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Bücher

Rosarote Elefanten: Martin Suters neuer Roman

Einen Blick in die Zukunft der Gentechnik wagt der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter in seinem neuen Roman "Elefant". Wie immer bei Suter prallen die Gegensätze aufeinander: Arm und Reich, Vergangenheit und Zukunft.

"Jemand wollte ein Luxusspielzeug designen, und es ist ein empfindsames Wesen dabei herausgekommen."

Irgendwann im letzten Teil des Geschehens bringt es eine der Hauptfiguren auf den Punkt. Es geht in Suters inzwischen 14. Roman tatsächlich um einen schnuckeligen kleinen Elefanten, den die Protagonisten - und ebenso der Leser - schnell lieb gewinnen. Martin Suter erweist sich einmal mehr als glänzender literarischer Verpackungskünstler. Das Thema Gen-Zukunft und -Manipulation auf eine solch unterhaltsame Art und Weise in einem Roman zu verpacken, das muss dem Schweizer erst einmal einer nachmachen.

Obdachlose prallen auf Genforscher

Suter erzählt in literarischen Parallelmontagen eigentlich zwei Geschichten. Da ist der Obdachlose Fritz Schoch, der sich in seiner Höhle am Fluss plötzlich einer Halluzination ausgesetzt sieht - die sich dann aber als überraschende Realität entpuppt. Nicht der übliche Alkoholgenuss ist dafür verantwortlich, dass Schoch eines Tages in seinem Quartier am Rande Zürichs mit benebeltem Kopf aufwacht und einen kleinen leuchtenden rosa Elefanten vor sich sieht. Es sind vielmehr die Ergebnisse des aus dem Ruder gelaufenen Genversuchs des von übermäßigem Ehrgeiz angetriebenen Forschers Roux - Suters zweitem Erzählstrang.

Symbolbild Zirkuselefanten (picture-alliance/dpa/U. Düren)

Auch einen Ausflug in die Welt der Zirkuselefanten bietet Suters Roman

Dieser Forscher hat nämlich tatsächlich einen rosaroten Elefanten aus Fleisch und Blut geschaffen. Der leuchtet in der Nacht und das auch noch in dekorativem Rosa. Roux hatte "das Pigment von der Nase des Mandrillaffen und das Luziferin eines Glühwürmchens" gentechnisch gemixt. Bei der Zellübertragung ist nicht alles nach Plan gelaufen, und deshalb ist der Elefant nun nur ein Elefäntchen. Durch allerlei Zufälle gerät dieser König der Tierwelt, seiner eigentlichen Größe und Farbe beraubt, schließlich in die Hände des Obdachlosen Fritz Schoch.

Früher Investmentbanker - heute auf der Straße

Der ist eine klassische Suter-Figur:

"Was war dein Job?", fragt ihn die Tierärztin Valerie, mit der Schoch sich später anfreundet: "Das willst du nicht wissen, antwortet Schoch. So schlimm? Ich arbeitete in einer Bank."

Abgestürzt aus großen gesellschaftlichen und beruflichen Höhen, angekommen an den Rändern der Gesellschaft. Schoch hat einen langen Leidensweg hinter sich, früher Investmentbanker, heute Obdachloser.

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"Elefant" - Der neue Roman von Martin Suter

Diesen Weg hat Martin Suter nicht beschritten, doch einen harten Schnitt hat auch er hinter sich. Suter, der früher ein sehr erfolgreicher Texter in der Werbebranche war und nicht schlecht verdiente, ist irgendwann ausgestiegen und hat sein früh begonnenes Hobby zum Beruf gemacht: das Schreiben. 1997 debütierte Suter als Romanautor mit dem Buch "Small World". Von da an ging es bergauf für den Schriftsteller Martin Suter, inzwischen gilt er als meistgelesener Autor seines Landes, Filmproduzenten und Regisseure reißen sich um seine immer sehr szenisch geschriebenen Romane. Suter kennt sich aus in mehreren Welten, das merkt man seinen Romanen an, die zudem immer gut recherchiert sind.

Ein kleiner Elefant als Sympathieträger

Eine Verfilmung von "Elefant" kann man sich auch gut vorstellen, vorausgesetzt die Tricktechniker statten die kleine Elefanten-Dame Sabu mit allen Finessen aus.

"Sabu war genug allein gewesen, kam nun mit erhobenem Rüssel und gestellten Ohren zur Tür herein und blieb erwartungsvoll vor ihnen stehen. Valerie streckte die Hand nach ihr aus, und der kleine Elefant schlang seinen Rüssel um ihren Zeigefinger."

Schoch und Valerie schließen den kleinen rosa Elefanten im Romanverlauf in ihr Herz. Das führt sie und ihren Verbündeten, Kaung, Flüchtling aus Burma und Elefantenspezialist, schließlich über einen Abstecher im Zirkusmilieu bis nach Indien. Verfolgt werden sie bei diesem literarischen Katz- und Mausspiel von gierigen Forschern und der fiesen Gen-Mafia aus China.

Krimiplot mit Anspruch

Martin Suter hat das alles in bewährt fesselnder Unterhaltungs-Manier zu Papier gebracht, ein paar Wendungen hätte er sich womöglich sparen können, denn dass das Elefäntchen samt seiner Beschützer entwischt, ist relativ schnell klar. Und auch in das Zukunfts-Thema Genmanipulation wird nicht allzu tief eingedrungen. "Elefant" ist ein gut geschriebener Unterhaltungsroman mit Krimiplot und gesellschaftlicher Einbettung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Martin Suter: Elefant, Diogenes Verlag 2017, 348 Seiten, ISBN 978-3-257-86310-9.

 

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