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Welt

Rumänien: Moldauklöster zwischen Tradition und Tourismus

Die Nonnen im Kloster Moldovitsa leben nach strengen Regeln. Trotzdem haben sie keine Nachwuchssorgen. Ein religiöses Leben erscheint vielen Rumänen wieder attraktiv.

Das Sucevita Kloster in der Bukowina aus Vogelperspektive

Sucevita Kloster in der Bukowina

"Wir sind wie eine schwarze Armee," erklärt uns Schwester Constanza, die wie alle anderen Nonnen ganz in ein schwarzes Gewand gehüllt ist. Sie arbeitet als Fremdenführerin im Kloster. "Wir haben das schöne Leben in der Welt hinter uns gelassen und führen ein sehr strenges Regime. Unser Tagesablauf ist genau geregelt und jede Stunde für Gebete oder Arbeiten eingeteilt."

die Außenmalereien der Moldauklöster

Unesco-Weltkulturerbe: die Außenmalereien der Moldauklöster

Seit Jahrhunderten leben die Nonnen in Moldovitsa nach strengen Regeln. Morgens um sechs Uhr beginnt der Tag mit mehrstündigen Gebeten. Dann gehen die Nonnen hinaus zur Landarbeit. Früher waren die Klöster in Rumänien sehr reich, hatten große Ländereien, Fabriken, Mühlen, um das Korn zu malen. Unter sozialistischer Herrschaft wurden sie zum großen Teil enteignet. Heute reichen die verbliebenen zehn Hektar des Klosters gerade noch aus, um den Eigenbedarf der 30 Nonnen zu decken.

Jahrhunderte alte Traditionen

Seit der Gründung im Jahre 1532 wird die Klosterkirche zu allen Gebetsstunden von einer Nonne umschritten. Sie balanciert ein langes Brett, auf das sie mit einem Hammer einen kunstvollen, ekstatischen Rhythmus schlägt, der weit hin zu hören ist, bis er vom mächtigen Klang der Glocken abgelöst wird. Die Nonnen scheinen allen irdischen Dingen entrückt zu sein, wenn sie zum Gebet eilen. Wer ihre Hände erhaschen kann, darf sie küssen. Aber auch von den Demutsbezeugungen der Gläubigen lassen sie sich nicht lange aufhalten und hasten weiter, ohne den Blick zu wenden.

Die Gläubigen, die aus den umliegenden Dörfern oder auch von weit her zur Andacht kommen, küssen die Heiligenbilder an der Wand, bevor sie in das Hauptschiff der Kirche eintreten, einen Platz zum Hinknien suchen und in die Gebete einstimmen. Von der rechten Wand blicken die Porträts der Stifterfamilie des Klosters streng herab: Fürst Petru Rares, seine Frau Helene und die Söhne Elios und Stefan erinnern an die Blüte einer vergangenen Zeit - und eine verlorene Schlacht.

Malerisches Weltkulturerbe

Karte der Region Moldovita

Die Bilder aller Moldauklöster zusammen ergeben die gesamte Geschichte der Bibel, die Heilige Schrift in Farbe. Die Idee der Außenmalerei hat die Türkenherrschaft jedoch nicht lange überlebt. Nur bei fünf Klöstern in der Moldau ist die Außenmalerei erhalten geblieben, die deshalb auch von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Die Moldauklöster sind seit jeher mehr als nur Refugien des christlichen Glaubens. Den orthodoxen Rumänen gelten sie heute als Geburtsstätten ihrer nationalen Identität. Hier ruht die rumänische Seele, meinen sie. "Früher kamen mehr Besucher als heute", erinnert sich Schwester Constanza. "Seit 1989 kommen weniger, aber sie sind pietätvoller. Sie kommen, um sich zu beugen. Sie sind gläubiger."

"Wir sind schon zum dritten Mal hier," schwärmen Ioan und Georgeta Chelaru aus Brasov. "Die Klöster haben eine Seele, sie haben Herz. Sie sind so richtig rumänisch. So hat man hier schon immer gelebt." Die Nonnen in Moldovitsa haben sich längst auf die Touristen eingestellt und auch ein Museum für kunstinteressierte Besucher eingerichtet.

Klöster werden von neuem religiösem Leben erfüllt

Torbogen eines Moldauklosters

Torbogen eines Moldauklosters

Mit dem Sturz des Diktators Ceaucescu 1989 hat sich auch für die Kirchen in Rumänien viel geändert. Jeder kann sich wieder offen zu seinem Glauben bekennen. Und als sichtbares Zeichen der neuen Gläubigkeit ragen im ganzen Land Kirchenneubauten empor. Von den alten Moldauklöstern sind bislang nur zwei von religiösem Leben erfüllt. Die rumänisch-orthodoxe Kirche denkt aber daran, alle fünf Moldauklöster wieder bewohnbar zu machen. Denn auch junge Rumänen wollen heute wieder ins Kloster gehen.

Fast scheint es, als finde ein Wettbewerb der unterschiedlichen Glaubensrichtungen statt, um das unter der kommunistischen Herrschaft verlorene Terrain möglichst schnell wieder zu gewinnen. Die rumänisch-orthodoxe Kirche denkt daran, alle Moldauklöster wieder bewohnbar zu machen, um dem steigenden Wunsch nach einem klösterlichen Leben gerecht werden zu können.

Zora Aspasia hat sich ihren Traum bereits erfüllen können und ist Novizin geworden. "Ich habe noch in meiner Gymnasiumszeit ein Buch über die Taten Gottes gelesen und wusste drei Monate vor meinem Abitur, dass ich ins Kloster muss. Seit fünf Jahren lebe ich jetzt hier, so wie Gott es wollte." Die Nonnen von Moldovitsa haben keine Nachwuchssorgen. Trotz ihrer strengen Klosterregeln erscheint ein religiöses Leben wieder attraktiv.

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