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Kultur

Rudi Carrell ist tot

Der Entertainer war bereits am Freitag (7.7.) gestorben. Anfang 2005 war bei dem Kettenraucher Lungenkrebs diagnostiziert worden. Seitdem hatte er zurückgezogen auf seinem Gutshof in Syke bei Bremen gelebt.

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Carrell bei seinem letzten öffentlichen Auftritt

Bei seinem letzten großen öffentlichen Auftritt im Februar 2006 hatte Carrell die Fernsehzuschauer tief gerührt: "Es war eine Ehre, in diesem Land, für dieses Publikum Fernsehen machen zu dürfen", hatte der bereits stark abgemagerte 71-Jährige mit heiserer Stimme gesagt, als er die Goldene Kamera für sein Lebenswerk in Empfang nahm. Schon Ende 2002 hatte Carrell seinen Rückzug aus dem Showgeschäft angekündigt.

Star der 70er

Rudi Carrell ist tot

Rudi Carrell ist mit seiner "Tagesshow" voll im Bild

Mit Showmastern wie Peter Alexander, Peter Frankenfeld oder Hans-Joachim Kuhlenkampf hatte er die Fernsehunterhaltung in Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren groß gemacht - und begeisterte auch am Ende seiner Karriere mit "7 Tage - 7 Köpfe" auf RTL noch immer ein Millionenpublikum.

Radio Bremen hatte 1964 den niederländischen Entertainer nach Deutschland geholt, wo seine Sendung "Am laufenden Band" der ARD regelmäßige Einschaltquoten über 60 Prozent bescherte. Die von Alfred Biolek produzierte Show aus Spielen, Sketchen und Musik gehörte zu den beliebtesten der deutschen Fernsehlandschaft. Den Besuch Muhammed Alis, gegen den er sich 1975 zusammen mit vier Kandidaten einen halbstündigen Gag-Kampf im Studio lieferte, bezeichnete Carrell selbst als Höhepunkt seiner Karriere. Seine Kuppelshow "Herzblatt" und "Rudis Tagesshow" waren viele Jahre beim Fernsehpublikum beliebt.

"Prägende Persönlichkeit"

Rudi Carrell ist tot

Rudi Carrell und Beatrice Richter beim Spaghetti-Essen in einer Szene der "Tagesshow"

Der Intendant von Radio Bremen, Heinz Glässgen, würdigte Carrell als unnachahmlichen Gestalter der deutschen Fernsehunterhaltung: "Mit Rudi Carrell verliert die deutsche Medienlandschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten", erklärte Glässgen. "Mit Humor und Originalität hat er sein Publikum begeistert."

Dass Carrell quasi nebenbei auch als Filmschauspieler arbeitete, war vor allem ein Phänomen der Zeit. Anfang der 70er Jahre gedrehte Streifen wie 'Tante Trude aus Buxtehude' und 'Wenn die tollen Tanten kommen' passten zur damaligen Lust der Deutschen auf alberne Klamotte. Als Sänger gelang Carrell 1976 mit "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" sogar ein Evergreen, ebenfalls ein Klassiker wurde "Goethe war gut".

Zahlreiche Auszeichnungen

Rudi Carell wird 65 - Verkleidet als Käsefrau

Rudi Carell holländische Käse-Verkäuferin "Frau Antje"

Carrell war am 19. Dezember 1934 im niederländischen Alkmaar als Rudolf Wijbrand Kesselaar geboren worden und kam 1964 zum deutschen Fernsehen. Er war drei Mal verheiratet, Vater von drei Kindern und Großvater von drei Enkelkindern. Für seine Arbeit erhielt Carrell zahlreiche Auszeichnungen, darunter vier Mal die Goldene Kamera und vier Mal den Bambi. Für sein Lebenswerk erhielt er 2001 die Ehrenrose von Montreux. Im selben Jahr ernannte ihn Königin Beatrix zum Ritter im niederländischen Löwen-Orden.

Carrell hatte am Ende seine Krebsdiagnose mit Fassung getragen: "Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben" sagte er bei seinem letzten öffentlichen Auftritt bei der Verleihung der Goldenen Kamera im Februar. Mit rührenden Dankesworten hatte er sich dort von seinem Publikum verabschiedet: "Deutschland hat mir zehn Mal mehr gegeben, als ich mir je erhofft habe", sagte er. "Ich verdanke diesem wunderbaren Land mein Leben." (ina)