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Musik

Rosenstolz: Comeback nach Burnout

Vor drei Jahren waren Rosenstolz auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Dann folgte der mentale Absturz. Hits und ausverkaufte Konzerte waren plötzlich nicht mehr wichtig. Doch jetzt meldet sich das Duo zurück.

Cover der CD von Rosenstolz: Wir sind am Leben. (Copyright: Island Universal)

Rosenstolz ist zweifelsohne das erfolgreichste Pop-Gespann Deutschlands, eine Gemeinschaft zweier Seelenverwandter: Sängerin AnNa R. und Drummer und Songwriter Peter Plate. Auf ihrer Karriereleiter ging es unaufhaltsam nach oben, da passierte es: Im Januar 2009 brach Peter Plate bei einem Konzert auf der Bühne heulend zusammen. Mit Ach und Krach brachte Rosenstolz das Konzert zuende, doch dann ging gar nichts mehr. Alle weiteren Termine wurden abgesagt. Der Erfolgsdruck hatte dem damals 41-jährigen so zugesetzt, dass er ihn nicht mehr verkraften konnte. Diagnose: Burnout-Syndrom.

Plate flüchtete nach London, um Abstand zu gewinnen: vom Musikbusiness, dem Duo, von sich selbst. Heute beschreibt er diese Auszeit als Rückkehr in sein Studentendasein, als er noch ganz ohne Druck und Zwänge in den Tag hinein lebte. Tagsüber saß er an seinem Keyboard, spielte irgendwelche Songs und komponierte. Und zwar nicht für Rosenstolz, sondern nur für sich - als Ablenkung von seinem Burnout. "Man kann diese Krankheit vielleicht mit dem Syndrom von Platzangst vergleichen", erklärt Plate seinen damaligen Zustand. "Entweder du vermeidest alles, um dieser Angst zu begegnen, oder du setzt dich mit ihr auseinander."

Sängerin AnNa R. Songwriter und Drummer Peter Plate auf der Bühne (AP Photo/Miguel Villagran)

Rosenstolz erhielten für ihr soziales Engagement kürzlich das Bundesverdienstkreuz

Jammern verboten

Zusammen mit seinem Lebenspartner Ulf Leo Sommer verarbeitete Peter Plate seine psychischen Probleme. Heraus kamen dabei die Songs des neuen Albums mit dem Titel: "Wir sind am Leben". Es sei Rosenstolz sehr wichtig gewesen, Musik zu schreiben, die Lebensfreude versprühe, so Plate. Auch wenn es ihm am Anfang des Schreibprozesses noch nicht so gut ging. "Aber das letzte, was mich motiviert hätte, wäre so ein Jammerlappen-Album gewesen", lacht er.

Blick zurück nach vorn

Viele Songs auf der neuen Scheibe sind ein Statement, ein Befreiungsschlag im Kampf gegen das Untergehen. Und es folgt die Einsicht, dass es immer weiter geht im Leben. Peter Plate nimmt das Musikbusiness jetzt nicht mehr so ernst, ebenso wenig wie sich selbst. Die Unbekümmertheit und Lockerheit aus den Anfangstagen von Rosenstolz soll wieder im Vordergrund stehen.

Zum aktuellen Album erscheint auch eine Deluxe-Edition, auf die das Duo Songs seiner allerersten Demo-Kassette gepackt hat: "Wenn man da reinhört, kommt man eigentlich aus dem Lachen nicht mehr raus", schmunzelt AnNa R. "Und man kann zumindest feststellen, dass man in der Lage ist, sich zu entwickeln." 

Staatlich anerkanntes Ehrenamt

Das Berliner Duo Rosenstolz (AP Photo/Polydor, Olaf Becker)

Duo Rosenstolz: Idol der homosexuellen Szene

In ihren ersten Jahren wurden Rosenstolz zunächst in der Schwulen- und Lesbenszene bekannt - was auch damit zu tun hat, dass Songschreiber Peter Plate offen zu seiner Homosexualität steht. Ein großer Verehrer des Duos ist übrigens der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, ebenfalls bekennender Homosexueller. Erst in der zweiten Karrierehälfte hat sich Rosenstolz auch beim Mainstream-Publikum eine Fangemeinde erspielt.

 Zusammen mit seiner musikalischen Partnerin engagiert sich Plate seit zwanzig Jahren im Kampf gegen AIDS. Dafür bekam das Duo Ende August das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. "Anna und ich sind der Meinung, dass wir den Preis stellvertretend für all die Leute entgegennehmen, die sich tagtäglich im Kampf gegen AIDS engagieren", freute sich Peter Plate über die Anerkennung von staatlicher Seite. Es seien die Krankenschwestern, Ärzte, Pflegeteams und ehrenamtlichen Helfer, die täglich dafür sorgten, dass AIDS-Kranke weiterleben können, betonte er.

Vorübergehend nicht erreichbar

Auch Rosenstolz sind noch am Leben. Sie haben ihre Nische gefunden: zwischen Pop und Schlager, Kitsch und Kult, Hetero und Homo. Die Berliner liefern eingängig geschriebene Mitsingnummern und Balladen mit Texten, in denen sich viele Menschen wiederfinden. Daran hat sich auch auf ihrem zwölften Album nichts geändert. Nur auf eines müssen die Fans erst einmal verzichten: auf Live-Konzerte. Denn eines hat Peter Plate während seiner Krankheit gelernt: abschalten. "Pausen sind wichtig für uns", sagt er. "Ich habe zum Beispiel begriffen, dass ein Handy einen Ausschaltknopf hat. Und ich genieße die Tage, an denen es mal nicht um Rosenstolz geht."

Autor: Ralf Kennel
Redaktion: Matthias Klaus

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