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Kultur

Ruhmestempel für Dichter, Denker und Lenker

In weißen Marmor gehauen ehrt die Walhalla bei Regensburg seit 1842 bedeutende Persönlichkeiten "teutscher Zunge". Sie gilt als eines der bedeutendsten Nationaldenkmäler. Aber es ist schwer, dort einen Platz zu erhalten.

Nationaldenkmal Walhalla Bayern (Foto: DW)

Heinrich Heine hat es soeben geschafft: Im Sommer 2010, erst 154 Jahre nach seinem Tod, wurde der Dichter schließlich mit einer Büste in der Walhalla geehrt. Für Bayern wie für ganz Deutschland ein Grund zur besonderen Freude, wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer anlässlich der Feierlichkeit unterstrich. Dabei war die Walhalla eigentlich schon ein wenig aus dem öffentlichen Bewusstsein der Deutschen verschwunden.

Nationales Symbol

Einweihung der Büste von Heinrich Heine (Foto: Marcel Kehrer)

Geschafft: Heine in der Walhalla

Sie gilt geradezu als Sinnbild der Suche Deutschlands nach einem nationalen Symbol. Napoleon hatte gesiegt, das "Heilige Römische Reich deutscher Nation" war zerbrochen, die politische Landschaft zersplittert, es herrschte das Gefühl einer tiefen Demütigung. Das war die Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Ruhmestempel zum Lob deutscher Helden- und Geistestaten sollte entstehen. Und bald war auch ein Name gefunden: Walhalla. Erste Büsten berühmter Persönlichkeiten wurden schon entworfen – doch ein würdiger Ort war noch nicht in Sicht. 1830 schließlich erfolgte die Grundsteinlegung auf dem Bräuberg, hoch über der Donau in der Nähe von Regensburg. Es dauerte weitere zwölf Jahre, bis die Walhalla schließlich am 18. Oktober 1842 eingeweiht werden konnte.

Siegesgöttinnen und Marmorköpfe

Büsten in der Walhalla (Foto: Marcel Kehrer)

Für immer und ewig? Galerie der Geehrten

Lachsfarbene Wandflächen aus Marmor dominieren die hohe Halle, die dem griechischen Ruhmestempel Parthenon nachempfunden ist. Den Raum unter der Decke zieren Figuren aus der germanischen Mythologie. Weibliche Skulpturen tragen die goldene Deckenkonstruktion, sechs Siegesgöttinnen stehen zwischen den aufgereihten 130 Marmorköpfen, die ein Panorama großer Namen aus den Geistes- und Naturwissenschaften, der Literatur, der Musik und der bildenden Kunst abgeben.

Über ihnen erinnern 64 Gedenktafeln an all diejenigen Persönlichkeiten, von denen keine authentischen Bildnisse mehr überliefert sind. Das Bauwerk selbst gehört heute dem Freistaat Bayern.

Kostspielige Sanierung

Blick in die Deckenkonstruktion Ruhmeshalle (Foto: Marcel Kehrer)

Lichte Höhe: die Ruhmeshalle

Der lässt die Walhalla derzeit für über elf Millionen Euro sanieren. Seit 2004 wurden die durch Wasser stark beschädigten, markanten Treppen und Terrassen repariert. Inzwischen wird auch innen gearbeitet. Die Materialien am Kupferdach sind großen Temperaturschwankungen ausgesetzt, sie dehnen sich unterschiedlich aus, was zu Rissen und Verwerfungen führt. 2012 soll das Denkmal wieder in altem Glanz erstrahlen. Die Ruhmeshalle ist aber trotz der Arbeiten durchgehend für Besucher geöffnet.

Wer wird Büste?

Landschaftsaufnahme von der Walhalla aus (Foto: Marcel Kehrer)

Beste Lage: Walhalla-Blick bei Donaustauf

Bis heute schaffen es nur die bedeutendsten Persönlichkeiten in die Walhalla, und das auch nur frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod. Die jüngste Neuaufnahme war neben Heinrich Heine die in Auschwitz ermordete Ordensschwester Edith Stein. Jeder Deutsche kann jemanden vorschlagen und einen Antrag stellen. Doch nur alle fünf bis sieben Jahre wird eine neue Persönlichkeit in die Ruhmeshalle aufgenommen. Und: Die Kosten für die Büste trägt der Antragsteller.

Das Verfahren ist streng und durchläuft mehrere Stufen bei der Bayerischen Staatsregierung. "Hier wird nicht nach den Gesetzen der Beliebigkeit verfahren, sondern es wird sehr sorgfältig geprüft durch absolute Fachleute", betont Ministerpräsident Seehofer. "Und das ist gut so. Das zeigt auch ein Stück des Elitären dieser Ruhmeshalle."

Autor: Marcel Kehrer
Redaktion: Cornelia Rabitz / Ba

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