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Sport

Rudern und Paddeln in Rios Kloake

Die deutschen Ruder- und Kanuteams gehören bei Olympia in Rio zu den großen Medaillenanwärtern. Angesichts weiterhin schlechter Wasserbedingungen machen sie sich allerdings Sorgen.

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Wettkampf in der Kloake

Ein "grüneres und saubereres Rio". Das war eine der Vorgaben, die sich die Olympia-Veranstalter nach der erfolgreichen Bewerbung der Metropole am Zuckerhut schon 2009 auf die Fahnen geschrieben hatten. Dazu gehörte auch die Sanierung der seit Jahrzehnten verseuchten Gewässer Rios. Für die deutschen Kanuten und Ruderer ist davon allerdings kurz vor Beginn der Spiele wenig zu spüren, die noch immer miserable Wasserqualität bereitet ihnen große Sorgen. "Solche schlechten Bedingungen habe ich bei Olympia noch nie erlebt, das kann ich ohne Einschränkung sagen," sagte Kanu-Bundestrainer Reiner Kießler.

Kießlers Athleten gehen in der Lagune Rodrigo de Freitas nahe dem Stadtteil Copacabana an den Start, wo sie auf zahlreiche Medaillen hoffen. Die malerische Lage im Schatten des Corcovado mit der berühmten Christus-Statue kann allerdings kaum über die schlechten Wasserbedingungen hinwegtäuschen. Weiterhin fließen in Rios Gewässer enorme Mengen an Abwasser und Müll hinein, was immer wieder auch zu massivem Fischsterben führt.

Sebastian Brendel in seinem Kanu (Foto: dpa - Bildfunk)

Der Kanute Sebastian Brendel möchte in Rio seine zweite Goldmedaille gewinnen

Zwar ist Rodrigo de Freitas über einen Kanal mit dem Atlantik verbunden, wodurch sich das Wasser in der Lagune in einem gewissen Ausmaß selbst reinigt. Zudem hatten Rios Olympia-Veranstalter zuletzt versucht, die Gewässer der Stadt etwa mithilfe spezieller Boote stärker zu säubern. Doch die Nachrichtenagentur Associated Press veröffentlichte erst vergangenes Jahr Studien, wonach das Wasser in Rodrigo de Freitas teilweise weiterhin mit Viren und Bakterien verseucht war.

Wasser im Mund kann krank machen

Wer Rios Lagunenwasser versehentlich in den Mund gespritzt bekommt, könnte daher krank werden. "Dann wird's gefährlich. In solchen Momenten wird's einem unwohl", sagte London-Olympiasiegerin Franziska Weber, die im Kajak-Zweier über 500 Meter zusammen mit ihrer Partnerin Tina Dietze erneut olympisches Gold anpeilt. Dabei ist Wasserkontakt sowohl beim Rudern als auch beim Paddeln normalerweise üblich und kaum zu verhindern. "Es wird nicht möglich sein, dass man kein Wasser abkriegt. So sauber kann man nicht fahren", urteilte Hans Gruhne, Schlagmann des Ruder-Doppelvierers: "Ich hoffe trotzdem, dass es halbwegs erträglich ist. Dass es vielleicht auch in den Tagen, in denen wir da sind, nicht regnet."

Die Sportler wollen alles versuchen, um die Risiken einer Erkrankung zu minimieren. "Wir dürfen nicht aus Flaschen im Boot trinken, weil die mit dem Schmutzwasser in Kontakt kommen," sagt Lisa Schmidla, Schlagfrau des Ruder-Doppelvierers der Frauen. Kanute Marcus Groß, der zusammen mit Teampartner Max Rendschmidt als Favorit im Kajak-Zweier über 1000 Meter gilt, predigt Disziplin: "Es ist wichtig, dass man sich die Hände gut wäscht und alles reinigt." Alles in allem sei die Lagune "nicht olympiareif," konstatierte er.

Die Favela Rio das Pedras an der Lagune Jacarepagua (Foto: picture-alliance/AP Photo/F. Dana)

Die Lagune Jacarepagua im Süden Rio de Janeiros gilt als besonders verschmutzt

Dass Rio seine Vorgaben hinsichtlich der Wasserqualität wohl nicht erfüllen wird, liegt an mehreren Gründen. Zum einen schütten Bewohner in Rios Armenvierteln, den Favelas, ihr Abwasser teilweise noch immer ungefiltert in naheliegende Kanäle und Flüsse, welche den Schmutz anschließend in die Lagunen weiterleiten. Carlos Muniz, Umweltminister der Stadt Rio de Janeiro, sagte der "Washington Post", dass dies allerdings kaum zu verhindern sei. Den Favela-Bewohnern bliebe häufig keine andere Möglichkeit, da es an einem flächendeckenden Klärsystem fehle, ebenso aber am Bewusstsein für das Problem. Muniz sprach von einer "langfristigen Herausforderung", die mit einem "Kulturwandel" einher gehe.

Schmutz nicht das einzige Problem

Eine anonyme Sprecherin des städtischen Umweltministeriums wies gegenüber der "Washington Post" allerdings auch darauf hin, dass mangelnde Effizienz innerhalb der Behörde ebenso erheblich zum andauernden Missstand beigetragen habe. Für den Ozeanologen David Zee von der staatlichen Universität Rio de Janeiro ist das ein enttäuschender Umstand. Da die Wasserqualität einer Stadt ein wichtiger Indikator für "öffentliche Gesundheit" sei, habe Rio in dieser Hinsicht "versagt," , sagte Zee gegenüber der "Post".

Für die deutschen Kanu- und Rudersportler ist der Schmutz im Lagunenwasser zudem nicht das einzige Problem. Obendrein haben die Athleten auch mit unterschiedlichen Wassertiefen und wildem Pflanzenwuchs zu kämpfen, wie Testwettkämpfe im Olympia-Vorfeld gezeigt hatten. "Wer eine Schlingpflanze erwischt, ist zum Verlieren verurteilt. Das ist ein ganz ekliges Gras, beim Testwettkampf sind mehrere Gräser in die Steuer gekommen und haben die Athleten beeinträchtigt", berichtete Bundestrainer Kießler: "Es wird ganz schwierig, hier reguläre Bedingungen herzustellen."

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