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Kultur

Ruhe finden, Kraft schöpfen, Worte bewahren

Zur Ruhe kommen, zu sich selbst kommen. Das brauchen alle Menschen, um wieder Kraft zu finden. Gerhard Engelsberger beschreibt für die evangelische Kirche, welcher Weg Hilfe bieten kann.

„Es ist gut so“, sagt Gott

Gott heiligt den siebten Tag. Gott ruht am siebten Tag. Und aus dieser Ruhe entsteht Segen für Tier und Pflanze, für Mensch und Erde. Die Großeltern und Eltern haben ja zum Teil Tage, Wochen oder gar Jahre erlebt, in denen nicht die Spur von Ruhe möglich war. Kriegsnächte und Tage der Verfolgung, Aufbauzeit und Familiendurcheinander, Krankheit und Trennung.

Es ist ein eigenartiger, aber ganz verständlicher Gedanke, dass alles zur Ruhe kommen muss, damit Kraft und Energie entsteht für neues Leben. Selbst Gott kommt zur Ruhe. Selbst Gott legt die Schöpferhände in den Schoß und lässt es für heute gut sein. „Es ist gut so“, sagt Gott. „Das wird“, sagt Gott. „Es mag so bleiben“, sagt Gott. Worte aus den Schöpfungserzählungen der Bibel.

Aus Abend und Nacht wird ein neuer Morgen. „Jetzt ist es gut“, sagte mein Vater, wenn ich aufgedreht war. „Jetzt ist es gut“. Dieses gute Wort hat mich vor mancher Übertreibung bewahrt. Die Hände mal in den Schoß legen ohne Blick auf die Uhr.

Früher sagte man „Feierabend“ dazu. Und Tage, die alle ruhig angingen nannte man „Feiertag“. Geborgen in diesem Segen konnten sich Menschen wirklich ausstrecken, lang machen und Atem schöpfen.

Nichts droht. Keiner will was. Niemand fordert. Das ist heute kaum vorstellbar. Maschinen müssen ausgelastet sein. Menschen auch. Nur so „funktioniert“ das Ganze. Wir haben dieses Denken übernommen. Wir funktionieren exakt in diesem vorgegeben Takt.

Auch das Denken können wir nicht lassen. Dies und das beschäftigt uns. Wir tragen es durch die Tage, es begleitet uns durch schlaflose Nächte oder begegnet uns wieder in unseren Träumen. Als ob wir nie zur Ruhe kämen.

„Es ist gut so“, kann ich selbst sagen

Mir ist ein kleines Gebet wichtig geworden , das mich immer wieder herausholt aus dieser Maschine: Ich spreche mir immer wieder selbst den Satz aus der Schöpfungsgeschichte zu: „Danke. Es ist gut so.“ Ich löse die Hände und lege mich lang. Für mich sind das in meiner Ehe, in unserer Familie, in meinem Beruf ganz entscheidende Worte. „Es ist gut so.“ Wir sagen so oft „Ja, aber“. Ich bete: Es ist gut so. Mehr kann ich nicht. Am Anfang hatte ich andere Vorstellungen. Ich widerspreche, schreibe Briefe, suche nach neuen Lösungen. Kläre. Werde aufgeklärt. Andere geben nach. Ich gebe nach. Irgendwann – am Ende - sage ich: „Es ist gut so. Ja.“ Die Bibel geht über unser oft vorläufiges „Ja“ hinaus. Sie sagt: Es ist eine Zeit, in der nach dem „Ja“ kein „Aber“ mehr folgt.

Es gibt drei Tage, von denen die Bibel erzählt, an denen es ein solches Aber nicht mehr gegeben hat oder gibt. Das ist der siebte Schöpfungstag, an dem selbst Gott ruht und alles gut ist. Das ist der Ostermorgen, an dem der Tod ausgelacht und besiegt ist, und es ist der Tag, an dem ein neuer Himmel und eine neue Erde ein vollkommen neues Buch unseres Lebens öffnen, in dem von Not und Tränen und Trennung und Angst nicht mehr, - nie mehr - die Rede sein wird.

Aus solcher Ruhe wird es uns schon heute leichter, wenn wir wenigstens ein wenig das Sorgen und Denken und Tun lassen können. Ich wollte, ich könnte das Sorgen und Denken und Tun häufiger lassen, so dass meine Frau etwas davon merkt. Manchmal gelingt es.

Pfarrer Gerhard Engelsberger, Wiesloch

Pfarrer Gerhard Engelsberger, Wiesloch

Zum Autor: Gerhard Engelsberger (Jahrgang 1948) ist seit vielen Jahren Gemeindepfarrer: zunächst in Mannheim, und seit 1981 in Wiesloch. Daneben hat er aber auch immer wieder Bücher veröffentlicht, sowie Radio- und Fernsehsendungen gestaltet. Im KREUZ - Verlag gibt er zudem die »Pastoralblätter« und die »Kasualblätter« heraus. Er ist verheiratet und hat vier Kinder – kein schlechtes Training auch für seinen Kinderchor, mit dem der Komponist und Texter bereits auf mehreren CDs zu hören ist.

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