1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Royal und Sarkozy lieferten sich lebhafte TV-Debatte

Mit einer offensiven Sozialistin Ségolène Royal im Fernsehduell gegen den konservativen Nicolas Sarkozy hat Frankreichs Wahlkampf um das Präsidentenamt seinen Höhepunkt erreicht. Am Sonntag ist die Stichwahl.

Segolene Royal und Nicolas Sarkozy schütteln sich die Hände, Quelle: AP

45 Millionen Wählen müssen sich entscheiden

Vier Tage vor der französischen Präsidentenwahl haben sich die Sozialistin Ségolène Royal und der konservative Nicolas Sarkozy in einem Fernsehduell einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Royal warf dem früheren Innenminister am Mittwoch (2.5.07) einen "Gipfel an politischer Immoralität" bei der Behandlung von Behinderten vor, woraufhin Sarkozy der Rivalin vorhielt, "die Nerven zu verlieren". In der mehr als zweieinhalbstündigen Fernsehdebatte vor vielen Millionen Zuschauern gerieten die beiden Kandidaten für die Nachfolge von Jacques Chirac wiederholt massiv aneinander.

Beide aggressiv

Nicolas Sarkozy, Quelle: AP

Nicolas Sarkozy liegt in den Umfragen vorn

Die offensive, in den Umfragen zurückliegende Sozialistin griff Sarkozy vor allem bei den Themen der inneren Sicherheit, der Arbeitsmarktpolitik, der Zahl der Staatsbediensteten und der Sozialpolitik an. Sie warf ihm vor allem fehlende Glaubwürdigkeit vor, weil Sarkozy seit 2002 der konservativen Regierung angehört hat.

Kampf ums Rederecht

Sarkozy seinerseits vermisste bei der Rivalin Präzision in den Aussagen. "Wenn Sie von allem gleichzeitig reden, werden wir nichts vertiefen können", kritisierte er. "Würden Sie mir wohl bitte die Verantwortung für das überlassen, was ich sage", entgegnete ihm Royal. Sie forderte Sarkozy strikt auf, sie ausreden zu lassen.

Royal machte den ehemaligen Innenminister trotz seiner seit 2002 propagierten "Null-Toleranz"-Politik mitverantwortlich für die nach ihrer Einschätzung negativen Bilanz der Regierung im Kampf gegen Gewalt. Sarkozy dagegen verwies auf zehn Prozent weniger Kriminalität in den vergangenen fünf Jahren.

Thema 35-Stunden-Woche

Ségolène Royal, Quelle: AP

Ségolène Royal trug zur Abwechslung mal kein weißes Jacket

Während Royal die von der früheren linken Regierung unter Lionel Jospin eingeführte 35-Stunden-Woche als eine "wichtige soziale Errungenschaft" verteidigte, nannte Sarkozy diese Arbeitszeitverkürzung eine allgemeine Katastrophe für die Wirtschaft.

Mit der Stichwahl am kommenden Sonntag in Sichtweite wollten beide Kandidaten die Millionen noch unentschlossenen Wähler auf ihre Seite ziehen. Alle Umfragen seit der ersten Wahlrunde am 22. April sahen den ehemaligen Innenminister vorn. Chiracs Nachfolger wird für fünf Jahre gewählt.

Stichwahl am Sonntag

Nach einer Los-Entscheidung eröffnete Sarkozy das TV-Duell, Royal beendete das traditionelle Aufeinandertreffen der Bewerber vor der Stichwahl an diesem Sonntag (6.5.07). Internationale Fragen folgten erst ganz am Schluss. Nur 2002 hatte es vor der Wahl kein TV-Duell gegeben, weil Chirac nicht mit dem rechtsextremen Rivalen Jean-Marie Le Pen diskutieren wollte.

Sarkozy hatte die Bedeutung des TV-Duells mit Royal vor dem Auftritt heruntergespielt. "Ich glaube nicht, dass die Franzosen nur nach dem Eindruck einer zweistündigen Debatte einen Präsidenten für fünf Jahre wählen", sagte er im Rundfunk. Dagegen meinte der Chef der Sozialistischen Partei (PS), Francois Hollande, es handele sich um die wichtigste Debatte seit 1981, als Francois Mitterrand wertvolle Punkte für den Sieg über Valery Giscard d'Estaing verbuchen konnte.

Presse: Es gibt keinen Sieger

Die französische Presse hat keinen klaren Sieger für das TV-Duell ausgemacht. "Nicolas Sarkozy hat nicht verloren. Ségolène Royal hat aber gewonnen", meint die linksliberale "Liberation" am Donnerstag nach dem Schlagabtausch. Der konservative "Figaro" schreibt nach der mehr als zweieinhalbstündigen Debatte des
Vorabends: "Sarkozy hat sich, präzise und selbstsicher, nicht zu
einem Übermaß an Selbstzufriedenheit hinreißen lassen. Oft unklar,
manchmal aggressiv, hat Royal keinen gravierenden Fehler begangen."

"Keiner der beiden Kandidaten hat den anderen verschlungen, es gab
aber ernsthaften Prankenschläge", schreibt "La Republique du Centre" über das Fernsehduell. «In jedem Lager wird man seinen Sieger wiedergefunden haben", zieht "La Presse de la Manche" Bilanz, die Debatte habe es ermöglicht, "das Temperament der beiden Protagonisten etwas besser entdecken zu können". Die Zeitung "Ouest France" vergibt die besseren Noten an Sarkozy, der genauer und solider aufgetreten sei, während Royal noch an Glaubwürdigkeit zulegen müsste. Mehrere Blätter betonen, wie sehr sich Sarkozy zurückgehalten habe. (kas)

Die Redaktion empfiehlt