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Wirtschaft

Rubelverfall - wen wundert's?

Der Rubel ist unter Druck, weil Investitionskapital abfließt und weil die Ölpreise sinken. Zum größten Teil aber ist die Krise hausgemacht, meint Rolf Wenkel aus der Wirtschaftsredaktion.

Der russische Rubel steht nicht erst seit heute unter Druck - seit Anfang des Jahres hat die russische Landeswährung gegenüber dem Euro und dem Dollar gut 30 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Viele Beobachter verorten der Verfall des Rubels noch viel früher. Russland war - wie einige andere Schwellenländer auch - nicht gut vorbereitet auf die Ankündigung der Federal Reserve in den USA, die ultralockere Geldpolitik schrittweise einzustellen.

Die Folge war ein massiver Abfluss von ausländischem Investitionskapital aus den Schwellenländern. Dort war es wegen der niedrigen Zinsen in den westlichen Industrieländern vorübergehend investiert, weil es dort die höheren Wachstumsraten und die höheren Zinsen gab. Insbesondere Brasilien und Russland leiden unter diesem Kapitalabfluss, weil sie die Zeit, in der die Schwellenländer als die Retter aus der globalen Krise galten, nicht für strukturelle Reformen genutzt haben.

Für Russland, das sich hauptsächlich mit dem Verkauf fossiler Rohstoffe über Wasser hält, kommt erschwerend hinzu, dass die USA durch die Fracking-Methoden vom Öl- und Gas-Importeur zum Nettoexporteur aufstiegen sind und damit einen massiven Preisverfall ausgelöst haben, unter dem besonders Russland leidet.

Nun rächt sich, dass sich Wladimir Putin ausschließlich auf einige Oligarchen aus der Energie- und der Rüstungsindustrie verlässt, die ihm politisch genehm sind. Er hat es seit Jahrzehnten versäumt, der Wirtschaft in Russland ein strammes Rückgrat einzuziehen, das man hierzulande "Mittelstand" nennt und dessen Wirtschaftskraft geeignet wäre, als Puffer gegen externe Schocks und westliche Sanktionen zu wirken.

Im Gegenteil - im Westen verdichtet sich der Eindruck: Wer in Russland erfolgreich ist und Geld verdient, dessen Nase aber dem russischen Präsidenten nicht gefällt, der muss sich plötzlich vor der Justiz mit absurden Anklagen herumschlagen. Jedenfalls sprechen Beobachter von einer systematischen und gravierenden Rechtsunsicherheit in Russland, die Wachstum und Investitionen verhindert und Arbeitsplätze gar nicht erst entstehen lässt.

So gesehen, ist der Verfall des Rubels nur zum Teil äußeren Umständen zu verdanken und auch nur zum Teil durch die Sanktionen des Westens ausgelöst worden. Er ist vielmehr hausgemacht. Er ist Ausdruck einer ungesunden Abhängigkeit der gesamten Volkswirtschaft von einigen Rüstungs- und Energiekonzernen, einer investitionsfeindlichen Rechtsunsicherheit und nicht zuletzt das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse in Sachen Strukturreformen und Mittelstandsförderung.

Da mag Putin vom APEC-Gipfel im fernen Peking aus verbal intervenieren so viel er will - helfen wird es nur eine Weile. Die russische Zentralbank jedenfalls hat den Kampf schon aufgegeben, nachdem ihre Devisenreserven zur Stützung des Rubelkurses von 511 Milliarden Dollar am Anfang des Jahres auf 429 Milliarden abgeschmolzen sind. Notenbankchefin Elwira Nabiullina lässt den Rubel frei schwanken, will aber angeblich in Notfällen gezielt eingreifen. Ob das auf Dauer Wirkung zeigt, darauf würde ich nicht wetten.