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Aktuell Deutschland

Roth kandidiert erneut

Trotz ihrer Schlappe bei der Urwahl für das Spitzenduo zur Bundestagswahl will die Grünen-Chefin Roth wieder für den Bundesvorsitz kandidieren. Sie sprach von einer "herben Klatsche". Es gehe aber nicht um ihre Person.

Die Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Gruenen, Claudia Roth, gibt bekannt, dass sie wieder für den Parteivorsitz kandidiert (Foto: dapd)

Claudia Roth bleibt bei der Fahne

Der Auftritt am Montagmorgen vor der regulären Sitzung des Grünen-Vorstands in der Parteizentrale in Berlin war mit Spannung erwartet worden. Wirft Claudia Roth das Handtuch? Oder tritt sie - trotz der herben Wahlniederlage bei der Urwahl für die Spitzenkandidatur ihrer Partei - zur Abstimmung für den Parteivorsitz am Samstag in Hannover an?

Claudia Roth gab bekannt, dass sie weitermachen will und für den Parteivorsitz erneut antritt. Die Niederlage bei der Urwahl sei zwar eine "herbe Klatsche" und "bittere Enttäuschung für mich persönlich" gewesen, sagte sie. "Wer mich kennt, weiß, dass nach dem bitteren Ergebnis mich Zweifel und große Zerrissenheit durchgerüttelt haben." Deshalb habe sie sich die Frage stellen müssen, ob "das nötige Vertrauen" in sie noch vorhanden sei. Am Wochenende habe sie Hunderte von Mails erhalten und sehr viel Zuspruch bekommen, "aus allen Ecken der Republik und vor allem aus der Basis".

Hauptziel: Ablösung von Schwarz-Gelb

Roth fügte hinzu: "Es geht jetzt in erster Linie nicht um mich und um meine Enttäuschung, sondern es geht um die Ablösung von Schwarz-Gelb." Durch die vielen Rückmeldungen aus der Partei sei ihr klar geworden, dass es jetzt vor allem um die Verantwortung für die eigene Partei gehe. Nach langem Überlegen biete sie daher ihrer Partei an, als Vorsitzende alles für den politischen Wechsel zu tun. Roth weiter: "Deshalb ziehe ich meine Kandidatur nicht zurück." Jetzt hätten die Delegierten beim Parteitag am Wochenende das Wort.

Nachdem sich Roth am Wochenende außer einem Facebook-Eintrag nicht zum Ausgang der Urwahl geäußert hatte, waren Spekulationen aufgekommen, dass Roth einen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erwägt. Ende Oktober hatte sie noch erklärt, unabhängig von dem Ergebnis der Basisbefragung wieder als Parteichefin anzutreten. Bei der Urwahl hatte sie aber mit 26,2 Prozent und Rang vier eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die Grünen-Politikerin hat seit 2001 mit einer Unterbrechung den Parteivorsitz inne.

Roth hatte bei der Urwahl der Spitzenkandidaten nur 26,2 Prozent bekommen. Fraktionschef Jürgen Trittin kam auf 71,9 Prozent, Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt auf 47,3, Fraktionschefin Renate Künast auf 38,6 Prozent.

Grünen-Spitze erleichtert

Die Grünen-Spitze begrüßte die Entscheidung Roths. Der Ko-Vorsitzende Cem Özdemir sagte, er könne ihre Enttäuschung über das schlechte Abschneiden bei der Urwahl verstehen. Umso mehr freue er sich, dass sie beim Parteitag in Hannover erneut für den Vorsitz kandidiere. Fraktionschef Jürgen Trittin betonte, er freue sich, dass Roth seinem Wunsch und dem Wunsch vieler anderer in der Partei nachkomme, erneut anzutreten. Die Vize-Präsidentin des Bundestags, Katrin Göring, Eckardt, sagte, Roth werde für den bevorstehenden "harten Wahlkampf" gebraucht.

Zahlreiche Parteifreunde hatten Roth am Sonntag gedrängt, erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren. "Die Urwahl war kein Ergebnis gegen Ihre Arbeit als Parteivorsitzende, es war vielmehr ein klares Votum dafür, welche beiden Personen die Gesichter der Grünen im Bundestagswahlkampf sein sollen", sagte Özdemir der "Berliner Zeitung". Es gebe in der Partei eine sehr breite Unterstützung für Roth als Parteichefin. Auch die frisch gewählten Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt hatten sich am Sonntag dafür ausgesprochen, dass Roth wieder antritt.

Nein zu Schwarz-Grün

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Grünenparteichefin Roth bleibt an Bord

Trittin und Göring-Eckardt machten angesichts von Spekulationen über ein schwarz-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl deutlich, dass sie für eine rot-grüne Koalition kämpfen. Es gebe keine Basis für eine Zusammenarbeit mit der Union. "Es geht ja bei so etwas immer darum, gibt es eine gewisse inhaltliche Übereinstimmung, auf die man aufbauen kann. Die sehe ich nicht", sagte Göring-Eckardt.

In der "Saarbrücker Zeitung" machte Göring-Eckardt deutlich, dass ihre Partei auch Wähler im Unions- und FDP-Lager für sich gewinnen wolle. Die Grünen müssten die Menschen ansprechen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt wollten. "Dazu gehören enttäuschte Wähler der Union und der FDP."

kle/se (dpa, afp, dapd)

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