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Zum Ende des Heiligen Jahres

Ruandas Kirche entschuldigt sich für Völkermord

Zum ersten Mal entschuldigt sich die katholische Kirche für die Rolle von einzelnen Katholiken beim Völkermord von 1994 in Ruanda. Es ist aber kein Schuldeingeständnis der Institution. Die Reaktionen sind gemischt.

Ruanda Erinnerung an Völkermord, Kirche (Getty Images/C. Somodevilla)

In der Ntamara-Kirche in Nyamata erinnert die Kleidung an die Opfer des Massakers in der Kirche (Archivbild)

Katholiken hätten Unschuldige getötet, heißt es in einer Erklärung, die alle neun Bischöfe des ostafrikanischen Landes unterschrieben haben. Kirchenmitglieder, auch Geistliche, hätten den Völkermord entweder mitgeplant, unterstützt oder mit ausgeführt. Wie die ruandische Tageszeitung "New Times" berichtet, wurde die Erklärung am Sonntag landesweit in katholischen Kirchen verlesen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Philippe Rukamba von Butare, sagte zum Ende des Heiligen Jahres, diese Menschen hätten eine "schwerwiegende Sünde gegen die Menschlichkeit begangen". Eine generelle Beteiligung der Kirche an dem Massenmord wies er aber zurück. "Wir wissen, dass Kirchenmitglieder eine Rolle beim Völkermord spielten. Jedoch stimmen wir nicht zu, dass die [Institution] Kirche selbst eine Rolle im Genozid spielte."

In Kirchen versteckt und dort ermordet

Während des Völkermords 1994 in Ruanda wurden binnen drei Monaten bis zu 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu von Hutu-Milizen ermordet. Dass die Bischöfe eine Schuld als Institution bestreiten, ist mindestens umstritten. Der katholischen Kirche in Ruanda wird seit langem vorgeworfen, radikale Hutu bei deren Massenmord unterstützt zu haben. Viele Menschen wurden in Gotteshäusern umgebracht, in die sie sich geflüchtet hatten. Priester kollaborierten mit Hutu-Extremisten, auch auf Führungsebene. 

Mehrere Priester wurden zudem nach Ende des Völkermords nach Europa ausgeflogen, um dort - teils unter falschem Namen - weiter zu arbeiten. Menschenrechtler haben dem Vatikan in diesem Zusammenhang vorgeworfen, die Strafverfolgung der mutmaßlichen Völkermörder zu behindern.

Ruanda Erinnerung an Völkermord, Kirche (Getty Images/C. Somodevilla)

Werkzeuge, Macheten, eine Kanonenkugel - Gegenstände, mit denen Menschen getötet wurden (Archivbild)

Die Entschuldigung der Kirche wurde in Ruanda überwiegend wohlwollend aufgenommen. "Es ist ein positiver Schritt, dass die Kirchenführer vereint auftreten und sich entschuldigen", zitiert die Zeitung den Vorsitzenden von Ruandas "Kommission gegen Völkermord" (CNLG), Jean-Damascene Bizimana. Er lobte den Einsatz der Kirche, die heute vor allem in den sozialen und in traditionellen Medien gegen Hassrede eintrete.

Überfällig und ein Schritt in die richtige Richtung

Der Opferverein IBUKA ("Erinnerung") habe die Nachricht mit überwältigender Freude aufgenommen, sagte dessen Präsident Jean-Pierre Dusingizemungu. Die Entschuldigung unterstütze Ruanda bei der Nationenbildung. Wenngleich ein Schritt in die richtige Richtung, sei dieser "längst überfällig" gewesen. "Einige Priester und andere Kirchenleute dachten, sie seien geschützt, da die Kirche bislang schwieg. Das ist nun vorbei."

Auch eine Überlebende des Genozids, Grace Isimbi, fragt sich, warum es 22 Jahre bis zu dieser Entschuldigung gedauert hat. "Sie haben ihre Rolle im Genozid bestritten", sagte sie der Deutschen Welle. Sie sagte außerdem, dass die Erklärung entgegen der Ankündigung nicht in allen Kirchen verlesen wurde.

Dem ehemaligen Bischof John Ndolimana reicht die bisherige Entschuldigung nicht aus. Die Kirche sollte nach seiner Ansicht noch einen Schritt weiter gehen. Sie sollte sich demnach für all die Jahre entschuldigen, in denen sie die behindert habe, die die Wahrheit über den Völkermord aussprechen wollten.

ust/uh (epd, kna, ap, newtimes.co.rw, Deutsche Welle)