Rosneft macht Gazprom Konkurrenz | Wirtschaft | DW | 04.06.2018
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Wirtschaft

Rosneft macht Gazprom Konkurrenz

Die russischen Energiekonzerne Gazprom und Rosneft werden beide vom Staat kontrolliert. Dass sie sich Konkurrenz machen, hat mit Veränderungen im Gasgeschäft zu tun. Aus Moskau Miodrag Soric.

Gazproms Chef Alexei Miller (picture-alliance/dpa/S. Ilnitsky)

Gazprom-Chef Alexei Miller

Auf den ersten Blick passt das so gar nicht in die Vorstellung von Russlands "gelenkter Großindustrie": Rosneft, Russlands größtes Mineral-Ölunternehmen mit über 106.000 Mitarbeitern, scheint zunehmend Gazprom Konkurrenz zu machen - und zwar im weltweiten Gasgeschäft.

Rosneft unterzeichnete jüngst Verträge mit dem westafrikanischen Staat Ghana und mit den Kurden im Irak: Deals, die einst Gazprom angeboten wurden, so russische Medien. Rosneft war offenbar entscheidungsfreudiger und schneller. Der Konzern engagiert sich auch in Venezuela, in Brasilien und Nordafrika. Überall geht es um Geschäfte in Milliardenhöhe, Gazprom droht zurückzufallen.

Veränderungen im Gas-Geschäft

"Wissen und Erfahrung im Gasgeschäft erwirbt ein Unternehmen nicht von heute auf morgen", erklärt Rustam Ulanovic Tankaev vom russischen Verband der Öl- und Gas-Produzenten gegenüber der Deutschen Welle. Rosneft habe, weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, bereits vor 16 Jahren mit der Förderung von Gas in Vietnam angefangen.

"Im vergangenen Jahr zeichnete die Regierung in Hanoi die Firma sogar aus, denn bei der Gasgewinnung ist es nie zu einer Havarie gekommen", so Tankaev. Der Mineralölkonzern baute sein Gasgeschäft aus und stellte zunehmend Ingenieure, Manager und Experten ein. "Sie werben Mitarbeiter bei Gazprom ab, teilweise zahlen sie besser", meint Tankaev.

Gazprom dagegen profitiert von der schützenden Hand des russischen Präsidenten Wladimir Putin: Das Unternehmen verfügt über das Monopol auf den Export von russischem Erdgas durch Pipelines. So versorgt Gazprom große Teile Europas, darunter Deutschland.

Putin und Gazprom CEO Alexei Miller (Getty Images/AFP/A. Nikolsky)

Russlands Präsident Putin und Gazprom-Chef Miller (r.) im August 2017

Umstritten ist im Westen der Bau der Pipeline Nord-Stream-2 durch die Ostsee. Moskau könnte so noch mehr Gas nach Europa verkaufen, kritisieren Polen und Balten. Durch die neue Pipeline würde die Ukraine als Transitland umgangen, Kiew entgingen Einnahmen in Milliardenhöhe. Was die Kritiker ebenfalls stört: Russland könnte seine Vormachtstellung als größter Exporteur von Erdgas weiter ausbauen. Der europäische Gasmarkt gilt als besonders lukrativ.

Früher regional, heute global

Doch das Gas-Geschäft verändert sich rapide. Bisher war es auf Pipelines angewiesen und daher regional begrenzt. Doch Flüssiggas-Anlagen, so genannte LNG-Terminals, machen aus dem regionalen Geschäft ein globales. Tanker verschifften Flüssiggas weltweit.

Moskau baut in Rekordtempo LNG-Anlagen, verfügt über gewaltige Rohstoffreserven. Auch Rosneft profitiert davon. Dessen CEO Igor Setchin treibt das Gas-Geschäft des Konzerns voran, hat einen engen Draht zum Kremlchef, den er noch aus den 90er Jahren aus Sankt Petersburg kennt.

Die russischen Rohstoff-Konzerne "Gazprom, Rosneft, Lukoil oder Novatek konkurrieren untereinander auf dem nationalen Markt, aber auch global", meint Rustam Ulanovic Tankaev.

Der Kreml hat entschieden, dass neben Gazprom auch andere russische Unternehmen Flüssiggas fördern und verkaufen können. Rosneft zum Beispiel engagiert sich im ägyptischen Off-Shore Gasfeld "Zohr", das größte im Mittelmeer.

Das dort gewonnene Gas ist für Ägypten bestimmt, kann aber auch nach Europa exportiert werden. Rosneft kooperiert dort mit BP und dem italienischen Eni Konzern.

Deutschland PCK-Raffinerie Brandenburg | Gerhard Schröder & Igor Setschin, Vorstandsvorsitzender Rosneft (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Der frühere Bundeskanzler Schröder leitet den Aufsichtsrat von Rosneft

Schröder ist überall

Rosneft, mit einer Marktkapitalisierung von 65 Milliarden Dollar, verdient zwar immer noch das meiste Geld mit Öl. Doch sein Gasgeschäft wächst schnell.

Bei allem Wettbewerb unter Russlands Energie-Giganten: Der russische Staat ist Mehrheitsaktionär bei Rosneft und bei Gazprom. Im Hintergrund trifft stets Präsident Putin die wichtigsten Entscheidungen.

Es gibt auch personelle Überlappungen. So arbeitet der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder für beide Unternehmen. Er ist seit Herbst letzten Jahres Aufsichtsratschef bei Rosneft, schon seit längerem hat er die entsprechende Position bei Gazproms Nord-Stream AG inne.

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