1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Russische Top-Agentin darf heim

Vor gut einem Jahr war sie in Deutschland zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, nun durfte die Agentin vorzeitig in ihre Heimat abreisen. Es ist eine überraschende Wende in einem spektakulären Spionagefall.

Ihr österreichischer Pass wies sie als Heidrun Anschlag aus, ihr Mann nannte sich Andreas. Die wahren Identitäten der beiden sind bis heute nicht bekannt. Das russische Agentenpaar (Artikelbild) soll bis zu seiner Enttarnung über Jahrzehnte in Deutschland spioniert und dafür ein filmreifes Doppelleben geführt haben.

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts in Stuttgart lieferten die beiden Hunderte geheime Regierungsdokumente an den sowjetischen Geheimdienst KGB und später dessen russische Nachfolgeorganisation SWR. Dabei ging es unter anderem um den Afghanistan-Einsatz und die Strukturreform der NATO. Das Duo versteckte USB-Sticks in Erdlöchern und übermittelte geheime Botschaften in Kommentaren zu Fußballervideos auf der Internetplattform Youtube. Hinweise auch aus den USA hatten die Ermittler schließlich auf ihre Fährte gebracht.

Freikauf oder Austausch?

Heidrun wurde im Sommer 2013 zu fünfeinhalb Jahren, ihr Ehemann zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Während sie Deutschland verlassen hat, muss er allerdings weiter im Gefängnis bleiben, wie die Bundesanwaltschaft bestätigte. Die Frau habe die Hälfte der Strafe verbüßt und mit Blick auf ihre Ausweisung habe der Generalbundesanwalt von der weiteren Vollstreckung des Urteils abgesehen, sagte eine Sprecherin in Karlsruhe. Paragraf 456a der Strafprozessordnung mache den Schritt möglich. Mehr wollte die Sprecherin nicht sagen.

Im Magazin "Der Spiegel" heißt es, die Agentin sei mutmaßlich von der russischen Regierung freigekauft worden. Das Oberlandesgericht Stuttgart habe den Preis dafür auf ungefähr eine halbe Million Euro festgelegt. Die Summe entspreche dem geschätzten Agentenlohn der beiden zuzüglich der Prozesskosten. In Sicherheitskreisen hieß es dem Magazin zufolge, es sei "nicht anders vorstellbar", als dass Moskau das Geld gegeben habe.

Bei "Focus Online" ist von einem möglichen Agentenaustausch die Rede, durch den die 48-Jährige freigekommen sei. Die Moskauer Zeitung "Kommersant" hatte schon vor einiger Zeit berichtet, die russische Führung sei sehr an einem Agentenaustausch interessiert.

rb/jj (dpa, Focus, Spiegel)

Die Redaktion empfiehlt