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Deutschland

Roth und Özdemir wiedergewählt

Bei ihrem Parteitag in Hannover haben die Grünen ihren Bundesvorstand gewählt. An der Spitze wurden Claudia Roth und Cem Özdemir mit großer Mehrheit als Parteivorsitzende bestätigt.

Mit besonderer Spannung war die Wahl von Claudia Roth erwartet worden. Sie war vor einer Woche bei der Urwahl zu den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bei der Basis durchgefallen. Mit nur 26 Prozent der Stimmen landete die als Favoritin gehandelte 57-jährige nur auf dem vierten Platz. Diese Niederlage habe sie als "schlimme Klatsche“ erlebt, sagte sie nach der Wahl enttäuscht und zog auch einen Rücktritt in Erwägung.

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Grünen-Parteitag bestätigt Führungsduo

Vor dem Wahlgang wirkte die sonst so fröhliche und meist in knallig bunte Kleider gehüllte Politikerin angespannt und bedrückt. Doch dann brachte sie die rund 800 Delegierten im großen Saal des Kongresszentrums von Hannover mit einer mitreißenden, temperamentvollen und engagierten Rede hinter sich. Sie habe nach der Urwahl schwere Stunden verlebt, bekannte sie, doch nun sei die Trauerzeit vorbei. "Ihr müsst mir beantworten, ob das Vertrauen noch da ist“, rief sie der Parteibasis zu. "„Ihr müsst beantworten, ob ich die Richtige bin, so wie ich bin mit Kanten und Ecken.“

Stehende Ovationen für Claudia Roth

Roth versprach vollen Einsatz bei den bevorstehenden Wahlkämpfen. Im nächsten Jahr gehe es um die grünen Schwerpunkte: die Energiewende, die Abschaltung der Atomkraftwerke und die Endlagerfrage. Es gehe um die großen Gerechtigkeitsfragen und um eine moderne Gesellschaftspolitik. Dafür wolle sie an der Spitze der grünen Partei streiten. "Kämpfen kann ich und das Nerven gewöhne ich mir auch nicht mehr ab“, erklärte sie in Anspielung auf die häufig an ihr geübte Kritik, sie sei überspannt und schrill.

Die Delegierten reagierten auf Roths Rede mit donnerndem Applaus und großer Zustimmung. Sie erzielte mit 88,4 Prozent der Stimmen rund 10 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Vorstandswahl vor zwei Jahren.

Die Grünen Claudia Roth Cem Oezdemir beim Parteitag in Hannover Foto:dpa

Erleichtert nach der erfolgreichen Wahl: Claudia Roth und Cem Özdemir

Mit Schwung und Zuversicht in den Wahlkampf

Auch Roths Co-Parteichef Cem Özdemir wurde mit 83,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er kündigte an, in seinem Wahlkreis Stuttgart um ein Direktmandat für den Bundestag zu kämpfen. Bislang hat nur der inzwischen 73-jährige Christian Ströbele in Berlin-Kreuzberg ein Direktmandat für die Grünen erringen können.

Mit einem Wahlsieg in Stuttgart wolle er, der erste türkischstämmige Parteichef Deutschlands, den Siegeszug der Grünen im konservativen und bürgerlichen Bundesland Baden-Württemberg vollenden, versprach Özdemir. Im letzten Jahr haben die Grünen im Südwesten die Landtagswahl gewonnen und stellen mit Winfried Kretschmann erstmals den Ministerpräsidenten. Im Oktober wurde der Grünen-Politiker Fritz Kuhn zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart gewählt.

Am zweiten Tag ihres dreitägigen Parteitags diskutierten die Grünen über ihren sozialpolitischen Kurs. Sie wollen mit leichten Korrekturen an der Agenda 2010 und mit dem Versprechen finanzieller Verbesserungen für Hartz IV-Empfänger in den Wahlkampf gehen. Nach einem Wahlsieg im nächsten Herbst wollen sie das soeben beschlossene Betreuungsgeld für Mütter, die ihre Kinder nicht in Kindertagesstätten geben, wieder abschaffen.

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