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Afghanistan

Rot-Kreuz-Mitarbeiter in Afghanistan getötet

Mutmaßliche Islamisten haben in der nordafghanischen Provinz Dschausdschan sechs Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz erschossen. Weitere werden vermisst.

Sowohl das Internationale Komitee vom Roten Kreuz als auch die afghanischen Behörden bestätigten den Tod der Helfer. "Wir sind schockiert und am Boden zerstört", sagte IKRK- Sprecher Thomas Glass. Die Männer seien am Mittwochmorgen (Ortzeit) ermordet worden. Zur Nationalität der Toten und zur Identität der Täter wollte Glass keine Angaben machen. In einer Stellungnahme der Organisation hieß es, das Team habe aus drei Fahrern und fünf Programm-Mitarbeitern bestanden. Sie seien in einer Gegend südlich der Provinzhauptstadt Scheberghan unterwegs gewesen, "um dringend benötigtes Material für Viehbauern zu liefern". Von Seiten der afghanischen Behörden hieß es, es handele sich um einheimische Mitarbeiter der Hilfsorganisation.

Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz, Maulawi Lotfullah Asisi, haben Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Männer getötet. Am Morgen hätten insgesamt acht Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Bezirk Kosch Tepa "Heu für Herdentiere verteilt", als sie von Mitgliedern des IS angegriffen worden seien. Zwei afghanische Rot-Kreuz-Helfer seien entführt worden. Die sechs Toten seien mithilfe von Stammesältesten geborgen worden. Man versuche nun, die Freilassung der beiden Geiseln auszuhandeln.

Ein Reporter des afghanischen Senders Tolo TV hatte zuvor über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, Bewaffnete hätten die sechs IKRK-Mitarbeiter von einem oder mehreren Motorrädern aus im Bezirk Kosch Tepa erschossen.

In Kosch Tepa hatte es in den vergangenen Tagen heftig geschneit, es gab zahlreiche Lawinenabgänge. Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter waren zur Versorgung von Menschen und Nutztieren in der Region unterwegs.

Neue IS-Präsenz?

Bislang traten in der Region keine Kämpfer des "Islamischen Staates" in Erscheinung. Die Terrormiliz ist, soweit derzeit bekannt, nur in den ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar sowie in Kabul präsent. IS-Kämpfer in Dschausdschan wären eine Neuheit. Ehemalige Taliban-Kämpfer oder auch Kriminelle haben sich aber in verschiedenen Provinzen punktuell schon ohne nähere Spezifizierung IS-Kämpfer genannt.

Afghanistan ist für Hilfsorganisationen ein gefährliches Einsatzgebiet, obwohl die Helfer eigentlich auch unter den Taliban und anderen Kriegsparteien einen besonderen Schutzstatus genießen. Erst im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter des IKRK in der nordafghanischen Provinz Kundus aus einem Auto heraus entführt worden. Er war im Januar freigekommen. Zur Identität der Entführer hatte die Organisation damals keine Angaben machen wollen.

qu/uh (dpa, afp, rtre, APE)

 

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