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Aktuell Europa

Russische Truppen kämpfen auf ukrainischem Boden

Die Hinweise mehren sich, wonach die prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine mit aktiver Unterstützung russischer Soldaten kämpfen. Regierungstreue Milizen berichten davon - die prorussischen Rebellen bestätigen das.

Im Osten der Ukraine halten die Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten an. Mittlerweile haben die Separatisten eine strategisch wichtige Anhöhe östlich der umkämpften Stadt Donezk (Artikelbild) eingenommen, wie aus ukrainischen Militärkreisen verlautete. In den vergangenen 24 Stunden sind durch Artilleriebeschuss auf mehrere Stadtviertel elf Bewohner getötet und 22 weitere verletzt worden, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Zuvor hatte der US-Botschafter in Kiew Russland beschuldigt, direkt in die Kämpfe in der Ostukraine einzugreifen. "Eine zunehmende Zahl russischer Soldaten ist direkt an den Kämpfen auf ukrainischem Territorium beteiligt", twitterte der Botschafter Geoffrey Pyatt. Moskau sei "direkt involviert".

Mittlerweile haben auch regierungstreue ukrainische Milizen gemeldet, dass die prorussischen Rebellen aktiv von Soldaten aus dem Nachbarland unterstützt werden. Die Aufständischen seien mit Hilfe der Soldaten in die südöstliche Stadt Nowoasowsk eingerückt, berichtete ein Kämpfer des regierungstreuen Asow-Bataillons der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon.

Der Kreml: "Wir prüfen das"

Der Chef der prorussischen Rebellen, Alexander Sachartschenko, hat diese Meldungen bestätigt. Die Soldaten hätten sich zu diesem Zweck beurlauben lassen, zitiert das russische Fernsehen den Rebellenchef. Es handele sich ausschließlich um Freiwillige. "In unseren Reihen hat es etwa 3000 bis 4000 [Soldaten] gegeben. Viele sind heimgefahren. Viel mehr sind aber geblieben. Leider gab es auch Tote", sagte Sachartschenko. Diese getöteten Fallschirmjäger sind nach russischen Medienberichten im Geheimen beerdigt worden.

Ersmals hat auch der Kreml Stellung dazu bezogen. Bisher hatte das russische Präsidialamt eine direkte Teilnahme russischer Soldaten stets bestritten. Nun sagte Sprecher Dmitri Peskow zu den Berichten: "Das benötigt eine ausführliche Prüfung, bevor irgendwelche Schlüsse gezogen werden."

Boden-Luft-Raketen in Händen der Rebellen

US-Botschafter Geoffrey Pyatt bestätigte auch Angaben der NATO, wonach neueste russische Abwehrsysteme im Osten des Krisenlandes installiert wurden. Demnach soll die NATO ein russisches Luftabwehrsystem in dem von den Separatisten kontrollierten Gebiet entdeckt haben. Es handele sich um ein SA-22-System, mit dem unter anderem Raketen der Gegenseite auf eine Entfernung von 20 Kilometern abgeschossen werden könnten.

Der NATO-Diplomat, der anonym bleiben wollte, wies in Brüssel darauf hin, dass ein ähnliches System, SA-11, für den Absturz der malaysischen Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 über der Ostukraine verantwortlich gemacht wird.

Ostukraine Krise Alexander Sachartschenko Archiv 07.08.2014 (Foto: Reuters)

Alexander Sachartschenko, prorussischer Rebellenführer in der Ostukraine

"Moskau sagt nicht die Wahrheit"

Die USA hatten erst vor kurzem Russland vorgeworfen, offenbar die Gegenoffensive der Rebellen in der Ostukraine zu "lenken". Außenamtssprecherin Jen Psaki begründete dies unter anderem mit dem Eindringen russischer Soldaten in das Nachbarland. Am Montag waren erstmals zehn russische Fallschirmjäger im Osten der Ukraine festgenommen und identifiziert worden.

Psaki warf Moskau zudem vor, "nicht die Wahrheit sagen zu wollen, selbst nachdem russische Soldaten 30 Meilen (48 Kilometer) tief in der Ukraine entdeckt wurden".

zam/kle (afp, dpa, rtr)