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Politik

Roves gemischte Bilanz

Karl Rove war einer der einflussreichsten Präsidentenberater der US-Geschichte. Jetzt trat er zurück - ohne sein größtes Ziel, eine Ära republikanischer Dominanz zu schaffen, erreicht zu haben, meint Michael Knigge.

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Das Gehirn, der Architekt, Meister der Strategie, das Genie. Dies sind nur einige der Bezeichnungen, die versuchen, Karl Roves Rolle im Weißen Haus adäquat zu beschreiben. Sein offizieller Titel lautete "stellvertretender Stabschef und Berater des Präsidenten", doch sein Einfluss auf die Politik von Präsident George W. Bush dürfte kaum zu überschätzen sein.

Michael Knigge, Leiter der deutschen Online-Redaktion

Michael Knigge, Leiter der deutschen Online-Redaktion

Die republikanischen Wahlsiege der Jahre 2000 und 2004 sind im Wesentlichen auf die Strategie von Karl Rove zurückzuführen. Sie besagte, dass die Präsidentschaft für die Republikaner nicht über eine Ausrichtung nach der politischen Mitte zu gewinnen sei. Stattdessen musste der Kandidat George W. Bush dafür sorgen, den Block der Kernwähler der Partei möglichst komplett an die Urnen zu bekommen.

Neue Strategie

Der Bruch mit der klassischen Strategie, dass die Wahl im Kampf um die politische Mitte entschieden wird, zahlte sich aus. Die verlässliche Basis der Partei - Evangelikale und Konservative - sorgte für die Grundlage der Wahlsiege. Zugleich setzen Bush und Rove konsequent auf eine Kampagne um die Werte der Gesellschaft. Mit dieser Form von Wahlkampf, Stichwort "compassionate conservatism“, verpassten sie nicht nur der Grand Old Party eine Verjüngungskur, sondern trafen auch den Nerv der Zeit. Das Ergebnis: Viele nicht Partei gebundene Wähler gaben ihre Stimme den Republikanern.

Rove fuhr für seine Partei nicht einfach Wahlsiege ein, sondern demoralisierte die Demokraten. Unter Roves strategischer Führung gelangen den Republikaner einige historische Wahlsiege: 2002 gewann die Partei des Präsidenten zum ersten Mal seit 1934 in beiden Kammern des Kongresses Stimmen hinzu. 2004 wurde nicht nur Präsident Bush wieder gewählt, sondern die Präsidentenpartei erzielte zum zweiten Mal in der Geschichte in beiden Kammern des Kongresses Stimmengewinne.

Historischer Umschwung

Doch Karl Rove hatte ein viel bedeutenderes Ziel im Visier: Er gilt als großer Bewunderer von William McKinley, dessen Sieg im Präsidentschaftswahlkampf 1896 über William Jennings Bryan eine Ära republikanischer Vorherrschaft einläutete. Eine dauerhafte republikanische Dominanz zu Beginn des 21. Jahrhunderts war Roves wahrer Antrieb. Ob er dieses Ziel erreichen wird, erscheint derzeit sehr fraglich.

Das zeigt nicht nur die Niederlage der Republikaner bei der vergangenen Kongresswahl, sondern auch die Tatsache, dass die aktuellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit Ausnahme von Mitt Romney sich wieder verstärkt dem Kampf um die politische Mitte widmen, statt die Evangelikalen um sich zu scharen. Denn inzwischen wünscht sich die Mehrheit der Amerikaner einen politischen Richtungswechsel und einen Kandidaten, der die tief zerstrittenen Lager versöhnt.

Ironischerweise setzen inzwischen eher die Demokraten auf Roves Strategien. Im Gegensatz zu den Republikanern tobt hier der Kampf um die aktive Kernwählerschaft der Partei, die deutlich weiter links angesiedelt ist als die Mehrheit der demokratischen Wähler.