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Politik

Rumsfelds Temperaturmethode

Im Hinblick auf das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit einer Fülle von figurativen Äußerungen hervorgetan. Nicht immer zur Freude der Deutschen.

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Deutschland scheint derzeit begierig alle Worte der Bush-Vertrauten auf die Goldwaage zu legen - in der Hoffnung sie mögen eine Normalisierung in den verkrampften Beziehungen zum Ausdruck bringen.

Jetzt gab es wieder so einen Tag. Nach der öffentlichen Beantwortung der amerikanischen Anfrage zu einer möglichen Unterstützung Deutschlands bei einem Militärschlag gegen den Irak blickte alles nervös nach Washington. Würde die Minimalunterstützung den Amerikanern reichen oder würde erneut geballte Wut des Großen Onkels im Weißen Haus über uns hereinbrechen?

Doch das gespannte Warten war umsonst. Präsident Bush hatte längst den Truthahn begnadigt und sich ins Thanksgiving-Wochende verabschiedet. Auch im Kampf gegen den Terror und die Achse des Bösen muß man mal Atem holen. Die Auguren konnten sich aber getrost auf den Bush-Vertrauten Rumsfeld berufen.

Der Scharfmacher im Pentagon hatte auf seine unnachahmliche Art und Weise bereits am Vortag zu verstehen gegeben, was er von den deutschen Bemühungen halte. Hört doch endlich auf, ständig das Thermometer hervorzuholen, erklärte er den ausländischen Journalisten. Die Eiszeit und das erhoffte Tauwetter in den deutsch-amerikanischen Beziehungen täglich aufs Neue messen zu wollen, habe keinen Sinn. Dabei war es doch Rumsfeld gewesen der erst vor wenigen Wochen seinen zunächst geschmähten Amtskollegen Struck mit der Bemeekung erfreut hatte, die Beziehungen zu Deutschland seien "entgiftet".

Hatte man sich in Berlin etwa zu früh gefreut? Jetzt erklärte der gleiche Rumsfeld plötzlich, die Irritationen ließen sich nicht mit einem Beitrag zum Irak-Einsatz korrigieren. Da habe man etwas gründlich falsch verstanden. Nun also doch wieder die kalte Schulter aus Washington?

Es hilft nichts, wie ein Kaninchen gebannt auf die Schlange zu gucken. Die Amerikaner werden uns nicht fressen, auch wenn wir im Irak nicht mit von der Partie sind. Solange wir unseren Teil im weltweiten Kampf gegen den Terror anderswo beitragen, hat Washington überhaupt kein Interesse daran, die Deutschen zu verprellen. Deutschlands Geheimdienst leistet gute Arbeit bei der Weitergabe wichtiger Informationen, unsere Militärs leisten wertvolle Aufbauhilfe in Afghanistan, die Amerika als "nation-building" bislang selber verpönt. Und es wird auch der Tag kommen, da im Irak deutsches Know-how und deutsche Steuergelder beim Wiederaufbau gefragt sind - auch und gerade von Washington. Dann sollte man das Thermometer wieder hervorholen und sich bis dahin in mehr Gelassenheit üben.

  • Datum 28.11.2002
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2t8v
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