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Fokus Osteuropa

Russen erwärmen sich wieder für die EU

Die russische Bevölkerung sieht die Europäische Union und ihre Ziele wieder positiver als noch vor sechs Monaten. Das ist das Ergebnis des aktuellen DW-Trends für Russland.

EU-Flagge und Flaggen von EU-Saaten (Foto: EPA/PATRICK SEEGER)

EU-Flagge und Flaggen von EU-Saaten

Ein Thema des bevorstehenden EU-Russland-Gipfels ist die Abschaffung der gegenseitigen Visapflicht. Von einer möglichen Aufhebung der Visumspflicht würden aus Sicht der Befragten vor allem die Bürger der Russischen Föderation profitieren (54 Prozent). Fast jeder Zweite (46 Prozent) würde bei einer Visumsfreiheit öfter in EU-Länder reisen. Unter den 18- bis 29-Jährigen wären es sogar zwei Drittel der Befragten (64 Prozent). Dies zeigt der aktuelle DW-Trend Russland für den Monat Dezember. Dafür hat das ukrainische Büro des Meinungsforschungsinstituts IFAK repräsentativ 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in Russland befragt.

41 Prozent der Befragten befürworten grundsätzlich einen EU-Beitritt Russlands. Dies ist ein leichter Anstieg gegenüber Juni 2012, als nur 38 Prozent der Russen eine EU-Mitgliedschaft ihres Landes für begrüßenswert hielten. Auffällig dabei ist, dass die Zahl der Befürworter einer möglichst schnellen EU-Mitgliedschaft wächst. Immerhin fast jeder dritte Russe (32 Prozent) wünscht sich einen Beitritt zur EU innerhalb der nächsten fünf Jahre. Das sind acht Prozent mehr als noch im Juni 2012 (24 Prozent). Dieser Zuwachs zeigt sich in allen Altersgruppen.

Als primäres Ziel der Europäischen Union definieren 53 Prozent wirtschaftliches Wachstum. Das ist ein Ziel, das auch von 55 Prozent der Befragten persönlich unterstützt wird. Vor einem halben Jahr meinten nur 37 Prozent, wirtschaftliches Wachstum sei ein Hauptziel der europäischen Staatengemeinschaft. Dies zeigt, dass die russische Bevölkerung wieder mehr Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz der EU gewonnen hat. Zugleich wird die EU geopolitisch als deutlich weniger expansiv empfunden. Nur 26 Prozent glauben, die territoriale Erweiterung sei ein wichtiges Ziel der EU. Das ist deutlich weniger als noch vor einem halben Jahr (40 Prozent) und der niedrigste Stand seit der Erhebung des DW-Trends für Russland.

Weniger überzeugend als bei der Wirtschaftskompetenz wirkt die EU in anderen Bereichen. Als weiteres wichtiges EU-Ziel wird zwar die Entwicklung eines gemeinsamen Sicherheitssystems (16 Prozent) und einer gemeinsamen europäischen Kultur und Identität (10 Prozent) gesehen. Auffällig aber ist, dass die Befragten die Entwicklung eines gemeinsamen Sicherheitssystems (29 Prozent) und einer gemeinsamen europäischen Kultur und Identität (24 Prozent) stärker unterstützen, als sie es von der EU erwarten.

Auch die Einschätzung der Beziehungen Russlands zur EU hat sich in den letzten Monaten positiv verändert. Nach einem Tiefpunkt im Juni dieses Jahres sehen inzwischen 57 Prozent der Befragten das Verhältnis als freundschaftlich oder partnerschaftlich. Das sind 15 Prozent mehr als vor sechs Monaten. Lediglich 13 Prozent bewerten die Beziehungen negativ.

Im Gegensatz zu den Beziehungen zur EU hat sich das deutsch-russische Verhältnis aus Sicht einiger der Befragten verschlechtert. Die ablehnende Reaktion des Kremls auf die deutsche Kritik an Beschneidungen der Meinungsfreiheit und Menschenrechte in Russland scheint Spuren hinterlassen zu haben. Zwar ist der Anteil derer, die das bilaterale Verhältnis als freundschaftlich oder partnerschaftlich bewerteten, mit 69 Prozent fast unverändert hoch. Zugleich stieg aber der Anteil derer, die die Beziehungen zwischen beiden Ländern als angespannt oder verfeindet betrachten, von zwei auf 18 Prozent.

Wenig optimistisch sind die russischen Bürger hinsichtlich des Ansehens ihres Landes in der EU. Zwar glauben mit 13 Prozent so wenige Menschen wie noch nie, dass Russland in Europa als unberechenbares Land mit Großmachtambitionen gesehen wird. Andererseits befürchtet rund die Hälfte der Befragten (46 Prozent), Russland werde in Europa lediglich als Lieferant für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte betrachtet. Vor einem Jahr waren nur 30 Prozent dieser Meinung.

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