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Sport

Ruhepol gegen Asiens Übermacht

Er gilt als Europas schärfste Waffe gegen Chinas dominierende Ping-Pong-Artisten: Tischtennis-Ass Timo Boll taugt als Musterbeispiel für Talent und Beständigkeit. In Peking führte er das deutsche Team zur Silbermedaille.

Timo Boll serviert am 2. Februar 2008 beim Tischtennis Europe Top 12 Turnier in Frankfurt am Main in der ersten Runde gegen den Kroaten Zoran Primorac. Quelle: AP/Michael Probst)

Timo Boll - total ballfixiert

Erst war nur atemlose Stille, dann war es geschafft: Im olympischen Halbfinale verwandelte Timo Boll den Matchball gegen Japans Seiya Kishikawa zum 11:5 im fünften Satz. 3:2 hieß es am Ende eines wahren Tischtennis-Krimis, Silber für die deutsche Mannschaft war bereits unter Dach und Fach. Überwältigt sank der 27jährige rücklings zu Boden – dann fielen Mitspieler und Bundestrainer Richard Prause als Menschentraube über ihren Kapitän her.

Timo Boll, Christian Süß und Dimitrij Ovtscharov feiern Silber bei den olympischen Spielen in Peking. Quelle: ap

Boll, Christian Süß und Dimitrij Ovtscharov feiern Silber

"Ich war einfach unglaublich glücklich. Man kann sich gar nicht vorstellen, was da für ein Druck auf einem lastet", sagt der sonst eher zurückhaltende Timo Boll. "Und nach dem Spiel ist alles rausgebrochen. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn man da mal Gefühle zeigt." Dass das deutsche Team dann im Endspiel gegen Seriensieger China beim 0:3 chancenlos war, betrübt den Odenwälder offenbar nicht allzu sehr. Boll spricht dennoch vom größten Erfolg seiner Karriere, die bereits in den Kinderschuhen begann.

Vom "Wunderkind" zum Superstar

Schon mit vier Jahren griff Timo zum Schläger, mit 14 schaffte er mit dem TTV Gönnern den Aufstieg in die Bundesliga. Bereits in der Jugendklasse feierte er mehrere Europameistertitel. Seit 1997 ist der Linkshänder auch in der Männer-Nationalmannschaft eine feste Größe. Doch im Einzelwettbewerb von Peking kam das Aus schon im Achtelfinale gegen den Südkoreaner Oh Sang-Eun. Beim 1:4 hatte Boll das Glück aus der Teamrunde verlassen, zudem unterliefen ihm ungewöhnlich viele Fehler: "Die werden gegen so einen starken Mann natürlich eiskalt bestraft. Und von daher hat er schon verdient gewonnen."

Historisches Triple bei der EM

Timo Boll versucht bei den olympischen Spielen in Peking, einen weit nach außen geschlagenen Ball noch auf die Platte zurückzubringen. Quelle: ap

Er gibt keinen Ball verloren

2008 war ein Jahr der Superlative für Timo Boll: Neben olympischem Mannschaftssilber holte er bei den Europameisterschaften erneut alle drei Titel. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Topspin-Spezialist im Einzel, mit der Mannschaft und im Doppel mit Christian Süß gesiegt. Eine historische Doublette für den "ruhenden Pol" im deutschen Tischtennis. Und zum Jahresende legte Boll mit vier Turniersiegen in Folge noch eine beeindruckende Serie hin. "Timo hat eine besondere Stärke, er ist sehr bodenständig und ruht in sich", sagt Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, über seinen Vorzeigeathleten. "Deshalb kann er wohl auch ganz gut mit dem Erwartungsdruck umgehen und sich auf den Sport als das Wesentliche konzentrieren."

In China verehrt und gefürchtet

Timo Boll in Aktion, im Halbfinale der German Open 2007 in Bremen. Quelle: AP/Jörg Sarbach)

In Aktion

Nicht zuletzt diese mentale Stabilität hatte Timo Boll im Jahre 2003 sogar auf Platz Eins der Weltrangliste geführt. Seither ist der gebürtige Erbacher Stammgast unter den Top Ten und zieht aus, um selbst Chinas Asse das Fürchten zu lehren: So landete der 1,81 Meter große Athlet sogar in der "Höhle der Löwen" Weltcupsiege und mischte auch in der chinesischen Profiliga kräftig mit. "Ich hatte dort sieben Wochen lang keinen einzigen freien Tag. Am Tag vor dem Spiel haben wir oft noch zweimal trainiert und eine Krafteinheit absolviert", erinnert sich Boll an die harte Schule. "Bei den Spielen ging es immer eng zu und es war viel Druck da. Ich denke aber, das war ganz hilfreich für meine weitere Karriere." Dies führte auch dazu, dass Timo Boll heute im Reich der Mitte gleichermaßen gefürchtet und populär ist.

Fair Play und doch noch Träume

Timo Boll bei der Verabschiedung der Tischtennismannschaft vor den Olympischen Spielen in Peking. Quelle: DW

Fair, sympathisch, beliebt

Wettkampfhärte, Beharrlichkeit und natürlich Talent zeichnen ihn aus - nur der untere Rücken bereitet dem Mann, der seit zwei Jahren für Borussia Düsseldorf in der Bundesliga abräumt, seit längerem Probleme: Besonders in den Jahren 2004 und 2005 setzten Boll die Beschwerden teilweise außer Gefecht. "Carpe Diem", "Nutze den Tag!" So lautet das Leitmotiv eines Vollblutsportlers, der auch Entscheidungen der Schiedsrichter zu seinen Ungunsten zu korrigieren pflegt. Dies bescherte Boll 2005 den Fair Play-Preis des Tischtennis-Weltverbandes sowie weitere Auszeichnungen und trug dazu bei, dass er im Kollegenkreis als überaus beliebt gilt. Bleibt eigentlich nur noch der Traum vom Einzelsieg bei Olympia oder Weltmeisterschaften. "Es braucht das nötige Quäntchen Glück und eine vernünftige Auslosung, da muss alles zusammen passen", gibt sich Timo Boll gelassen. "Man darf es auch nicht zu verbissen sehen, sonst ist das meistens ein Schuss nach hinten!"

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