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Sport-News

Rudi Altig ist tot

Radsportlegende Rudi Altig ist nach Angeben seiner Familie im Alter von 79 Jahren nach kurzer, schwer Krankheit gestorben. Die Franzosen nannten ihn wegen seiner Fahrweise ehrfüchtig "Sacré Rudi", den "verdammten Rudi".

Radsport-Legende Rudi Altig ist tot. Der frühere Weltmeister sei am Samstag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben, teilte Altigs Familie mit. Der gebürtige Mannheimer war einer der größten deutschen Sportstars der 1960er Jahre. Bei der Tour de France gewann er acht Etappen und fuhr ingesamt 18 Tage lang im Gelben Trikot. Größter Erfolg war der WM-Titel 1966 im Straßenrennen auf dem Nürburgring. Nach ihm trug kein deutscher Radprofi mehr das Regenbogen-Trikot des Weltmeisters.

Sportler des Jahres

1962 sicherte sich Rudi Altig bei der Tour de France als erster deutscher Profi das Grüne Trikot des besten Sprinters, außerdem triumphierte er im gleichen Jahr bei der Spanien-Rundfahrt. 1966 wurde Altig zu Deutschlands Sportler des Jahres gekürt und erhielt auch das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Sportler-Auszeichnung des Landes. 1997 wurde Altig mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Auch Erfolge auf der Bahn

Neben seinen zahlreichen Erfolgen auf der Straße - er gewann als erster Deutscher die Klassiker Mailand-Sanremo und Flandern-Rundfahrt - wurde Altig mehrfach Weltmeister in der Einerverfolgung auf der Bahn und fuhr bei insgesamt 23 Sechstagerennen Siege ein. Den Radsport bezeichnete er einmal als einen "roten Faden in meinem Leben. Den schneide ich, solange ich lebe, nicht durch."

Rudi Altig beim WM-Rennen 1966 auf dem Nürburgring,

Rudi Altig beim WM-Rennen 1966 auf dem Nürburgring, das er gewann

"Sacré Rudi"

Altigs Popularität war nicht nur in Deutschland groß. Noch weit nach seiner Karriere pflegte er Freundschaften zu anderen Radsport-Größen wie dem fünfmaligen Tour-Sieger Eddy Merckx. In Frankreich und bei der Tour war Altig immer ein gern gesehener Gast. "Sacré Rudi", den "verdammten Rudi", nannten ihn die Franzosen anerkennend für seine kämpferische Fahrweise.

Altig fordert Doping-Freigabe

Doping galt zu seiner aktiven Zeit noch als Kavaliersdelikt. Altig räumte ein, zu verbotenen Mitteln wie Durabolin oder Pervitin gegriffen zu haben. Davon distanzierte er sich nie. "Ich weiß, was ich konnte und wie viele Rennen ich gewonnen habe, ohne etwas genommen zu haben - darunter 1968 mein Lieblingsrennen Mailand-Sanremo", sagte Altig einmal in einem Interview. 1998, im Jahr des großen Tour-de-France-Dopingskandals, sprach er sich sogar öffentlich für die Freigabe von Doping aus.

Nach Ende seiner Karriere arbeitete Altig lange als Bundestrainer der Amateure, später war er Rennleiter, etwa bei "Rund um den Henninger Turm" in Frankfurt am Main, und TV-Experte bei verschiedenen Sendern.

Ullrich: "Altig sagte immer, was er dachte"

"Was Rudi Altig herausragend machte, waren seine unverstellte Art, seine herzliche Direktheit und seine Lebensfreude. Sie hat ihm geholfen, auch sehr schwere Kämpfe um seine Gesundheit lange zu bestehen", sagte Rudolf Scharping, Präsident des bundes Deutscher Radfahrer. "Die Menschen spürten das alles und sie haben ihn deshalb besonders gemocht - auch ich."

Der frühere Tour-Sieger Jan Ullrich sagte: "Ich bin wirklich traurig. Ein großartiger Mensch und die bedeutende deutsche Radsportlegende ist tot - was für mich noch viel wichtiger ist - der Mensch Rudi Altig, der immer sagte, was er dachte - auch wenn es manchmal unbequem war."

sn/to (sid)