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Wirtschaft

"Ruhige Hand" des Kanzlers bejubelt

Gerhard Schröder ist am Montag von der Belegschaft des Bombardier-Standortes in Ammendorf begeistert begrüßt worden. Seine Intervention hatte dafür gesorgt, dass der Standort mittelfristig erhalten bleibt.

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Blick in eine Montagehalle des Bombardier-Werks in Ammendorf

Der kanadische Weltkonzern hatte im November angekündigt, Standorte in Ostdeutschland aufgeben und mehr als 1100 Stellen vor allem in den neuen Ländern streichen zu wollen. Die Begründung lautete dafür " Überkapazitäten in Deutschland". Von den geplanten Schließungen war auch das Waggonbau-Werk in Ammendorf betroffen. Es sollte zur Jahresmitte 2002 eingestellt werden. Dort arbeiten derzeit rund 900 Menschen. Nach massiven Protesten der Mitarbeiter und nach Interventionen des Bundeskanzlers war die Entscheidung jedoch zunächst ausgesetzt worden.

Ein Gespräch am Wochenende zwischen Kanzler Schröder, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) und dem Vorstand des Bahntechnik-Herstellers Bombardier hat eine Umkehr der Unternehmensentscheidung bewirkt. Bombardier erwartet nun zusätzliche Aufträge von der Deutschen Bahn AG. Damit hat sich nach einer Mitteilung des Konzerns die Marktsituation verändert. Die in Produktion befindlichen Aufträge sollen nun vollendet werden. Die Endmontage bleibe im Umfang der zusätzlichen Aufträge erhalten. Schrittweise soll der Waggonbau Ammendorf in einen zentralen Standort für Wartung und Modernisierung in Deutschland umgewandelt werden. Entlassungen werden aber weiterhin nicht völlig ausgeschlossen.

Verlustgeschäft

Werk in Vetschau noch nicht gerettet

Von den möglichen Entlassungen könnten die rund 110 Mitarbeitern im Werk Vetschau betroffen sein. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erklärte am Montag auf der Belegschaftsversammlung in Ammendorf, dass das Werk in Vetschau im Gegensatz zum Ammendorfer Werk nicht Teil des kanadischen Bombardier-Konzerns bleiben könne. In Gesprächen mit dem Unternehmen solle nach einer Lösung für den Erhalt des Werkes gesucht werden.

Ruhige und unsichtbare Hände

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Höppner erklärte, das Land werde von Bombardier nicht mehr benötigte Flächen übernehmen und sie für Neuansiedlungen zur Verfügung stellen, um dauerhaft Arbeitsplätze zu sichern. Die Intervention Schröders und Höppners hat eine politische Dimension: In Sachsen-Anhalt wird am 21. April ein neuer Landtag gewählt. Und, im September stehen Bundestagswahlen an. Die Bundesregierung war in letzter Zeit wegen zunehmend schlechteren Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten stark unter Druck geraten. Das Signal von Ammendorf ist zweischneidig: Die Einmischung der Bundesregierung in Unternehmensentscheidungen mag kurzfristig Wählerstimmen sichern. Nach Ansichten von Experten ist fraglich, wie internationale Investoren auf die Entscheidung reagieren werden: Es ist deutlich geworden, dass die "ruhige Hand" des Kanzlers die "unsichtbare Hand" des Marktes nicht immer gewähren lassen will. (im)

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  • Datum 28.01.2002
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