1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Ruhe vor dem Sturm

Neue Drohungen gegen Saddam Hussein, wenn er das Land nicht verlasse, und weltweite Proteste kennzeichneten die Stunden vor den neuen Angriffen auf den Irak am Donnerstagabend.

default

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte vor dem Beginn der Offensive am Donnerstag abend Saddam Hussein noch einmal aufgefordert, seinen Widerstand aufzugeben und das Land zu verlassen. Der Konflikt müsse nicht ausgeweitet werden, wenn Saddam die Führung abgebe. Sollte er dies nicht tun, werde es einen Konflikt geben, der so noch nie gesehen worden sei, drohte Rumsfeld.

Donald Rumsfeld

Zugleich rief Rumsfeld die Führungselite im Irak auf, sich möglichen Anweisungen zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu widersetzen. Auch Ölfelder dürften nicht in Brand gesetzt werden, sagte er mit Blick auf die Stadt Basra. Dort hatten die Iraker offenbar eine Reihe Ölfelder in Brand gesetzt. Wer solche Befehle befolge, werde als Kriegsverbrecher verfolgt.

Dem irakischen Volk riet er weiterhin, nicht zur Arbeit zu gehen, militärische Ziele zu meiden, Radio zu hören und den Empfehlungen für die Ausgabe von Lebensmitteln und Trinkwasser zu folgen. Es sei nicht nötig, über die Grenzen zu fliehen. Nach der Beseitigung des Regimes von Saddam Hussein würden schnell Behörden eingesetzt. Die Koalition werde nur so lange im Irak bleiben, wie es notwendig sei, "keinen Tag länger“, bekräftigte Rumsfeld.

Türkei reiht sich ein in die "Koalition der Willigen"

Das Tauziehen zwischen Washington und Ankara hat unterdessen ein Ende gefunden. Das türkische Parlament stimmte am Donnerstag der Öffnung des Luftraums für US-Kampfflugzeuge zu und fand damit einen Kompromiss, der die Alliierten und die eigene Bevölkerung zufriedenstellen soll. Wenige Stunden nach Beginn des Irak-Krieges machten die Abgeordneten außerdem den Weg frei für die Entsendung türkischer Truppen nach Nordirak. Die von Washington verlangte Erlaubnis zur Stationierung von 62.000 US-Soldaten auf türkischem Boden stand bei der Abstimmung nicht mehr zur Debatte – die Türkei will sich offenbar auch die eigene Handlungsfreiheit im Kurdengebiet bewahren.

Der Antrag der Regierung Erdogan wurde in nichtöffentlicher Sitzung mit 332 Stimmen angenommen, 202 Mandatsträger stimmten dagegen. Allerdings dürfen die Kampfflugzeuge nicht in der Türkei landen, auch nicht zum Auftanken.

Chirurgischer Schlag zunächst missglückt

Iraks Präsident Saddam Hussein im irakischen Fernsehen nach den ersten Bombenangriffen auf Bagdad

Die USA bombardierten am Donnerstagmorgen zuerst ein Gebäude bei Bagdad, in dem der irakische Staatschef Saddam Hussein vermutet wurde. Man wollte die "große Gelegenheit nicht verpassen", offenbar gab es exakte Geheimdienstinformationen. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf erklärte indes später, Saddam habe den Angriff überlebt. Eine entsprechende Ansprache Husseins wurde am Donnerstag ausgestrahlt. Unmittelbar danach begann das Rätselraten darüber, ob Saddam wirklich lebe oder die Ansprache aufgezeichnet sei. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz meldete einen Toten und 14 Verletzte.

Weltweite Proteste

Der Beginn des Krieges löste in aller Welt Betroffenheit und in vielen Ländern Kritik aus. In Deutschland und anderen Staaten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. In verschiedenen Städten im In- und Ausland gab es erste große Protestdemonstrationen. In Deutschland demonstrierten bis zum Mittag weit mehr als 100 000 Menschen gegen den Krieg, in Griechenland 150 000. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in einer Ansprache: „Es ist die falsche Entscheidung getroffen worden.“

Russland und China verlangten eine umgehende Einstellung der militärischen Aktionen und sprachen wie Schweden und Iran von einem Verstoß gegen internationales Recht. Der französische Präsident Jacques Chirac befürchtete „schwerwiegende Folgen“ für die Zukunft. Die Arabische Liga reagierte mit „großem Bedauern“.
Japan, Polen, Bulgarien, die Niederlande und Südkorea bekräftigten dagegen ihre Unterstützung für das US-Vorgehen. (dk)

Die Redaktion empfiehlt