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Europa

Rumänien wird Vorreiter bei Windenergie

Der größte Onshore-Windpark Europas liegt in der Nähe der rumänischen Schwarzmeerküste. Das Land erlebt einen atemberaubenden Boom der Windenergie. Doch die Investoren haben auch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen.

Mann auf Windrad (Foto: Windstrom Vindvet)

Beste Aussichten für Investoren

Starke Winde und kräftige staatliche Förderprogramme: Rumänien könnte ein Traumland für die Windenergie werden. Schon 2008 hat die Regierung in Bukarest ein Gesetz für die Förderung der Erneuerbaren Energien festgelegt und im rumänischen Staatsanzeiger veröffentlicht. Weil diese Pläne als Staatshilfe gelten, ist aber das Einverständnis der Europäischen Kommission nötig. Erst in diesem Sommer liegt das Dokument in Brüssel zur Unterschrift vor.

Noch fehlt der gesetzliche Rahmen

Dana Duica (Foto: RWEA)

Dana Duica will mehr Tempo

Diese Verzögerungen sind ein großes Problem für Investoren in Windparks: "Noch fehlt ein stabiler gesetzlicher Rahmen", beklagt Dana Duica, Vorsitzende des Rumänischen Windenergie-Verbands: "Seit 2008, als das Gesetz über die Förderung der erneuerbaren Energien veröffentlicht wurde, haben diverse Unternehmen wichtige Investitionsentscheidungen getroffen. Doch jetzt, Jahre später, wird das Gesetz immer noch nicht angewendet."

Rasanter Aufschwung im Windgeschäft

Windräder in der rumänischen Region Dobrogea (Foto: RWEA)

Windräder in der rumänischen Region Dobrogea

Diese Startschwierigkeiten konnten den rasanten Aufschwung der Windkraft in einem der wirtschaftlich schwächsten Länder der EU trotzdem nicht aufhalten. 2009 gab es eine installierte Windkraft-Kapazität von weniger als 20 Megawatt, bis Ende 2011 werden es nach Angaben des rumänischen Windenergie-Verbands bereits 1000 Megawatt sein. Mehr als die Hälfte der installierten Windkraft-Kapazität steht in der "Tomis Team Dobrogea Wind Farm", in der Nähe der rumänischen Schwarzmeer-Küste. Das entspricht der installierten Leistung eines Atomkraftwerks.

Diesen zurzeit größten Binnenwindpark Europas hat der tschechische Großkonzern CEZ gebaut. In Dobrogea, der windreichen Küstenregion im Südosten Rumäniens, gibt es schon mehr als zehn neue Windparks. Zu den wichtigsten Investoren zählen der portugiesische Konzern Energias de Portugal und Enel Green Power, die Ökostrom-Tochtergesellschaft des italienischen Strom-Riesen Enel.

Windpark mit Sonnenblumenfeld (Foto: picture alliance)

Spanien macht mit Wind schon seit Jahren beste Erfahrungen und gehört zu den Vorreitern in Europa

Pläne für größten Windpark der Welt

Wichtige westeuropäische Konzerne hoffen auf lukrative Investitionen in den rumänischen Windenergie-Sektor. Österreichs größter Stromkonzern Verbund hat bereits mit dem Bau eines Windparks in der Nähe der rumänischen Schwarzmeerküste begonnen. Und die Spanier von Iberdrola wollen in dieser Region den größten Binnenwindpark der Welt bauen: mit einer Kapazität von bis zu 1500 Megawatt.

Die Windenergie hat das Potenzial, ein Viertel der rund acht Millionen Haushalte in Rumänien mit Strom zu versorgen. Durch die neuen Windanlagen stieg der rumänische Strompreis um 2,3 Prozent in diesem Jahr, wie Dana Duica vom rumänischen Windenergie-Verband erläutert: "In der Anfangsphase wird der Strom zwar etwas teurer, aber danach stabilisieren sich die Preise, um in der nächsten Phase sogar niedriger zu werden."

Umweltschützer sorgen sich um Zugvögel

Windrad (Foto: dpa)

"Flugrouten beachten"

Doch der Preis für die saubere Windenergie sei an einer anderen Stelle umso höher, meint der rumänische Umweltschützer Tamas Papp. Aus seiner Perspektive gefährden einige der Windparks die Biodiversität: "Wir versuchen die Umwelt zu schützen und gegen die globale Erwärmung zu kämpfen, indem wir Windräder bauen - was an sich ja gut ist", erklärt er. "Aber sie müssen nur dort aufgestellt werden, wo es keine wichtigen Routen für Zugvögel gibt."

Deshalb sei gerade die Region Dobrogea ein besonders ungünstiger Standort: Durch diese windreiche Gegend in der Nähe des Donaudeltas führt nämlich eine der wichtigsten Flugrouten für Zugvögel auf dem Weg nach Afrika. Besonders Greifvögel und Störche würden durch die bereits gebauten Windparks gefährdet, kritisiert Tamas Papp. Deshalb schlägt er vor, dass die Windräder für einige Wochen im Jahr still stehen – damit die Zugvögel die Region sicher passieren.

Autorin: Alexandra Scherle
Redaktion: Gero Rueter

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