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Russland

Russische Medien feiern Christian Lindner für seine Krim-Aussage

Der FDP-Chef lieferte mit seiner Aussage zur Krim eine Steilvorlage für die Kreml-Propaganda auf allen Kanälen. In russischen Medien wird sein Vorstoß als faktische Anerkennung der Annexion dargestellt.

Gewöhnlich haben russische Medien für liberale Politiker nicht viel übrig. Aber in dieser Woche wurde Christian Lindner, der Chef von Deutschlands Freien Demokraten, in Russland regelrecht gefeiert. Tagelang zitierten und kommentierten Fernsehsender, Zeitungen und Internetportale ausgiebig die Aussagen des FDP-Vorsitzenden zur deutschen Russlandpolitik und besonders zur Krim-Frage, die Lindner in einem am 5. August veröffentlichten Interview der Funke Mediengruppe gemacht hatte. Doch bei dem russischen Lindner-Hype blieb die Wahrheit immer mehr auf der Strecke.

Korrekte Zitate und erstaunliche Überschriften

So interpretierte der zur Gazprom-Medienholding gehörende Fernsehsender NTW Lindners Vorschlag, man müsse die Krim zunächst einmal als "dauerhaftes Provisorium" ansehen, mit den Worten: "Deutsche liberale Politiker zeigen sich bereit, den Anschluss der Krim an Russland anzuerkennen".

Die staatliche Nachrichtenagentur "RIA Nowosti" ging noch einen Schritt weiter und titelte: "Europäische Politiker erkennen die Halbinsel de facto als russisch an". Unter dieser Überschrift wurde der Artikel von zahlreichen russischen Internetportalen übernommen. Darin werden neben dem FDP-Vorsitzenden auch Linkenfraktionschefin Sahra Wagenknecht, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Sigmar Gabriel zitiert.

Christian Lindner mit Krim-Äußerung in russischen Online-Medien (DW/A. Riekmann)

Russische Online-Medien zu Lindner-Äußerungen: "Deutschland tauscht die USA gegen Russland aus"

In der Tat: Wagenknecht hatte den Aufruf des FDP-Chefs zu einem Neustart in den Beziehungen mit Russland als Rückkehr zur Entspannungspolitik gelobt, der Bundespräsident spricht sich generell für gute Beziehungen mit Russland aus und der Außenminister kritisiert die neuen amerikanischen Sanktionen. Die von RIA Novosti verwendeten Zitate sind korrekt. Aber da sie alle in einen Beitrag über die angebliche De-facto-Anerkennung der Krim-Annexion gepackt werden, entsteht der Eindruck, als gäbe es eine breite Befürwortung einer solchen Anerkennung in der deutschen und somit auch europäischen Politik.   

Ersehnter Vize-Kanzler mit geheimer Sympathie für Russland

Überhaupt sind es in den russischen Medien vor allem die Überschriften, in denen Lindners Steilvorlage - und Wagenknechts Rückendeckung - aufgegriffen und propagandistisch zurecht gebogen werden. Hier nur einige Beispiele dafür, unter welchen Titeln die Aussagen der beiden deutschen Politiker den russischen Lesern präsentiert werden:

  • "In Europa ändert sich die Einstellung zur Krim"
  • "Deutsche Abgeordnete rufen zur schnellstmöglichen Anerkennung der Zugehörigkeit der Krim zu Russland auf"
  • "Deutschland will Trump trotzen und die Krim als russisches Gebiet anerkennen"

Das Internetportal Utro.ru meint in dem Neustart-Aufruf von Christian Lindner sogar eine Abkehr der deutschen Politik von den Vereinigten Staaten hin zu Moskau zu erkennen und titelt: "Deutschland tauscht die USA gegen Russland aus".

Entsprechend hohe Erwartungen werden nun an den weiteren Werdegang des FDP-Chefs geknüpft, der schlagartig zu einem recht bekannten und viel zitierten ausländischen Politiker in Russland wurde. In einigen Medien wird Christian Lindner bereits als künftiger deutscher Außenminister und Vizekanzler gehandelt.

"Nun, es ist gar nicht so schlecht, wenn es neben der radikalen Merkel, die wohl wieder Kanzlerin wird, einen vernünftigen und diplomatischen Vizekanzler geben wird, der insgeheim Sympathie für Russland hegt und die Absicht hat, die Krim wenigstens provisorisch als russisches Gebiet anzuerkennen", urteilt die Internetzeitung "Wsgljad".

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