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Fokus Osteuropa

Russische Reaktionen auf das Chodorkowskij-Urteil

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Menschenrechtsorganisationen nehmen Stellung zum Urteil gegen Michail Chodorkowskij. Dabei überwiegen kritische Stimmen.

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Bis zuletzt wollten Demonstranten Chodorkowskij unterstützen - viele hielten den Prozess für eine Farce

Oleg Orlow, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation Memorial: "Leider war ein solches Urteil zu erwarten. Der Staat hat schon im Voraus entschieden, dass er [Chodorkowskij] verurteilt werden muss. Das ist keine juristische, sondern eine politische Entscheidung."

Andrej Illarionow, Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten: "Meiner Meinung nach hat dieses Gericht aus wirtschaftlicher und juristischer Sicht Inkompetenz bewiesen."

Mascha Lipmann, Carnegie Zentrum Moskau: "Es versteht sich von selbst, dass dieses Urteil abgesprochen war und auf höchster politischer Ebene entschieden wurde. Keiner der Experten glaubt daran, dass dieses Gericht unabhängig gearbeitet hat. Die Strafe ist ausreichend lang gewählt worden, damit sich Chodorkowskij zum Zeitpunkt der nächsten Wahlen, im Jahr 2008, hinter Gittern befindet."

Oganes Oganjan, Vorsitzender des wirtschaftspolitischen Aussschusses im Förderationsrat: "Ich bin mir fast sicher, dass Chodorkowskij vor Ablauf der neun Jahre aus dem Gefängnis kommen wird. Aber ich bin auch sicher, dass er bis zu den Wahlen im Jahr 2008 in Haft bleiben wird. Es ist jedoch durchaus möglich, dass Chodorkowskij nach den Präsidentschaftswahlen begnadigt wird."

Tatjana Lokschina, Internationaler Helsinki-Fond: "In diesem Urteil gibt es eindeutig einen politischen Subtext. Für die russische Wirtschaft wird dies langfristig traurige Folgen haben. Denn Yukos war doch ein effektiv arbeitendes Unternehmen, das Rücksicht auf die soziale Verantwortung genommen hat."

Arkadij Wolskij, Präsident des Russischen Unternehmerverbandes (RSPP): "Das Urteil schadet erheblich unserem Image. Wie Sie sehen, haben die Amerikaner schon angeregt, uns aus dem Kreis der acht wichtigsten Industrienationen auszuschließen., und das ist eine höchst wichtige Frage."

Boris Beresowskij, im Ausland lebender russischer Unternehmer: "Das ist ein Schlag für das zukünftige Russland. Das Investitionsklima ist bereits am Boden. Aus Russland flieht nicht nur das russische, sondern auch das westliche Kapital. Es gibt überhaupt keine Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage."

DW-RADIO, 31.5.2005, Fokus Ost-Südost