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Reise

Roter Sandstein, roter Bart

Die Deutschen im späten 19. Jahrhundert waren offensichtlich recht angetan von ihrem Kaiser Wilhelm. Mehr als 100 Mal wurde der Monarch in Statuen und Denkmälern verewigt.

Sonnenaufgang über dem , 81 m hohen Kyffhäuser-Denkmal (Foto: picture alliance / dpa)

Sonnenaufgang über dem Kyffhäuser

Eines der bekanntesten steht im Kyffhäusergebirge, südlich des Harzes. Ein riesiger viereckiger Turm, errichtet aus 25.000 Kubikmeter rotem Thüringer Sandstein, sollte die Macht des Reichs symbolisieren. Vor dem Hintergrund dieses Turmes wirkt das Reiterstandbild Wilhelms I. ziemlich bescheiden. Aber im Grunde wird auf dem Kyffhäuser, dem 477 Meter hohen Berg bei Bad Frankenhausen, auch ein ganz anderer Kaiser geehrt - und zwar Friedrich I. Barbarossa. Auch er war von der Idee eines großen deutschen Reichs besessen - schon 700 Jahre vor Wilhelm.

Barbarossa im Wartezimmer

Stuhl des Barbarossa (Foto: picture alliance / dpa)

Stuhl des Barbarossa

1190 kam Barbarossa während eines Kreuzzuges in Kleinasien ums Leben, aber seine Beliebtheit blieb durch die Jahrhunderte erhalten. Nach der Überlieferung sitzt er in einem unterirdischen Schloss auf einem Stuhl aus Elfenbein an einem Tisch aus Marmor und schläft - in Erwartung der deutschen Einheit. Dieses vermeintliche Schloss befindet sich in der Barbarossa-Höhle im Kyffhäuser, die vor mehr als 100 Jahren von Bergleuten entdeckt wurde: eine gespenstische Welt aus Höhlen und kristallklaren Seen, langen, engen Gängen und einem bizarren Labyrinth aus Felsformationen - eine Welt voller optischer Illusionen, die ideale Umgebung also um eine Überlieferung zu nähren.

Starke zentrale Macht

Eine Sage, die übrigens auch in 40 Jahren sozialistischer Herrschaft ausdrücklich geduldet wurde, weil sie, so die offizielle Sprachregelung in der früheren DDR, "die Hoffnung des Volkes und sein Verlangen nach einer starken zentralen Macht" reflektierte. Die Touristen waren und sind von solchen Interpretationen nicht sonderlich beeindruckt. Sie kommen einfach um den Kaiser mit seinem feuerroten Bart zu sehen. Wenn auch bisher vergeblich. Denn obwohl die deutsche Einheit schon (wieder) vollzogen wurde, gibt's von Barbarossa weit und breit keine Spur. Die Enttäuschung der Besucher hält sich in Grenzen. Sie nutzen die Gelegenheit um den Thron des absenten Monarchen zu besteigen. Denn das bringt Glück - behauptet die Sage.