1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

"Rummel um den Fall Ai Weiwei ist abartig"

Zuerst geißelten die westlichen Medien die Inhaftierung des Künstlers. Jetzt hat die chinesische Tageszeitung "Global Times" reagiert - und teilt ihrerseits aus.

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei (Foto: picture alliance / dpa)

Die chinesische Presse ist verärgert über die westliche Berichterstattung über Ai Weiwei

Einige westliche Medien würden die Inhaftierung Ai Weiweis nutzen, um die Menschenrechtslage in der Volksrepublik anzuprangern, schreibt die "Global Times" in ihrer Samstagsausgabe (16.04.2011). Doch diese Kritik entbehrt nach Ansicht des staatlich gelenkten Blattes jeder Grundlage. Tatsächlich sei es in den vergangenen Jahren so gewesen, dass viele chinesische Intellektuelle ihren Bekanntheitsgrad ihrer Kritik an der Regierung zu verdanken hätten. Zu diesem Kreis gehöre auch Ai Weiwei. "Diese Menschen hatten die Freiheit, fast alles zu kritisieren, und das hat ihnen nicht nur Ruhm, sondern auch Reichtum eingebracht", schreibt die Zeitung. Und fügt hinzu, in China sei ein Zeitalter nie dagewesener Toleranz angebrochen.

Auf dem Boden der Tate Modern in London liegende Flyer mit dem Schriftzug Free Ai Weiwei (Foto: Zhou Qing/DW))

Flyer "Free Ai Weiwei" in der Tate Modern in London

"Verzerrtes Bild des Auslands"

Es sei ein Trugschluss und Fehler des Westens, China die Verfolgung politisch Andersdenkender zu unterstellen - gerade weil das Land derzeit die - so wörtlich - "Entfaltung der Demokratie" erlebe. Am Ende des Meinungsartikels greift der Kommentator der "Global Times" zu harschen Worten, um seine Haltung gegenüber der westlichen Medienberichterstattung nachdrücklich zu verdeutlichen. "Der Rummel um den Fall Ai Weiwei ist abartig. Der Westen möchte das politische System Chinas anfechten, indem er das Rechtssystem der Volksrepublik lahmlegt." Zweifellos würde jedes Urteil gegen den Künstler durch das Ausland entsprechend quittiert werden, denn dem Westen ginge es im Wesentlichen darum, "chinesische Werte herunterzumachen".

Große Sorge in Deutschland

Porträt Tom Königs (Foto: AP)

Grünenpolitiker Tom Koenigs fordert Freilassung von Ai Weiwei

Unterdessen reißen hierzulande die Forderungen nach einer Freilassung Ai Weiweis nicht ab. Erneut appellierte der Menschenrechtsausschuss des Bundestages an die chinesische Staatsführung, den am 3. April am Flughafen Peking festgenommenen Künstler unverzüglich freizulassen. "Wir halten die Inhaftierung des international anerkannten Künstlers für unbegründet", sagte der Ausschussvorsitzende Tom Koenigs (Bündnis '90/Grüne) der "Berliner Zeitung" von Montag (18.04.2011). "Wir sind in großer Sorge. Vor allem, weil es keine Informationen über den Verbleib von Ai Weiwei gibt." Es sei Schlimmes zu befürchten, weil in China die Haftbedingungen grauenhaft seien, so Koenigs weiter. Ende vergangener Woche hatte der Ausschuss bereits in schriftlicher Form an die chinesische Führung appelliert.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte in der Montagsausgabe der "Bild"-Zeitung ebenfalls eine sofortige Freilassung des bekannten Regierungskritikers. "Er gehört zu den berühmtesten Künstlern Chinas, genießt weltweit höchsten Respekt. China erweist sich mit diesem Akt der Unterdrückung einen Bärendienst."

Aufenthaltsort unbekannt

Der international renommierte Künstler Ai Weiwei zählt zu den prominentesten Kritikern der chinesischen Regierung. Von dem 53-Jährigen fehlt seit seiner Verhaftung jede Spur, wo er festgehalten wird, ist unklar. Offiziell werden dem Regimekritiker "Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen.

Autorin: Esther Felden (mit dapd, afp)
Redaktion: Birgit Görtz