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Asien

Russen in der Krisenregion erwartet

Bei den Unruhen im Süden von Kirgisistan sind mindestens 117 Menschen ums Leben gekommen, etwa 1500 wurden verletzt, mehr als 60.000 sind ins benachbarte Usbekistan geflohen. Moskau erwägt nun doch militärische Hilfe.

Ein Arzt in einem Krankenhaus in Bischkek, neben ihm ein verletzter Patient (Foto: AP)

Einer der vielen Verletzten wird in einem Krankenhaus in Bischkek versorgt

Bei den tagelangen ethnischen Zusammenstößen zwischen Kirgisen und Usbeken ist die Zahl der Todesopfer nach neuen Angaben der Regierung auf mindestens 117 gestiegen. Mehr als 1485 Menschen seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium der zentralasiatischen Republik am Montag (14.06.2010) mit.

Tatsächlich könnte es aber schon viel mehr Opfer geben. Viele Angehörige der usbekischen Minderheit trauen sich aus Angst vor den ethnischen Kirgisen nicht in die Krankenhäuser. Der stellvertretende Chef der Interimsregierung, Temir Sarijew, sagte, die kirgisischen Streitkräfte seien nicht in der Lage, den bewaffneten Gruppen Einhalt zu gebieten.

Vorbereitungen für die Ankunft von Friedenssoldaten

Usbeken wollen den Süden Kirgisistans verlassen (Foto: AP)

Zehntausende Usbeken sind auf der Flucht

In der Stadt Osch war die Lage laut kirgisischen Medien am Montagmorgen etwas ruhiger, während es in der Stadt Dschalal-Abad, etwa 40 Kilometer von Osch entfernt, zu neuen ethnischen Zusammenstößen zwischen Kirgisen und Usbeken kam. Dort kamen bewaffnete Kirgisen im Stadtzentrum zusammen. Ihr selbsterklärtes Ziel war es, in einen benachbarten Ort zu ziehen, um einen usbekischen Gemeindevorsteher zu jagen, den sie für den Ausbruch der Unruhen verantwortlich machten.

Die USA, Russland und die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt über die Lage in Kirgisistan. Moskau schickte 300 Fallschirmjäger in das Land, um die Sicherheit seines dortigen Luftwaffenstützpunkts zu verbessern. Medienberichten zufolge bereitet sich das Land auf die Ankunft russischer Friedenssoldaten vor. Die Flughafenleitung im Zentrum der Unruhen in Osch habe Order erhalten, alles für die Landung der Russen in die Wege zu leiten. Das berichtete am Montag ein Korrespondent der Agentur Akipress.

Festnahme eines Drahtziehers gemeldet

Kremlchef Dmitri Medwedew (Foto: AP)

Will nun doch die Frage eines militärischen Beistands erörtern lassen: Kremlchef Dmitri Medwedew

Die Interimsregierung in der Hauptstadt in Bischkek im Norden des Landes hatte Russland mehrfach um Militärhilfe ersucht. Mit eigenen Kräften werde Kirgisistan der Lage nicht mehr Herr, sagte Interimspräsidentin Rosa Otunbajewa. Nachdem Russlands Präsident Dmitri Medwedew zunächst ein Eingreifen in den "inneren Konflikt" abgelehnt hatte, sollte die Militärorganisation früherer Sowjetrepubliken (OVKS) bei einer Krisensitzung in Moskau doch eine rasche Lösung ausloten.

Die kirgisische Interimsregierung hat eigenen Angaben zufolge einen Drahtzieher der schweren Unruhen festgenommen. Die Behörden in Dschalal-Abad hätten eine "sehr bekannte Person" festgenommen. Die Identität des Verdächtigen wurde nicht bekanntgegeben. Die Übergangsregierung wiederholte lediglich ihre Vorwürfe, Anhänger des im April gestürzten damaligen Präsidenten Kurmanbek Bakijew stünden hinter den ethnischen Unruhen. Bakijew, der sich in Weißrussland im Exil befindet, ließ erklären, er habe mit der jüngsten Gewalt im Süden Kirgisistans nichts zu tun.

Autorin: Pia Gram (dpa, ap, afp, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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