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Afghanistan

Rotes Kreuz verlässt Nordafghanistan

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz schließt seine Büros in zwei umkämpften nordafghanischen Provinzen. Dieses Jahr wurden schon sieben Mitarbeiter getötet.

Afghanistan Rotes Kreuz (Getty Images/AFP)

Einsatzwagen des Roten Kreuzes in der nordafghanischen Stadt Kundus

"Wir haben keine Wahl", sagte die Leiterin des Afghanistan-Einsatzes, Monica Zanarelli, in der afghanischen Hauptstadt Kabul. "Die Gefährdungslage ist zu unserer größten Schwierigkeit und Sorge geworden." Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) müsse daher seine Präsenz drastisch reduzieren. Dies gelte vor allem für Einsätze im Norden, wo Einrichtungen in den Provinzen Kundus, Farjab und Balch geschlossen oder verkleinert würden. Wie viele der 1800 Mitarbeiter betroffen seien, sei noch zu klären.

Serie von Sicherheitsvorfällen - sieben tote Mitarbeiter

Grund sei eine Reihe schwerer Sicherheitsvorfälle im Norden in den vergangenen Monaten, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Erst vor knapp vier Wochen hatte ein Patient im Orthopädie-Zentrum des IKRK in Balch eine spanische Therapeutin erschossen. Sein Motiv blieb unklar. Im Februar hatten unbekannte Bewaffnete sechs afghanische Mitarbeiter in der Nordprovinz Dschausdschan erschossen und zwei entführt.

Afghanische Sicherheitskräfte beschuldigten die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Beweise gab es aber nicht. Schon damals suspendierte das IKRK viele seiner Programme. Im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter in Kundus entführt worden. Auch hier wurde nicht klar, wer die Täter waren.

"Verschwimmenden Grenzen" und "viele Graubereiche"

Das IKRK sehe derzeit "eine Menge verschwimmender Grenzen" zwischen Konfliktparteien und "viele Graubereiche", in denen schwer zu arbeiten sei, sagte der IKRK-Sprecher. Der Dialog mit allen Beteiligten am Krieg gehe weiter. 

Das Rote Kreuz hat lange bei allen Konfliktparteien im Land einen besonderen Schutzstatus genossen. Bisher hatte es etwa 2000 Mitarbeiter und arbeitete in den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Menschenrechte und Nothilfe. Neun Büros bleiben offen.

Nach Schätzungen der US-Streitkräfte sind nicht mehr als 60 Prozent des Landes unter der Kontrolle der Regierung. Der Rest wird von den radikalislamischen Taliban und anderen Aufständischen kontrolliert oder unsicher gemacht.

mas/stu (afp, dpa, rtr)

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