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Afrika

Ruandas Suche nach alternativer Energie

Afrika hungert nach Energie. In Ländern wie Ruanda, die Öl importieren müssen, rollen jeden Tag Hunderte Tanklaster vom Hafen am indischen Ozean an. Das soll sich ändern: Ruanda entwickelt alternative Energiequellen.

Kivu See (Bild: DW)

Stilles Wasser mit viel Tiefgang: Der Kivu See

Eine kleine Plattform auf dem Kivu-See in Ruanda: Überall knattern Pumpen. Der Ingenieur Alex Kabuto betritt einen kleinen Containerraum: Die Kontrollstation mit Computerbildschirmen. Eine deutsche Firma hat die Technik zur Verfügung gestellt. Von dieser Anlage aus wird ein kostbarer Schatz aus den Tiefen des Sees geborgen: Methangas. Denn dort unten ist Methan unter Druck im Wasser gelöst, ähnlich wie Gas in einer Sprudelflasche. Woher das Gas stammt, wissen Forscher noch immer nicht. Sie vermuten, von den Vulkanen, die sich am Nordufer des Sees erheben.

Die Wissenschaftler fürchten den sogenannten Champagner-Effekt. Denn lässt der Druck nach, könnte das Gas mit einer gewaltigen Eruption aus dem See herausquillen - wie bei einer Sektflasche, die zu sehr geschüttelt wurde, erklärt Kabuto. Die Regierung habe entschieden, das Gas aus dem See zu pumpen, sagt er. Die Menge des Gases nehme konstant zu. "Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass in 100 oder 500 Jahren die Sättigungsgrenze erreicht ist. Dann wird die Situation gefährlich. Wir haben das in Kamerun bei einem See gesehen. Er ist einfach explodiert, und viele Menschen und Tiere starben."

Enormes Potenzial

Wie ein Strohhalm ragt ein Rohr von der Plattform aus in die Tiefe. Dadurch sprudelt das Gas nach oben. Dann wird es durch eine Pipeline ans Ufer gepumpt. Dort stehen in einer Lagerhalle drei Stromgeneratoren aus deutscher Herstellung. 3,6 Megawatt Strom produziert die Anlage derzeit. Dies sei ja nur ein Versuchsprojekt, erklärt Kabuto. Das Gas im See habe das Potenzial, insgesamt 700 Megawatt Strom zu produzieren, sagt Kabuto. "Das ist viel mehr als Ruanda benötigt. Unser Ziel ist es, soviel Energie zu erzeugen, dass wir Strom exportieren können. Ruanda kann zu einem attraktiven Land für Investoren werden, wenn wir genügend Strom zur Verfügung haben, der dazu auch noch billig ist."

Bauboom in Kigali

Kigali (Bild: James Nzibavuga)

Alles neu in Kigali

In Ruandas Hauptstadt Kigali wird derzeit überall gebaut. Die Regierung hat ehrgeizige Pläne, das Land für Investoren attraktiv zu machen. Aber dazu braucht Ruanda Strom. Bislang verfügen nur zehn Prozent der Haushalte über eine Glühbirne. Das Problem: Ruanda hat nur wenige Energie-Ressourcen. Rund elf Megawatt Strom werden aus Wasserkraft gewonnen. Den Hauptteil des Stroms liefern Dieselgeneratoren. Doch dazu muss jeder Tropfen Diesel aus Übersee angeliefert werden - das ist teuer und belastet die Umwelt.

Solarenergie als Pilotprojekt

Solaranlage (Bild: Simone Schlindwein)

Ruandische Solaranlage

Der deutsche Umwelttechniker Anthony Simm besteigt einen der höchsten Berge Ruandas. Denn dort oben, hinter einem Eisentor, steht die bislang größte Solaranlage Afrikas. Eigentlich muss er die Stromzähler gar nicht ablesen. Die Daten werden per E-Mail an Simm geschickt. 250 Kilowatt produzieren die 4000 Solarpanels, die sich hier oben der Sonne entgegenneigen. Das ist nicht viel im Vergleich zu den ehrgeizigen Bedürfnissen Ruandas. Doch dies sei erst der Anfang, erklärt Simm. Die Anlage gehört den Stadtwerken Mainz. Die Rheinland-Pfälzer pflegen seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft mit Ruanda. Entstanden ist die Idee 2004, als eine große Trockenheit über ganz Ostafrika hereinbrach. Die Flüsse und die Kraftwerksstaudämme liefen leer und konnten kaum noch Strom liefern.

Langfristig wollen die Mainzer Stadtwerke das Solarprojekt in Ruanda auf ein Megawatt ausbauen. Eine Million Euro hat Mainz bereits investiert, drei weitere Millionen werden benötigt. Profit erwirtschaften, das war nicht in erster Linie die Idee dieses Projektes. Dazu sei Solarstrom immer noch zu teuer, sagt Simm. Doch für ihn ist Sonnenenergie für Afrika noch immer die beste aller Ressourcen.

Autorin: Simone Schlindwein
Redaktion: Christine Harjes