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Wirtschaft

Russische Investoren erobern den Standort Deutschland

Der Besuch des russischen Präsidenten diente auch dem einen Zweck: Putin will die Wirtschaftskontakte enger knüpfen. Deutschland gilt als attraktiver Markt für russische Industrie-Milliardäre.

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Putin hat um Vertrauen in der deutschen Wirtschaft geworben und vor "Hysterie" gegenüber russischen Beteiligungen gewarnt

"Volkswagen investiert 370 Millionen in russisches Werk - Commerzbank steigt bei russischem Institut ein - Deutsche Post baut Russland-Geschäft aus - Siemens verkauft für 600 Millionen Schnellzüge an russische Bahn": Das sind nur einige Schlagzeilen aus den vergangenen Monaten - und sie zeigen vor allem eines: Das Investitionsgeschäft in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen wirkt nach außen wie eine Einbahnstrasse.

Auf leisen Sohlen

Deutschland Russland Gazprom Schalke 04 Wladimir Putin

Gasprom sponsort den Fußball-Verein Schalcke 04. Dessen Vertreter Clemens Tönnies (l.) freut sich gemeinsam mit Putin darüber

Doch heimlich, still und leise haben russische Investoren längst damit begonnen, sich in Deutschland einzukaufen. Die größeren Deals kommen auf dem Energiesektor zustande. So ist Gasprom gemeinsam mit der deutschen BASF an der Wingas-Gruppe beteiligt. Diese versorgt zahlreiche Stadtwerke und große Industriebetriebe in Deutschland mit Erdgas. Zudem gehört den Russen ein Aktienpaket am Leipziger Gas-Großhändler Verbund Netzgas (VNG) sowie Beteiligungen an 30 Stadtwerken in Deutschland.

Der Hunger der Russen ist damit längst nicht gestillt. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel findet das auch gut so: "Ich kann das Interesse russischer Unternehmen an einer Win-Win-Situation gut verstehen", sagte sie beim Treffen mit Putin am Dienstag (10.10.) in Dresden. "Und ich denke, es wird mehr solcher Verträge geben. Ich verstehe auch das Bedürfnis Russlands und russischer Unternehmen, hier in Europa Fuß zu fassen. Alles andere würde uns ja entlarven, dass wir nur leere Worte machen, wenn wir von freiem Handel sprechen."

Rubel rollen westwärts

So sieht der Kreml die milliardenschweren Industriellen des Landes geradezu in der Pflicht, sich in der Ferne zu engagieren. Manche haben das längst getan, schon allein deshalb, um ihr Vermögen zu verteilen. Bislang allerdings sind es noch eher unauffällige Geschäfte, etwa in der Modebranche, bei Kosmetikfirmen, in der Biotechnologie-Branche und im Tourismus. Rustam Aksenenko, dem ein Viertel der Modefirma Escada gehört, meint, viele Investoren stünden in den Startlöchern, um im größeren Stil bei deutschen Aktiengesellschaften einzusteigen.

Das sieht man auch beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft so. "Aus wirtschaftlicher Sicht können wir das natürlich nur begrüßen und würden uns wünschen, dass die Beziehungen, die heute schon auf einem sehr hohen Niveau sind, sich auch in Zukunft so weiter entwickeln", sagt Geschäftsführer Oliver Wieck. "Ich denke aber auch aus politischer Sicht ist der Bundesregierung, ist Europa überhaupt sehr daran gelegen, dass es ein stabiles Russland gibt. Denn Stabilität erreicht man einmal über politische Stabilität, aber auch über wirtschaftliches Wachstum." Russland profitiere im Moment von den hohen Rohstoffpreisen und sei darum bemüht, die Wirtschaft zu diversifizieren und zu modernisieren. Dadurch löse sich das Land von der engen Bindung an die Energie- und Rohstoffmärkte.

Ansprüche in Deutschland

Allerdings erwarte man, dass sich die neuen Investoren den Spielregeln des deutschen Marktes anpassen. So würden russische Unternehmer ihre deutschen Geschäftspartner häufig nicht vorab über ihre Aktivitäten informieren - diese Hau-Ruck-Mentalität schaffe Unbehagen, heißt es beim Ost-Ausschuss. Diese Art Missverständnisse sind aber nicht ungewöhnlich, umgekehrt machen auch deutsche Investoren Fehler in Russland. Geschäftsmann Aksenenko bringt es auf den Punkt: Zu verschenken habe man nichts. In erster Linie, sagt er, wolle er Rendite sehen.

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