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Sport

Rugby: Der verkannte Kampf ums Ei

Rugby ist ein Massenphänomen. Millionen jagen dem ovalen Ei auf der Welt hinterher, nur in Deutschland fristet die Sportart ein Schattendasein. Die Gründe dafür sind nicht immer einfach.

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Die neuseeländischen All Blacks gegen die australische Rugby-Nationalmannschaft.

Rugby elektrisiert die Massen. Millionen Menschen weltweit betreiben die Sportart. In Australien und Südafrika ist Rugby Volkssport, in Neuseeland fast Religion. Aber auch in Europa ist Rugby verankert, auf den britischen Inseln und in Frankreich kommt die Sportart direkt hinter dem Fußball. Nur in Deutschland hat Rugby keine Bedeutung. Woran liegt das? Der Sportwissenschaftler Carsten Huhn hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Rugby beschäftigt. Als Rugby im 19. Jahrhundert nach Deutschland gekommen sei, so Huhn, habe es dort mit dem Turnen schon eine andere große Sportbewegung gegeben. "Meiner Meinung nach war das hauptverantwortlich dafür, dass sich Rugby als sehr englischer Sport in Deutschland nicht durchsetzen konnte." Turnen sei damals weit verbreitet und auch populär gewesen. Es habe als typisch deutscher Sport gegolten, auf den man stolz gewesen sei. Ausländische Sport-Importe habe man allgemein nicht so gerne gesehen. "Fußball erschien den Menschen in Deutschland dabei aber weniger britisch als Rugby", sagt Huhn. "Allein der Name, abgeleitet von der englischen Stadt Rugby, zeigt ja, dass es sich um einen ausländischen Sport handelt. Da gab es große Einwände.”

Von den Sportlehrern stets gemieden

Rugby EDF Energy Cup Mike Catt

Beim Rugby ist das Kicken des Balls erlaubt

In den großen Rugbynationen steht die Sportart in den Schulen auf dem Lehrplan. In Deutschland blieb sie immer außen vor. Huhn, 40 Jahre alt und selber Rugbyspieler, macht die Schulpolitik dafür verantwortlich: "Lehrer haben damals verboten, dass Rugby im Freien gespielt wurde." Sie fürchteten, dass sich die Schüler erkälteten. Deshalb mussten die jungen Sportler lange Unterwäsche tragen. "Rugby war schlicht unerwünscht und wurde als undeutsche Fußlümmelei abgetan." Doch auch das für die Zuschauer schwer nachvollziehbare Regelwerk sorgte dafür, dass Rugby in Deutschland unpopulär blieb. Es wird gekickt, der Ball darf mit den Händen getragen werden und es gibt unterschiedliche Punkte-Arten. Im Vergleich dazu sei Fußball viel einfacher, so Huhn. "Man darf den Ball nur mit den Füßen spielen und muss das Runde ins Netz befördern."

Kleiner Boom zwischen den Weltkriegen

Nach dem 1. Weltkrieg erlebte der Rugbysport in Deutschland erstmals einen kleinen Boom. 20.000 Spieler, 10.000 mehr als heute, jagten dem oval geformten Leder-Ei hinterher. Das Spielniveau stieg merklich und auch sportlich wurden kleinere Erfolge errungen. Das Nationalteam gewann sensationell gegen Frankreich. Während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin gab es Demonstrationswettbewerbe auf den Wiesen vor dem Olympiastadion. "Das war der letzte wirklich große Versuch, Rugby einer breiten deutschen Öffentlichkeit vorzustellen", erläutert Carsten Huhn. Der 2. Weltkrieg habe der schwächelnden Sportart dann gewissermaßen "den Todesstoß" versetzt. "Da wurde alles wieder zurückgefahren. Davon hat sich der Rugbysport in Deutschland nie mehr richtig erholt." Im Gegensatz zum Fußball nach dem "Wunder von Bern": "Fußball boomte nach dem WM-Sieg 1954 natürlich unglaublich. Damit war Rugby eigentlich fast vergessen."

Großer Bruder Fußball war und ist zu dominant

Rugby in Australien

Australischer Rugbyspieler fängt den Ball "in der Gasse"

Gegen den rasant populärer werdenden Fußball kam Rugby mit seiner strukturell schwachen Situation nach dem 2.Weltkrieg nicht mehr an. Zudem haftet Rugby immer noch das Vorurteil an, ein brutaler Sport zu sein, der nur von Chaoten gespielt wird und ein großes Verletzungsrisiko birgt. Dadurch ist die Hemmschwelle für Neueinsteiger, die Sportart einfach einmal auszuprobieren, sehr hoch. Sportwissenschaftler Huhn glaubt, dass das Interesse nur gesteigert werden kann, wenn Rugby als Breitensport betrieben und auch in den Schulen gespielt wird. Dazu müssten sich sportliche Erfolge der deutschen Rugby-Nationalmannschaft und Auftritte bei Weltmeisterschaften gesellen. "Dann würde die Sportart in den Medien mehr Aufmerksamkeit erfahren. Und bei mehr Menschen würde Interesse für Rugby geweckt."

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