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Sprachbar

Rund um den Mund

Wer den Mund nicht halten kann, ist noch lange nicht mündig. Und auch Maulhelden verbringen selten große Taten. Ob von der Hand in den Mund oder ob direkt von Mund zu Mund - der Mund ist jedenfalls in aller Munde.

Wer vom Munde redet, muss auch von seinen Verwandten reden, den niederen Verwandten. Von Schnauze, Rachen, Klappe, Rand und vor allem dem Maul.

Tierisch menschlich

Das Rotkäppchen aus dem bekannten Märchen fragte die (vermeintliche) Großmutter, warum sie einen so großen Mund habe. Nun, warum? Weil es ein Maul war, das dann auch nicht die Großmutter aufriss, sondern der verkleidete böse Wolf. Richtig hätte Rotkäppchen fragen müssen: Wolf, warum hast du ein so großes Maul? ( - was als Frage dann freilich allzu naiv gewesen wäre …). Das Tier erschleicht sich im Märchen die Vermenschlichung, in der Wirklichkeit ist es sehr viel häufiger, dass sich der Mensch die "Vertierlichung", nun ja, verdient.

Während Oscar Wilde höflich lobte, ja geradezu pries: "Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten" – erwartet den, der das nicht tut, oftmals ‚tierische’ Kritik. "Plappermaul", ist da noch ein netter Begriff für einen, der sich das Maul über andere zerreißt, also verbal über ihn herfällt. Ein Maulheld ist ein Schwätzer, der groß tut, statt Größe zu zeigen. Beim Kompliment wird es wieder menschlich: er ist nicht auf den Mund gefallen, heißt es. Und damit ist er schlagfertig.

Unart und Mundart

Die Vornehmheit geht besonders bei dem fürs Deftige gelobten Dialekt verloren. "Bei dera muß ma amaul d Gosch eiges toatschlaga", beschreibt eine Dame, von der zu befürchten steht, dass ihr Geschwätz länger andaure als ihr Leben, weil sie " nur so über´s Maul raschwätzt"– einfach so drauflos redet. Puh.

Ach ja: Ein anderes Wort für Dialekt ist übrigens Mundart. Hier wird – um mit Martin Luther zu sprechen – dem Volk aufs Maul geschaut. In der Hochsprache kann auch vom Maul die Rede sein, ohne dass ein Tier gemeint ist. So steht das Bild vom Maulkorb für die Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

Essen nicht vergessen!

Selbst wer viel redet, benutzt seinen Mund vor allem zur Nahrungsaufnahme. Dementsprechend viele Essens-Bilder ranken sich rund um den Mund. Wobei das "einem-um-den-Mund-gehen" die unterwürfige Haltung meint, niemals anderer Meinung als der Herr zu sein. Also bringen wir diesen Vasallen dazu, dem Herrn Honig um den Mund zu schmieren, das entspricht genau dem "um-den-Mund-gehen" und führt wieder zum Essen.

Gutes Essen verwöhnt. Und dem, der sich daran gewöhnt hat und meint, das gehe immer so weiter ohne Gegenleistung, dem hält man den Spruch bereit: er glaube wohl, die gebratenen Tauben würden ihm nur so in den Mund fliegen. Zugegeben: allein die Vorstellung lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Aber Vorsicht! Wer den Mund zu voll nimmt, der verbrennt sich ihn auch schon mal. Aua. Zurückübersetzt vom essenden Mund in den sprechenden Mund heißt das: wer zuviel verspricht, der verspricht zuviel. (Ist das nicht mundgerecht formuliert?)

Schenken und schäumen

Der Mundschenk war ein Höfling, der für die Getränke am Fürstenhof verantwortlich war. Wenn sein Fürst Schaum vor dem Mund hatte, konnte der gute Mundschenk nur hoffen, dass es bildlich war, der Fürst also "bloß" wütend war – und nicht tollwütig. Seinen Job war der Mundschenk dann aber in jedem Fall los. Dann hieß es, Mini-Jobs übernehmen, von der Hand in den Mund leben, sich alles vom Munde absparen müssen und in Gefahr laufen, jederzeit Opfer eines Mundraubs zu werden. Mahlzeit.

Wer immer auf die Schnauze fällt, also immer Pech hat, wird immer stiller werden. Auch wenn er ursprünglich gar nicht auf den Mund gefallen ist, d.h. Temperament hat. Die stillste Stille strahlt ein lebender Mensch aus, wenn er nichts sagen darf, wenn der Fürst bzw. der Diktator ruft "Stopft ihm das Maul" Und der unbequeme Redner - aus Angst vor der Wahrheit- mundtot gemacht wird. "Mundtot machen" hat nichts mit dem Mund zu tun, sondern mit "munt" mit "t", das ist etwas völlig anderes. Dieser Begriff meinte Schutz oder Schirm, auch Schutzgewalt. Unser "Vormund" erinnert noch an diese Bedeutung. Der Gleichklang von mund mit "d" und mit "t" schliff die Unterschiede ab. "Mundtot machen" heißt "entmündigen".

Mund auf! Mund zu!

So etwas gibt es heute nicht mehr, pardon: sollte es nicht mehr geben. Man soll kein Blatt vor den Mund nehmen müssen, sondern sagen dürfen, was man denkt. Ich denke, mehr muss ich nicht sagen. Und weiß auch nix mehr. Und wie hieß es: gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. Na, dann.


Fragen zum Text

Ein Maulheld ist....
1. ein Schwätzer.
2. ein sympathischer Mann.
3. ein Mann mit einem schönen Mund.

Ein anderes Wort für Dialekt ist...
1. Mundart.
2. Lippenkunst.
3. Artenmund.

Wer immer auf die Schnauze fällt,...
1. hat immer Glück.
2. stolpert oft.
3. hat häufig Pech.

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Küssen, lachen, pfeifen – all das kann man mit dem Mund machen. Schreiben Sie 10 weitere Aktivitäten auf, für die man einen Mund braucht.

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