1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Ruhe bitte!

"Heimlich, still und leise" heißt es in der Operette: ein musikalisches Bühnenwerk, um das es recht ruhig geworden ist. Ruhig ist übrigens nicht gleich still. Beides ist leise, jedoch – Klappe, jetzt. Es geht los!‎

Was leise ist, ist noch hörbar. Schwach nur, aber doch hörbar! Wann ist leise schon still, wann bloß ruhig? Manchmal beschleichen einen leise Zweifel und der leise Verdacht, man habe nicht die leiseste Ahnung. Dann sollte man ruhig, also getrost, schweigen. Wer aber zu allem schweigt, nur um nicht aufzufallen, den nennt man Leisetreter. Er ist unheimlich still. Ruhe und Stille sind bisweilen unheimlich, aber manchmal sind sie auch eine Oase in einer viel zu lauten Welt!

Schweigen ist Gold oder tot

Klappe! Schnauze! Ruhe auf den billigen Plätzen! Maul halten! Aufforderungen zur Ruhe sind häufig vulgär. Schlimmer ist: jemanden mundtot machen; noch schlimmer: jemanden zum Schweigen bringen, ihn töten.

Sagt einer nichts, ohne tot zu sein, nennt man ihn bisweilen "diskret". In gewissen Gangster- oder Finanzkreisen verdient sich dieser sogar das Kompliment, verschwiegen zu sein wie ein Grab.

In aller Stille zur letzten Ruhe

"Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch, die Vöglein schweigen im Walde. Warte nur, balde ruhest du auch." In Goethes "Wanderers Nachtlied" werden verschiedene Arten von Ruhe beschrieben: die Nacht, der Schlaf und der Tod.

Der Tod wird – sei es aus Glaubensgründen, sei es aus Takt – ungern als Ende bezeichnet. Daher kommt das formelhafte "Hier ruht..." auf vielen Grabinschriften. Der Tod steht im Christentum für "die ewige Ruhe". Aber von Beerdigungen sagt man nie, sie hätten "in aller Ruhe" stattgefunden, sondern "in aller Stille". Warum? Nach außen hin ist es zwar ruhig – still, die Gemütslage der Menschen ist hingegen emotional aufgewühlt – unruhig.


Mal angenehm, mal bedrohlich

Vorausgesetzt, man bettet einen nicht zur letzten Ruhe, ist es durchaus höflich, jemandem am Abend "Angenehme Ruhe" zu wünschen und ihn am Morgen zu begrüßen mit "Wünsche, wohl geruht zu haben!" Wer die Ruhe selbst ist, kann brauchbarer Pokerspieler, Chirurg oder Killer sein. Er ist ruhig, aber er ist es, weil er kaltblütig ist. Da sind einem schon die Nervösen lieber, die sich zur Ruhe zwingen müssen, weil sie sonst nie zur Ruhe kommen.

Ruhe steht für Frieden und Friedlichkeit, für Wohlgefühl und Feiertag, für störungsfreies Faulenzen oder Arbeiten. Ruhe ist rundum positiv. Denkste. Es gibt lastende Stille, es gibt lähmendes Schweigen und es gibt auch eine bedrohliche Ruhe: die Ruhe vor dem Sturm. Sie bezeichnet die gespannte Atmosphäre vor einem drohenden Ereignis.

Sich setzen und genießen

Ein Gipsverband dient dazu, ein gebrochenes Bein ruhig zu stellen. Ein Hypernervöser wird medikamentös ruhiggestellt. Ein Klinikaufenthalt mag Anlass für den Arbeitgeber sein, das Arbeitsverhältnis ruhen zu lassen.

Wenn die Firma auf stabilen Pfeilern ruht und die Auftragsbücher voll sind, dann ist das Ruhegehalt nie in Gefahr, die Pension zum Beispiel. Diese wird in der österreichischen Amtssprache sehr schön auch als "Ruhegenuss" bezeichnet. Paradox: Wer sich zur Ruhe setzt, ist im Ruhestand.

Stillgestanden!

Der Ruheständler hat Zeit. Er kann jeden Tag in der Kneipe sitzen – fast jeden Tag! Manchmal nämlich heißt es: "Montag ist Ruhetag." Die Montagsruhe ist dem Wirt das, was die Sonntagsruhe dem Arbeiter ist. Und an welchem Tag, bitte, ruhen die Waffen?

Soldaten, um es sarkastisch zu sagen, sind doch eigentlich eine leise Berufsgruppe. So oft wie sie hört keiner die Aufforderung "Stillgestanden!". Die müssten doch die Ruhe weg haben. Die könnten doch ruhig mal Ruhe geben. So wie ich jetzt. Der Rest ist Schweigen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads