunden im türkischen Luftraum

Nach Darstellung des türkischen UN-Botschafters Halit Cevik flogen zwei russische Kampfjets für 17 Sekunden durch den türkischen Luftraum. Ein US-Militärvertreter bestätigte diese Angaben. Die Absturzstelle des Kampfbombers liegt auf syrischem Gebiet, vier Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Türkische F16-Kampfflugzeuge hatten die russische Su-24 am Dienstag abgeschossen. Die Armee des NATO-Landes verwies zur Begründung darauf, die Piloten seien trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen.

Ein Pilot tot

Die beiden Piloten konnten sich nach dem Treffer zunächst mit dem Schleudersitz aus der Maschine befreien. Ein Pilot kam dennoch nach Angaben aus Moskau ums Leben. Der Generalstab teilte mit, er sei vom Boden aus beschossen und tödlich getroffen worden. Syrische Rebellen verbreiteten dazu im Internet ein Video, das seinen Leichnam zeigen soll.

Der zweite Pilot des abgeschossenen russischen Jets konnte offenbar von einer Kommandoeinheit der syrischen Armee in Sicherheit gebracht werden. Er sei bei einer Aktion hinter den Linien der bewaffneten Rebellen gerettet worden, meldet die libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen, die gute Kontakte zu Syriens Regierung haben soll. Auch der russische Botschafter in Frankreich, Alexander Orlow, sagte dem französischen Radiosender Europe 1: "Den zweiten Piloten hat die syrische Armee herausgeholt." Laut Al-Mayadeen wurde der Pilot zu einem Militärflughafen in der Nähe der Stadt Latakia gebracht.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau war das Flugzeug über syrischem Gebiet abgeschossen worden. Der Vorfall führte zu ernsten Verstimmungen zwischen beiden Ländern. Präsident Wladimir Putin betonte, die Türkei sei in keiner Form bedroht gewesen. Er sprach von einem Dolchstoß, den "Verbündete von Terroristen" ausgeführt hätten und kündigte Konsequenzen an.

NATO mahnt zur Ruhe

Die NATO stellte sich hinter ihren Verbündeten Türkei. Der Generalsekretär des Militärbündnisses, Jens Stoltenberg, unterstrich am Dienstagabend nach einem von Ankara beantragten Sondertreffen der Allianz in Brüssel: "Wir sind solidarisch mit der Türkei und unterstützen die territoriale Unversehrtheit unseres türkischen NATO-Verbündeten."

NATO-Generalsekretär Stoltenberg ermahnt alle Seiten zur Zurückhaltung (Foto: dpa)

NATO-Generalsekretär Stoltenberg ermahnt alle Seiten zur Zurückhaltung

Zugleich rief Stoltenberg dazu auf, "Ruhe" zu bewahren und zur "Deeskalation" beizutragen. Es sei wichtig, dass die Lage nicht "außer Kontrolle" gerate, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden. Deshalb hoffe er auf weitere Kontakte zwischen Ankara und Moskau, fügte der NATO-Generalsekretär hinzu.

Obama telefoniert mit Erdogan

Später telefonierte US-Präsident Barack Obama mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Die USA unterstützten zwar das Recht der Türkei, die Landesgrenze zu verteidigen, stellte ein Sprecher in Washington anschließend klar. Es habe aber auch Einigkeit darüber bestanden, dass man nun an einer Deeskalation der Lage arbeiten müsse. Außerdem müssten Mechanismen eingerichtet werden, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholten, hieß es weiter.

se/cgn (afp, rtre, dpa)

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