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Aktuell Afrika

Ruanda trauert um Völkermordopfer

Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert Ruanda an den Massenmord, der heute vor 20 Jahren begann. Hunderttausende Menschen waren getötet worden. Überschattet wird die Gedenkfeier von Verstimmungen mit Frankreich.

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Ruanda: Gedenken an den Völkermord

An der offiziellen Gedenkfeier in Kigali nimmt unter anderem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (siehe Artikelbild) teil. Er rief die Weltgemeinschaft dazu auf, aus den Fehlern von Ruanda zu lernen, und zog Parallelen zu den gegenwärtigen Krisen in der Zentralafrikanischen Republik und in Syrien. Die Welt müsse Ihrer Verpflichtung nachkommen, Opfer von Gewalt in anderen Ländern zu schützen, sagte Ban.

Am Genozid-Denkmal entzündete Ruandas Präsident Kagame eine Flamme , die hundert Tage brennen soll - so lange, wie das brutale Töten 1994 dauerte, das vor genau 20 Jahren seinen Anfang genommen hatte. Zudem hat in Ruanda eine einwöchige offizielle Trauerzeit begonnen, während der keine öffentlichen Veranstaltungen, Hochzeiten oder Feiern erlaubt sind.

Zu der Trauerfeier kamen in Kigali etwa 30.000 Menschen zusammen (Foto: Reuters)

Zu der Trauerfeier kamen in Kigali etwa 30.000 Menschen zusammen

Frankreich ist anders, als ursprünglich geplant, nicht an der Gedenkveranstaltung im ostafrikanischen Ruanda vertreten. Im Streit über eine Mitschuld Frankreichs am Völkermord wurde der französische Botschafter Michel Flesch wieder ausgeladen. Er habe in einem Anruf mitgeteilt bekommen, dass er für die Veranstaltung nicht mehr akkreditiert sei. Darüber, so der Botschafter, sei er sehr enttäuscht.

Ruandas Präsident Paul Kagame hatte Frankreich am Wochenende erneut eine Mitschuld an dem Völkermord vorgeworfen. Frankreich sagte daraufhin die geplante Teilnahme von Justizministerin Christiane Taubira an der Gedenkfeier ab. Am Sonntagabend hieß es dann aus Paris, Botschafter Flesch werde Frankreich bei der Zeremonie vertreten.

Harsche Kritik in Richtung Paris

Kagame hatte Frankreich und Belgien in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift "Jeune Afrique" vorgeworfen, bei der "politischen Vorbereitung" der Massenmorde 1994 eine "direkte Rolle" gespielt zu haben. Französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in der früheren belgischen Kolonie stationiert waren, seien "Akteure" und "Komplizen" bei den Massakern gewesen.

Ein ruandischer Untersuchungsbericht kam 2008 zu dem Schluss, dass das französische Militär die für die Massaker verantwortlichen Milizen ausgebildet habe. Einige französische Soldaten sollen demnach sogar selbst gemordet haben.

Die französische Regierung weist derartige Vorwürfe seit jeher zurück. Allerdings hatte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Versöhnungsbesuch in Ruanda 2010 "schwere Fehleinschätzungen" eingeräumt. Frankreich und die internationale Gemeinschaft hätten nicht genug unternommen, "dieses abscheuliche Verbrechen zu verhindern und aufzuhalten".

Belgiens Außenminister Didier Reynders hatte angekündigt, ungeachtet der Äußerungen Kagames nach Kigali zu reisen. Ziel sei es, den Opfern Anerkennung zu zollen und nicht einem Präsidenten und dessen Regierung.

Obama und der Papst mahnen

Am Vorabend der offiziellen Gedenkveranstaltung erinnerte US-Präsident Barack Obama in Washington an die Opfer des Völkermordes. In einer Erklärung rief er dazu auf, statt Hass Mitgefühl walten zu lassen. Die Massaker in Ruanda hätten das Gewissen der Welt erschüttert. Sie seien weder ein Unfall noch unvermeidlich gewesen, sondern ein "vorsätzlicher und systematischer" Akt der Zerstörung von Menschen durch Menschen.

Auch Papst Franziskus hatte die Menschen in Ruanda am Sonntag aufgefordert, den eingeschlagenen Weg der Versöhnung "entschlossen, hoffnungsvoll und ohne Furcht" fortzusetzen. Vor Zehntausenden von Gläubigen sagte der Papst auf dem Petersplatz in Rom, es gehe um einen menschlichen und geistigen Aufbau des Landes. Die Vorurteile und ethnischen Spaltungen müssten überwunden werden.

Der Völkermord in Ruanda gilt bis heute als eines der schlimmsten Verbrechen der jüngeren Geschichte. Fast 800.000 Menschen fielen dem Morden zum Opfer. Die meisten Opfer des Völkermords waren Angehörige der Bevölkerungsminderheit der Tutsi, die von der Mehrheit der Hutu umgebracht wurden.

Die dominierende Bevölkerungsgruppe der Hutu hatte nach dem tödlichen Anschlag auf Präsident Juvenal Habyarimana am 6. April 1994 einen wochenlangen Rachefeldzug gegen die Tutsi gestartet. Erst Mitte Juli gelang es einer von Kagame geführten Tutsi-Rebellenarmee, dem Morden ein Ende zu setzen. Wer für das Attentat auf Habyarimana verantwortlich war, ist bis heute nicht geklärt.

cw/kis (dpa, afp, reuters)

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