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Aktuell Nahost

Rotes Kreuz bringt Hilfsgüter in den Jemen

Die Lage im Jemen spitzt sich immer weiter zu. Nahrungsmittel, Medikamente und Trinkwasser werden knapp. Hilfe von außen kommt nur langsam an. Pakistan will dennoch nicht militärisch eingreifen.

Mit tagelanger Verspätung haben zwei Hilfsflüge des Roten Kreuzes und dem Kinderhilfswerk Unicef die jemenitische Hauptstadt Sanaa erreicht. Insgesamt seien mehr als 30 Tonnen dringend benötigte Hilfsgüter geliefert worden, teilten die beiden Organisationen mit. IKRK-Sprecherin Marie-Claire Feghali sagte, an Bord seien vor allem Medikamente, Verbandsmaterial und Operationsbesteck gewesen. Ein weiteres Flugzeug mit Sanitätsartikeln, Generatoren und Ausrüstung zur Wasseraufbereitung für die Krankenhäuser in Sanaa wird demnach am Samstag erwartet.

Ursprünglich wollte das IKRK schon Anfang der Woche zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern nach Sanaa schicken und hatte dafür nach eigenen Angaben auch die Genehmigung Saudi-Arabiens, das seit über zwei Wochen Luftangriffe gegen Ziele der Huthi-Rebellen fliegt. Allerdings war es nach Angaben des IKRK schwierig, Fluggesellschaften zu finden, die mit ihren Frachtmaschinen in das Konfliktgebiet fliegen wollen.

Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen droht im Jemen eine humanitäre Katastrophe. Die Rotkreuz-Helfer berichteten, Kliniken müssten immer wieder Menschen behandeln, die bei Luftangriffen oder Gefechten verletzt worden seien. Arzneimittel und Ausrüstungsgegenstände seien knapp. Besonders viele Verletzte gibt es der Organisation zufolge in der Hafenstadt Aden, die zwischen den Huthi-Rebellen und örtlichen Milizen umkämpft ist.

Die Vereinten Nationen forderten eine "sofortige humanitäre Kampfpause", um mehr Hilfslieferungen ins Land bringen zu können. "Wir brauchen mindestens einige Stunden pro Tag", sagte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes Van der Klaauw, in Genf. Besonders besorgniserregend sei die Lage in der Hafenstadt Aden, die "unkontrollierbaren Milizen" ausgeliefert sei.

Pakistan lehnt Militärbeteiligung im Jemen ab

Derweil wies das Parlament in Islamabad den Wunsch Saudi-Arabiens nach einer Beteiligung Pakistans an der Militärkoalition gegen die Huthi-Rebellen im Jemen zurück. Nach fünftägiger Debatte verabschiedeten die Abgeordneten einstimmig eine Resolution, in der sie die Zusage der Regierung unterstützen, die Unverletzbarkeit des saudischen Territoriums zu schützen. Gleichwohl solle Pakistan in dem Konflikt weiter seine Vermittlerrolle wahrnehmen und nicht aktiv in die Kämpfe eingreifen. Die saudische Regierung hatte Pakistan um die Entsendung von Truppen, Schiffen und Kampfflugzeugen gebeten.

Ein allzu enger Schulterschluss Pakistans mit Saudi-Arabien im Krieg um die Vorherrschaft im Jemen käme einer gefährlichen Positionierung im jahrhundertealten Konflikt zwischen der sunnitischen und der schiitischen Strömung des Islams gleich – mit verheerender Wirkung für das sunnitische Pakistan. Denn Pakistans Nachbar im Westen ist der mehrheitlich schiitische Iran.

Wieder Angriffe auf Sanaa

Unterdessen hat Indien seine Evakuierungsaktion beendet. Die staatliche Fluggesellschaft Air India habe 18 Sonderflüge durchgeführt, um Menschen zu retten, teilte Außenministerin Sushma Swaraj per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Schiffe der indischen Marine hätten seit Ende März 1670 Menschen aus den Städten Aden, Al Hudaydah und Al Mukalla geholt. Unter den Geretteten seien 960 Nicht-Inder aus 41 verschiedenen Ländern. Auch Deutschland und die USA hatten Indien gebeten, ihre Staatsbürger außer Landes zu bringen.

Jemen Luftschläge auf Sanaa (Foto: Reuters)

Sanaa unter Feuer

Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition setzte unterdessen ihre Luftangriffe auf die von den Huthi-Rebellen gehaltene Hauptstadt Sanaa fort. Nach Angaben von Anwohnern wurden unter anderem das Verteidigungsministerium und Waffenlager von Soldaten bombardiert, die dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh nahestehen. Der gewählte Präsident Abd Rabbu Mansur Hadi ist nach Saudi-Arabien geflüchtet. Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt seit Mitte März fast 650 Menschen getötet.

gmf/as (afp, dpa, epd, rtr)