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Sprachbar

Rotwelsches

Wer nicht will, dass ihn jeder versteht, braucht am besten eine eigene Sprache – wie das Rotwelsche, die Sprache der Diebe und Gauner. Besonders gut waren sie natürlich darin, sich Begriffe für "Geld" auszudenken.‎

"Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Wer hat so viel 'Pinkepinke', wer hat das bestellt?" – der Refrain eines Karnevalsliedes. Dass "Pinkepinke" ein anderes Wort für Geld ist, erklärt sich in diesem Zusammenhang von selbst. Populärer und in der Umgangssprache häufiger zu hören ist das Wort "Moos", wie in dem Spruch "Ohne Moos nix los". "Zaster", "Kies" und "Schotter" sind ebenfalls Ausdrücke für Geld.

Von Kies bis Zaster

Bei "Pinkepinke" mag man sich das Geräusch klimpernder Münzen vorstellen, somit wäre es also ein lautmalerisches Wort. Aber was ist mit "Moos", "Kies", "Schotter" oder "Zaster"? Schotter ist zerkleinertes Gestein. Kiesel sind ebenfalls kleine Steine. Da liegt es nahe, an Kleingeld zu denken.

Woher das Wort "Moos" kommt, weiß man nicht genau. Möglicherweise leitet es sich vom hebräischen Wort "ma'oth" her, was in etwa "Pfennige" bedeutet. "Zaster" hat sprachgeschichtlich seinen Ursprung im Indischen. Der Ausdruck "Sastra" stand im Altindischen für "Wurfgeschoss" – wer weiß, vielleicht weil die Menschen damals bei festlichen Anlässen mit Geld um sich warfen?

Stets auf der Hut

Alle bisher genannten Ausdrücke für "Geld" stammen aus der so genannten Gaunersprache – dem Rotwelschen. Dieses Wort gibt es schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Was man darunter versteht? "Rot" war so eine Art Sammelbegriff für das fahrende Volk, für Spielleute, Gaukler, aber auch für Bettler, Hausierer, Tagediebe und eben für Gauner.

"Rot" waren die am Rande der Gesellschaft Stehenden. Es waren die, die stets auf der Hut sein mussten, die sich mitunter versteckten und die "Welsch" sprachen, denn niemand sonst sollte verstehen, was sie sagten. Als "welsch" galten im Mittelalter die romanischen Sprachen und jede Art von unverständlicher Sprache oder Redeweise.

Nur für Eingeweihte

Die Gaunersprache ist ein seltsames Gemisch aus verschiedenen Sprachen. "Kauderwelsch" sagen wir heute noch, wenn jemand unverständliches "Zeug" redet. Das Wort kommt vom rotwelschen "kaudern", was so viel wie "Zwischenhandel treiben" bedeutet. Welsche Geldwechsler und Zwischenhändler – beispielsweise aus der Lombardei – wurden im Mittelalter als "kauderwelsche Lamparter" bezeichnet. Ihre Sprache war "Kauderwelsch".

Wer nicht erwischt werden will, muss vorsichtig sein und aufpassen, was er sagt. Da ist es gut, wenn man eine eigene Sprache hat, die kein "anständiger Bürger" versteht. Dass "Trittling" Schuh bedeutet, "Windfang" Mantel heißt und das rotwelsche Wort für Landpolizist "Spinatwächter" ist, das konnten eben nur Eingeweihte wissen.

Zu Knast verdonnert

Wenn so ein rotwelscher Gauner erwischt und vor den Amtsrichter gebracht wurde, so stand er vor dem "Donnergott", der ihn, wenn er "Massel" hatte, zu einer milden Strafe "verdonnerte". "Massel" heißt in der Gaunersprache "Glück". Unser heutiges "vermasseln", also etwas falsch machen, hieße demnach wörtlich übersetzt in etwa "das Glück verderben". Ebenfalls den gleichen Ursprung hat das Wort "Schlamassel", das so viel bedeutet wie "schwieriges Durcheinander" und auch heute noch oft gebraucht wird – besonders von denen, die "im Schlamassel stecken".

Die meisten Ausdrücke aus der Gaunersprache sind längst verschwunden – "verschütt gegangen". Erstaunlich aber ist, wie viele Begriffe in der Umgangssprache erhalten geblieben sind: "Knast" für Gefängnis, "sich was pumpen" für "sich etwas Geld leihen" oder "Kluft" für Kleidung. Wer weiß schon, dass hier das Rotwelsche immer noch gegenwärtig ist …

Autor: Michael Utz

Redaktion: Barbara Syring

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