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Asien

Rothemden weiter in Proteststimmung

Der Ausnahmezustand hat Thailands Rothemden nicht von Demonstrationen abgehalten. Jetzt wurde er aufgehoben. Ersetzt durch ein "internes Sicherheitsgesetz", kann er jederzeit wieder eingeführt werden.

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Die Rothemden demonstrieren wieder

Seit Monaten sind sie wieder auf den Straßen – Thailands Rothemden haben sich neu formiert. Die rote Bewegung besteht nun aus mehreren kleinen Gruppierungen, die alle ihre eigene Dynamik entwickelt haben. Eine davon hat der Aktivist Sombat Boonngamanong initiiert: An den sogenannten „Roten Sonntagen“ erinnern er und seine Unterstützer mit einer Art Straßentheater und mit Liedern an die Toten und Verletzten vom April und Mai. Wobei die Menschen längst wachgerüttelt seien, sagt Sombat. "Die Rothemden sollten die Bewegung für die Zukunft neu aufstellen, indem sie viele kleine Organisationen etablieren. Und danach sollten wieder neue Anführer ernannt werden."

Demonstration der Rothemden

Phayao Akkahad will Gerechtigkeit für ihre tote Tochter

Die meisten führenden Köpfe der Roten sind, bis auf wenige Ausnahmen, entweder in Haft oder untergetaucht. Die "Vereinigte Front für Demokratie gegen Diktatur" (UDD), unter deren Banner die Rothemden im Frühjahr den Rücktritt von Premier Abhisit Vejjajiva gefordert hatten, existierte zwischenzeitlich nicht mehr.

Die Auferstehung der "UDD"

Jetzt hat sich die UDD neu formiert – und eine Frau zu ihrer Vorsitzenden gekürt: Thida Thavornseth, die Ehefrau eines der inhaftierten roten Anführer, der - wie andere Mitstreiter auch - möglicherweise bald auf Kaution freikommen könnte. Ihr Mann, der Arzt Weng Tojirakarn, hatte schon zu Studentenzeiten während der 1970er Jahre gegen das Militär demonstriert. Ehefrau Thida ist ebenfalls eine Langzeitaktivistin, auch wenn sie öffentlich kaum in Erscheinung getreten ist. Sie will friedliche Demonstrationen, doch damit spricht sie längst nicht für alle Rothemden. "Die jetzige Situation könnte manche auf den Gedanken bringen, dass friedliche Proteste zu nichts führen und dass es andere Wege geben müsse", räumt sie ein.

Auch gibt es unter den Rothemden solche, die mittlerweile ganz offen und höchst aggressiv die Monarchie und das mit dem Palast verbundene, konservative Netzwerk aus Kronräten, Militärs, Technokraten und Politikern kritisieren – trotz der drakonischen Gesetze gegen Majestätsbeleidigung.

Weiter Weg zur nationalen Versöhnung

Von nationaler Versöhnung ist weiterhin wenig zu spüren. Das liegt auch daran, dass offiziell immer noch nicht geklärt ist, wer im Einzelnen für die mindestens 91 Toten und fast 2.000 Verletzten vom Frühjahr verantwortlich ist. Vor kurzem sickerten Dokumente der Sonderermittlungseinheit DSI an die Öffentlichkeit durch, nach denen Thailands Militär möglicherweise weitaus stärker an der Ermordung von Zivilisten beteiligt gewesen war, als es die Regierung zugeben mag.

Demnach hatten Soldaten am 19. Mai nach der Stürmung des roten Camps an der Ratchaprasong-Kreuzung von der Bangkoker Hochbahn aus in den nahegelegenen Tempel "Pathum Wanaram" geschossen und dabei Zivilisten getötet. Regierung und Armee weisen das strikt von sich oder verweisen darauf, dass noch nichts endgültig bewiesen sei. Die Sonderermittlungseinheit DSI hatte im November erklärt, dass zwölf von achtzehn bislang untersuchten Todesfällen auf das Konto militanter Rothemden gingen. Die Todesumstände der übrigen sechs Opfer seien unklar. Zu den neusten Vorwürfen hält sich das DSI bedeckt.

Angehörige fordern Aufklärung

Den Autoritäten glaubt Phayao Akkahad, die Mutter einer im Tempel getöteten Krankenschwester, ohnehin kein Wort. "Das DSI, das diese Untersuchungen durchführt, hat ja von den anderen Autoritäten keine Informationen bekommen", kritisiert sie. "Es wird stets behauptet, dass Soldaten keine Menschen getötet haben. Vielleicht wird die Wahrheit nie ans Licht kommen."

Wie es genau mit der roten Opposition weiter geht, ist unklar. Alle Gruppen versichern, sie würden keineswegs miteinander konkurrieren, sondern gemeinsame Ziele verfolgen: Aufklärung der Gewalt vom Frühjahr, Demokratie und die Freilassung aller inhaftierten Anführer und Anhänger. Beschlossen haben die Rothemden, dass sie fortan regelmäßig an zwei bestimmten Tagen im Monat demonstrieren werden – um die Erinnerung an den wohl blutigsten Konflikt in Thailands jüngerer Geschichte wach zu halten.

Autorin: Nicola Glass

Redaktion: Silke Ballweg